„Kommunikationsassistent/-in der deutschen Gebärdensprache“
Erst seit 2002 ist die Gebärdensprache offiziell anerkannt. Aus diesem Grund ist die Gebärdenfabrik, welche Ausbildungen zum „Kommunikationsassistent der deutschen Gebärdensprache“ anbietet, zum ersten Mal mit einem Stand bei der Expolingua 2009 in Berlin vertreten. Der Stand der Gebärdenfabrik will das Interesse an der Sprache der Gehörlosen wecken, da sich die wenigsten Menschen mit der Gebärdensprache auskennen. Eine nationale Gebärdensprache befindet sich zurzeit im Aufbau und auch in Deutschland ist sie nicht vereinheitlicht. Es gibt also viele Dialekte, wie auch in der Lautsprache.
Die Gebärdensprache unterscheidet sich grundsätzlich von der Lautsprache. Anhand der Gestik und Mimik werden Bedeutungen transportiert. Die Kommunikation anhand der Körpersprache wird oft als „aufrichtiger“ eingeschätzt als die übliche Lautsprache, da unehrliche Aussagen von den Signalen des Körpers schnell enttarnt werden. Das Erlernen der Gebärdensprache orientiert sich wie auch bei Lautsprachen an den Stufen des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER) des Europarats.
Sandra wird in naher Zukunft die Ausbildung zur Kommunikationsassistentin für hörgeschädigte Menschen beginnen. Sie hat bereits ein dreimonatiges Praktikum bei der Gebärdenfabrik und einen sechswöchigen Intensivkurs zum Erlernen der Gebärdensprache absolviert. Auf die Frage, welche Gründe sie dazu bewogen haben, mit Gehörlosen zu arbeiten, berichtet die junge Frau, dass sie die Gebärdensprache schon immer faszinierte, beispielsweise wenn sie Gehörlose in der Berliner Straßenbahn miteinander kommunizieren sah. Aufgrund dieser Beobachtungen machte sich auf die Suche nach Kursangeboten und wagte den Sprung ins kalte Wasser, den sie bis heute nicht bereut.
Für die Ausbildung zur Kommunikationsassistentin für gehörlose Menschen stehen viele Plätze zur Verfügung, die Zahl der Bewerbungen ist jedoch zurzeit noch sehr gering. Auf 80.000 Gehörlose bundesweit kommt nur eine kleine Zahl an Dolmetschern. Die Mitarbeiter der Gebärdenfabrik wollen den Hörenden die Gebärdensprache in diesem Jahr näher bringen und somit auch dazu motivieren, eine Ausbildung in diesem Bereich anzustreben.
Der Bedarf an speziell ausgebildeten Kommunikationsassistenten in Deutschland ist groß. Es gibt zwar speziell ausgebildete Gebärdensprachdolmetscher (GSD), allerdings können sie den benötigten Bedarf an qualifizierten Dolmetschleistungen nicht decken. Daher entstand das Projekt Kommunikationsassistent (KA), um gehörlosen Menschen die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben, durch eine weitere Form der Kommunikationshilfe, zu ermöglichen. Die Kommunikationsassistenten sind den Gebärdensprachdolmetschern nicht gleichgestellt, sondern es ist eine weitere Chance dem hörbehinderten Menschen bei der persönlichen Entfaltung zu unterstützen (Kommunikationshilfeverordnung).
Kommunikationsassistenten arbeiten dauerhaft mit Gehörlosen zusammen und entwickeln auf diese Weise eine besondere Verbindung zu den Gehörlosen. Sie begleiten gehörlose Menschen in kritischen Alltagssituationen, beispielsweise bei Arztbesuchen. Der Kontakt zwischen Gehörlosen und den Kommunikationsassistenten stellt sich über Gehörlosenzentren oder den Besuch von Gehörlosencafés her.
Bei entsprechendem Interesse fällt das Erlernen der Gebärdensprache nicht schwer, wie Sandra erzählt. In der Gebärdenfabrik in Berlin lernen Interessierte in einem kleinen Kreis von maximal 12 Teilnehmern pro Kurs die Gebärdensprache unter der Anleitung von gehörlosen Dozenten. Die Beherrschung der Grammatik der Gebärdensprache kann aber durchaus etwas Geduld erfordern. Sandra betont aber, dass es sich die Anstrengung lohnt, da die Gebärdensprache eine ganz andere Kultur darstellt und das Erlernen viel Spaß macht. Auch in Zukunft möchte die junge Frau mit Gehörlosen zusammenarbeiten. Da vor allem im Bereich der Bildung von Gehörlosen Bedarf an Dozenten besteht, sieht sie ihre berufliche Zukunft in der Wissensvermittlung an gehörlose Menschen.


