Jobs suchen und finden: Stellenmarkt · Stellenangebote Ingenieure · Stellenangebote IT · Arbeiten in England
Benutzerspezifische Werkzeuge
  • Anmelden

Frauen verdienen rund 20% weniger als Männer – Und der Abstand wächst mit der Berufserfahrung

Am 19. Januar 1919 durften Frauen in Deutschland zum ersten mal wählen und selbst gewählt werden. Erst ab 1977 durften Frauen auch ohne die Erlaubnis ihrer Ehemänner einer beruflichen Tätigkeit nachgehen. Heute traut sich keiner mehr (abgesehen von Eva Herrmann) die unhaltbare These von der biologischen Unterlegenheit der Frau zu vertreten, die wegen ihrer geringeren Fähigkeiten nur als Hausfrau und Mutter taugt. Artikel 2 des Grundgesetzes besagt, dass Männer und Frauen gleichberechtigt sind, zumindest vor dem Gesetz.

Frauen verdienen rund 20% weniger als Männer – Und der Abstand wächst mit der Berufserfahrung

Doch wie sieht es in der Realität aus? Eine Studie des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) vom Juni 2009 hat herausgefunden, dass Frauen beim Berufseinstieg erheblich weniger verdienen als Männer. Die Studie untersuchte „Geschlechtsspezifische Lohndifferenzen nach dem Berufsstart und in der ersten Berufsphase“ in Deutschland und sieben weiteren EU-Ländern. Das Phänomen, dass Frauen weniger verdienen als Männer nennt sich „Gender Pay Gap“, je höher der GPG, desto größer ist der Unterschied zwischen dem Gehalt von Männern und Frauen. In Deutschland betrug der GPG im untersuchten Zeitraum 21,6%, das bedeutet, dass männliche Berufsanfänger im Durchschnitt über 20% höhere Gehälter beziehen als weibliche Berufsanfänger. Mit diesem Ergebnis liegt Deutschland im EU-Vergleich im oberen Mittelfeld.

In jedem der sieben untersuchten Länder verdienten Männer anfangs mehr als Frauen. In Dänemark waren es „nur“ 9,8% in Spanien hingegen stolze 30,4%. Allerdings verringerte sich der Gender Pay Gap in jedem der untersuchten Länder mit zunehmender Berufserfahrung. In den folgenden Jahren der Erwerbstätigkeit glichen sich die Gehälter von Männern und Frauen nach und nach an. Die einzige Ausnahme in diesem Trend bildet Deutschland, wo der Gehaltsunterschied sich mit zunehmender Berufserfahrung sogar noch vergrößert.

Frauen mit einer Berufserfahrung von bis zu drei Jahren verdienen durchschnittlich 18,7% weniger als ihre männlichen Kollegen, in den nächsten vier bis zehn Jahren vergrößert sich dieser Abstand auf 21,8%. Doch wie lassen sich diese erschreckenden Daten erklären? Die Studie des BMFSFJ versuchte auch, Ursachen für diese Ungleichheit in der Bezahlung von Männern und Frauen zu finden. Die Untersuchung ergab, dass sich etwa 60% der Gehaltsdifferenz durch berufliche oder persönliche Faktoren erklären lassen. So sind Frauen häufig noch schlechter ausgebildet als Männer und werden deswegen schlechter bezahlt. Das liegt vor allem daran, dass viele Frauen nicht soviel Zeit und Geld in ihre Ausbildung investieren, weil sie damit rechnen, durch familiäre Verpflichtungen ihrer Arbeit nicht immer ihre ganze Aufmerksamkeit widmen zu können.

Viele Arbeitgeber glauben, dass ihnen geschäftliche Einbußen drohen, wenn sie Frauen beschäftigen, weil diese vielleicht in Phasen wie Mutterschaftsurlaub länger abwesend sind. Diese Verluste kalkulieren Arbeitgeber in ihre Gehaltsvorschläge ein, wenn sie Frauen einstellen, darum fallen deren Gehälter oft geringer aus. Ein weiterer Grund für die durchschnittlich schlechtere Bezahlung der berufstätigen Frauen, sind die vielen Frauen, die Teilzeit arbeiten. Um nebenbei für ihre Familie sorgen zu können, arbeiten viele Frauen in Teilzeit, doch der Teilzeit-Stundenlohn ist geringer, als der Vollzeit-Stundenlohn. Also ergeben sich auch hier, niedrigere Gehälter für Frauen.

Doch auch wenn diese arbeitsmarktpolitischen Faktoren etwa 60% Prozent des Gender Pay Gap erklären, bleiben noch 40%, die nicht erklärt werden. Laut der Studie des BMFSFJ betrug die Differenz zwischen Männergehalt und Frauengehalt im untersuchten Zeitraum 21,6%. Davon lassen sich 12,96% erklären, bleiben noch 8,46%, die nicht erklärt werden. Am wahrscheinlichsten ist es, dass dieser Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen sich durch tradierte Rollenverhältnisse begründen lässt, die bei vielen von uns unterbewusst noch vorhanden sind.

In vielen der klassischen „Männerberufe“ haben es Frauen nach wie vor schwer sich durchzusetzen und im Gegenzug werden typische „Frauentätigkeiten“ oft geringer bewertet als vergleichbare „Männertätigkeiten“. Zum Teil liegt das sicher an patriarchalischen Strukturen, die in vielen Unternehmen noch immer an der Tagesordnung sind. Die meisten Vorstandsvorsitzenden und Abteilungsleiter sind Männer, und obwohl sie es vielleicht nicht absichtlich tun, setzen sie vielleicht eher einen anderen Mann als ihren Nachfolger ein und eine Frau als Sekretärin. Doch auch die Frauen sind nicht ganz unschuldig an der Situation. Solange die Frauen nicht selbstbewusst ihr Recht auf Gleichbehandlung einfordern, sondern sich stillschweigend ebenfalls als minderwertig abstempeln, wird sich an den Zuständen ganz bestimmt nichts ändern.

Allerdings muss auch der Gesetzgeber etwas tun, damit sich die Situation für Frauen verbessert. Zum einen sollte Teilzeitarbeit genauso entlohnt werden wie Vollzeitarbeit, zum anderen sollten Frauen seltener mit befristeten Arbeitsverträgen vertröstet werden. Typische „Frauentätigkeiten“ wie Büroarbeiten oder Pflege sollten besser bezahlt werden und die Kinderbetreuungsmöglichkeiten sollten erweitert werden. Wenn Frauen durch ihre Mutterschaft kaum noch berufliche Nachteile entstehen, werden männliche Arbeitgeber es sich nicht länger leisten können, sie schlechter zu bezahlen.

Frauen und Männer sind in Deutschland gleichberechtigt, doch die Unterschiede in der Bezahlung von Frauen und Männern sind Diskriminierung. Die Bundesregierung sollte diese Studie zum Anlass nehmen, gegen diese geschlechtsspezifische Diskriminierung vorzugehen. Schließlich wäre es doch auch unfair wenn Frau Merkel weniger verdienen würde als seinerzeit Herr Schröder, oder nicht?

Von Friederike Meisner

Artikelaktionen