Patchworkbiografie
Mit dem Begriff Patchworkbiografie wird in der individualisierten Gesellschaft die Biografie derer bezeichnet, die keine lineare Berufsbiografie vorzuweisen haben, sondern ein großes Durcheinander von verschiedenen Jobs, eine langjährige (Universitäts-) Ausbildung oder andere Weiterbildungsphasen hinter sich haben, die zu nichts führten. Auch ist man meist über längere Zeiträume arbeitslos gewesen. Hierdurch entstehen Lücken im Lebenslauf.
Die Patchworkbiografie entsteht durch das Bestreben, möglichst viele unterschiedliche Jobs zu machen, um Qualifikationen zu erwerben, die auf möglichst viele Bereiche zugeschnitten sind. Kenntnisse und Fähigkeiten, die von Arbeitgebern gesucht werden, stellen sich immer vielfältiger dar. Man "bastelt" an seiner Biografie, damit man später nicht das Gefühl haben muss, nicht alles getan zu haben, um eine Arbeit zu finden. Ein buntes "Flickwerk" (engl. patchwork) ist die Folge. Innere Unzufriedenheit und Leere können Begleiterscheinungen sein, da die Suche nach dem "Traumjob" im Sande verläuft.
Patchworkbiografien entstehen vor allem durch gesellschaftliche, soziale und wirtschaftliche Umbrüche, und haben oft nichts mit den einzelnen Betroffenen selbst zu tun. Der sich wandelnde Markt lässt immer weniger geradlinige Biografien zu.
Der Begriff ist bereits seit 2001 im Duden zu finden, hat jedoch mit einigen Kritiken zu kämpfen. Z. B. wird kritisiert, dass "Patchwork" nicht zum Begriff "Biografie" passe, da die Biografie an sich dynamisch ist, auf ein Ziel hinarbeitet und den Aspekt der Zeit in sich trägt. Das Wort "Patchworkfamilie" sei nicht verwerfbar, da es die Struktur einer Familie beschreibe. Bei einer Biografie dagegen könne man nicht von etwas Zusammengeflickten reden, da sie sich zu jedem Zeitpunkt verändere und die jeweiligen Tätigkeiten nicht in einem patchworkartigen Verhältnis ständen.


