Gutes tun und Geld verdienen: Arbeit in gemeinnützigen Organisationen
Gemeinnützige Organisationen leben vom Ehrenamt, also der freiwilligen, unbezahlten Mitarbeit. In Deutschland engagiert sich etwa jeder Dritte in irgendeiner Form in seiner Freizeit. Einrichtungen wie Das Rote Kreuz, die Caritas oder der WWF bieten allerdings auch bezahlte Anstellungen für Menschen jeglicher Fachrichtungen.
Die Stellen sind so unterschiedlich wie die Organisationen selbst. Eigentlich kann hier jeder seine Nische finden: bei den international tätigen NGO's wie Amnesty International oder der Welthungerhilfe, bei kirchlichen Verbänden und vielen weiteren kleineren Vereinen. Ob globale Armut, Schutz der Menschenrechte, Behindertenhilfe, Umweltschutz... Wer sich für etwas engagieren möchte, findet sicher eine passende Organisation zu jedem Bereich. Und jeder Topf seinen beruflichen Deckel.
Viele national aktive Organisationen unterstützen kranke und behinderte Menschen. Neben Ärzten und Pflegern, die etwa den Einrichtungen der Caritas arbeiten, braucht man dort Leute, die in sozialer Arbeit ausgebildet sind. Sozialarbeiter werden auch in der Suchtberatung angestellt oder zur Unterstützung von Opfern häuslicher Gewalt. In kleinerem Rahmen sind in solchen Beratungsdiensten auch Psychologen und Sozialpädagogen tätig.
Das im sozialen Sektor soziale Berufe gefragt sind, ist klar. Doch gemeinnützige Organisationen sind nicht nur Zusammenschlüsse von Idealisten mit guten Absichten, sondern auch große Apparate mit immensem Verwaltungsaufwand, der gemanagt werden muss. Also braucht es Leute, die genau das gelernt haben. So können auch Betriebswirte und Verwaltungsfachleute dort unterkommen, wo Gutes getan wird. Juristen werden ebenfalls gebraucht, denn viele Organisationen bieten eine Rechtsberatung an für Menschen, die keinen eigenen Anwalt bezahlen könnten. Und Naturwissenschaftler haben Chancen, bei Umweltschutzverbänden wie Nabu und WWF eine Stelle zu bekommen.
Auch wenn viele Organisationen staatlich finanziert sind, sind sie doch auf weitere Geldmittel angewiesen. Fundraising und PR sind also zwei weitere Stichworte, die das Spektrum der gesuchten Qualifikationen erweitern. Und ohne Studium? Gibt es ebenfalls eine große Auswahl von Jobprofilen, die auf den sozialen Sektor passen. Allein das Deutsche Rote Kreuz sucht Pfleger, Rettungsassistenten, Erzieher, Fahrer, Sachbearbeiter, Bürokaufleute...
Aber: So rosig, wie sich der so genannte „dritte Sektor“ (neben den Sektoren „Staat“ und „Markt“) mal präsentierte, ist er leider nicht mehr. Auch der Bereich sozialer Dienstleistungen unterliegt einer steigenden Ökonomisierung. Die staatlichen Zuwendungen, von denen die Organisationen abhängig sind, schrumpfen im Zuge wirtschaftlichen und politischen Wandels, sodass viele Anstellungen nur noch als befristetes oder Teilzeitverhältnis gestaltet werden. Im Gesundheitswesen, vor allem bei Krankenhäusern, geht der Trend zur Gründung von GmbHs, also dem Wechsel zu marktorientierten Geschäftsmodellen, die sich von der Rolle des sozialen Dienstleisters verabschieden.
Hinzu kommt, dass durch die besondere finanzielle Situation des gemeinnützigen Sektors die Verdienstmöglichkeiten begrenzt sind. Und viele Organisationen verlangen von Bewerbern mehr als nur das passende Profil. Es wird vorausgesetzt, dass man sich mit den Zielen identifiziert, oft ist es von Nachteil, nicht vorher bereits Mitglied gewesen zu sein. Caritas, Diakonie und Misereor sind kirchlich getragen, wer sich dort bewirbt, sollte auch Kirchenmitglied sein, um Chancen zu haben.
Trotz der widrigen Umstände, die auch in diesem Bereich des Arbeitsmarktes manchmal herrschen, kann es sich lohnen. Denn bei aller Wirtschaftlichkeit hat man es im gemeinnützigen Sektor normalerweise mit Menschen zu tun, die von dem, was sie tun, überzeugt sind. Und man bewegt sich in Strukturen, in denen man etwas bewegt für ein Thema, das einem im besten Falle selbst am Herzen liegt – eine gute Kombination die garantiert, dass die Arbeit nicht nur rentabel, sondern auch erfüllend ist und vielleicht sogar ein bisschen stolz macht.
Von Helge Dickau


