Gefragt wie nie: Sanierungsberater
Die akut aufgetretene Wirtschaftskrise hat eine Gruppe von Spezialisten ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, die sonst eher im Verborgenen arbeitet: Sanierungsberater. Diese können sich zwar vor Aufträgen kaum retten, kämpfen aber mit einem alarmierenden Fachkräftemangel. Für Berufs- und Quereinsteiger bieten sich daher interessante Karrierechancen.
Aufgaben
Die Aufgaben eines Sanierungsberaters sind so anspruchsvoll und vielseitig wie kaum eine andere Beratertätigkeit. „Grundlage eines jeden Sanierungskonzepts ist eine gründliche Analyse der wirtschaftlichen Ausgangssituation des betroffenen Unternehmens“, erklärt Burkhard Jung, Vorstand der CMS Societät für Unternehmensberatung AG mit Sitz in Berlin. „Denn um die Krisenursachen und weitere Schwachstellen bekämpfen zu können, müssen diese zunächst identifiziert werden.“ Dazu muss der Sanierungsberater die Bilanzen, die Strukturen und die Marktposition des Unternehmens prüfen und einen fundierten Bericht über die wirtschaftliche Lage erstellen. Auf Grundlage dieser Analyse erfolgt die Entwicklung eines Sanierungskonzepts. Dabei müssen sowohl kurzfristige als auch mittel- und langfristige Maßnahmen definiert werden. Ein Sanierungskonzept kann sowohl die Finanzplanung, als auch die Struktur, die Prozesse, das Produktportfolio und operative Bereiche wie Forschung und Entwicklung, Vertrieb oder Personal betreffen. Wenn die Geschäftsleitung den Handlungsempfehlungen des Sanierungsberaters zugestimmt hat, muss der erstellte Maßnahmenkatalog umgesetzt werden. „Das betroffene Unternehmen wird mit dem Konzept nicht alleine gelassen, sondern auch in der schwierigen Umsetzungphase von der Sanierungsberatung begleitet“, so Jung. Zusätzlich werden Sanierungsberater immer häufiger als „Sanierungs-Geschäftsführer“ eingesetzt und übernehmen selbst Verantwortung für die Umsetzung der von ihnen entwickelten Maßnahmen.
Anforderungen
- Sicherer Umgang mit Zahlen
Diese Grundvoraussetzung mag zunächst banal klingen, doch ein Sanierungsberater muss in erster Linie die Bilanzen eines Unternehmens analysieren und eine Finanzplanung aufstellen können. „Dafür sind der sichere Umgang mit Zahlen und nicht zuletzt der Spaß daran unabdingbar“, sagt Burkhard Jung von der CMS AG.
- Analytisch-konzeptionelle Fähigkeiten
Es ist essenziell, die Ursachen und Zusammenhänge, die das Unternehmen in Not geraten ließen, erkennen zu können. Auf diese Erkenntnisse aufbauend muss der Sanierungsberater ein umfassendes Sanierungskonzept entwickeln können.
- Umsetzungsorientierte Herangehensweise
„Die beste Problemanalyse allein nützt einem angeschlagenen Unternehmen noch nicht“, weiß Jung. „Entscheidend ist vielmehr die Entwicklung von detaillierten, interdisziplinären Lösungsstrategien, die sich in die Praxis umsetzen lassen.“
- Klarer, offener Kommunikationsstil
Für die Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens ist der Sanierungsberater ein Außenstehender. Er muss deshalb in der Lage sein, schnell Vertrauen aufzubauen. Und zwar sowohl beim Management als auch bei den Mitarbeitern.
- Verhandlungsgeschick
Der Sanierungsberater spielt eine wichtige Rolle als Vermittler zwischen dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern. Aber er muss auch für ein gutes Verhältnis des Unternehmens zu vielen weiteren Interessensgruppen sorgen, wie zum Beispiel Banken, Partnerfirmen, Kunden, Lieferanten und Gläubigern.
- Belastbarkeit
Sanierungsberater müssen häufig unter Druck arbeiten: Zum einen unter Zeitdruck, denn hier gilt sprichwörtlich „Zeit ist Geld“, und schnelles Handeln ist gefragt. Zum anderen unter Erfolgsdruck: „Geschäftsführung und Mitarbeiter des betroffenen Unternehmens, aber auch Lieferanten und Kunden oder sogar die breite Öffentlichkeit stellen hohe Erwartungen an den Sanierungsberater und richten ihren kritischen Blick auf die Entwicklungen“, berichtet Jung.
- Verantwortungsbewusstsein
Der Berater muss sich darüber im Klaren sein, dass nicht allein die Zahlen eines Unternehmens vom Erfolg seines Sanierungsprojekts abhängen, sondern auch Menschen und ihre berufliche Existenz. Das ihm entgegengebrachte Vertrauen verpflichtet ihn zu einer verantwortungsbewussten, engagierten Arbeit.
Ausbildung
Um Sanierungsberater zu werden, ist grundsätzlich ein akademischer Abschluss obligatorisch. Geeignete Kandidaten sollten ein betriebswirtschaftliches, Wirtschaftsingenieur- oder ein vergleichbares Studium mit gutem Abschluss vorweisen können. Berufserfahrung in Beratung oder Industrie, beispielsweise im Rechnungswesen oder Controlling, ist zwar nicht zwingend notwendig, jedoch von großem Vorteil und erwünscht. Vor allem für Quereinsteiger ist die wertvolle Berufserfahrung eine in der Regel unverzichtbare Voraussetzung.
Doch auch Berufseinsteigern stehen vielerlei Möglichkeiten offen. Einen guten Einstieg erhält man beispielsweise in Form von Projektassistenzen. Beratungen wie die CMS AG bieten dem Nachwuchs außerdem an, bereits während des Studiums als studentischer Mitarbeiter Erfahrungen zu sammeln.
Karrierechancen
Wer sich als Berater bei der Zusammenarbeit im Beratungsstab bewährt, dem bietet sich die Möglichkeit Projektleiter und damit Kopf eines Sanierungs-Teams zu werden. Nach einigen Jahren und einer Reihe von Projekten in verantwortlichen Positionen ist auch der Einsatz als Sanierungs-Geschäftsführer möglich.
Doch ungeachtet, auf welcher Stufe der Karriereleiter man steht: Die Arbeit in den unterschiedlichsten Unternehmen aller Branchen und der Kontakt zu den verschiedenen Beteiligten sorgen genauso für Abwechslung wie die Bandbreite an Aufgaben in den einzelnen Sanierungsphasen. Ein Beruf, der Vielseitigkeit, Einsatzbereitschaft und Leidenschaft erfordert.


