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Aneinander gekettet – Das Verhältnis von Pressesprecher und Journalisten

Aneinander gekettet rennen sie über Wald und Flur. Sie wollen nicht miteinander und können doch nicht ohne einander. Der eine ist schwarz, der andere weiß und erst mit der Zeit freunden sie sich an. Der Film „Flucht in Ketten“ behandelt den Rassismus in den USA, das Bild des aneinander gefesselten Paares trifft aber auch auf Pressesprecher und Journalisten zu. Man mag sich nicht, aber man braucht sich.

Aneinander gekettet – Das Verhältnis von Pressesprecher und Journalisten

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen Pressesprecher und Journalist? Vor allem letzterer würde bei dieser Frage wohl erbost aufhorchen und rufen: „Na, wir verkaufen unsere Ware nicht sondern schreiben für die Allgemeinheit.“ So ganz unrecht hat er nicht, denn der Pressesprecher agiert als Interessenvertreter eines Unternehmens. Der Journalist dagegen beansprucht für sich, möglichst objektiv zu berichten und seine Leser unbeeinflusst zu informieren.

Die Zielgruppe des Pressesprechers sind aber gerade die Journalisten und hier kreuzen sich ihre Wege. Pressesprecher kommunizieren mit den Massenmedien und versuchen, diesen ein positives Image ihrer Firma zu vermitteln. Ähnlich wie Journalisten beobachten sie zeitgemäße Themen und Strömungen und bringen ihr Unternehmen ins Gespräch. Wenn z.B. gerade eine Fußball-Weltmeisterschaft stattfindet, schicken sie eine Pressemitteilung mit dem Titel „Harry’s Fahrschule unterstützt Fußball-Camps in Südafrika“ heraus.

Die Journalisten sind aber argwöhnisch. Wird ihnen zu plump Werbung vorgesetzt („Harry’s Fahrschule bietet neue Kurse zu tollen Preisen“), fühlen sie sich in ihrer parteilosen Würde verletzt und verfassen keinen Artikel. Der Pressesprecher muss also den Mittelweg zwischen zu sachlicher langweiliger Mitteilung und offenkundigem Marketing finden, um den Journalisten bei der Stange zu halten.

Doch auch der Journalist braucht heutzutage mehr denn je den Pressesprecher. Redaktionen werden verkleinert, Gehälter gekürzt, der Termindruck erhöht. Der Schreiberling hat kaum noch Zeit zur soliden Recherche. Pressemitteilungen sind deshalb beliebt, weil sie in kleinen, interessanten und verdaulichen Häppchen den Artikel quasi schon vorwegnehmen. Der Journalist muss dann nur noch ein wenig umformulieren und „Zack“ – fertig ist der Artikel.

Das hat dann allerdings nicht mehr viel mit kritischem und gut recherchiertem Journalismus zu tun. Quantität geht oftmals vor Qualität, Bequemlichkeit vor kritischem Denken. Pressesprecher wissen das natürlich und füttern ihre Kunden mit gefärbten Informationen. Das Niveau der Berichterstattung nimmt ab und das Gefährliche daran ist, dass die Leser der Zeitungen und Zeitschriften die Berichte für objektiv halten.

Doch auch „tüchtige Journalisten“ sind nicht vollkommen frei von Interessen sondern schreiben für ihren Auftraggeber. Viele Zeitungen haben eine mehr oder weniger klare politische Ausrichtung und Schreiberlinge, die gegen diese Einstellung schimpfen, bekommen wohl kaum einen festen Platz in der Redaktion. „Tüchtige Pressesprecher“ orientieren sich an den Werten unserer demokratischen Gesellschaft und erfüllen die Anforderung nach ehrlicher Berichterstattung. Sie stellen die offene Mitteilung über das Verschleiern von Tatsachen, die das Unternehmen lieber unterschlagen hätte.

Bei genauerem Hinsehen unterscheiden sich Pressesprecher und Journalisten also gar nicht so sehr (auch wenn sie es selbst nicht gern einsehen). Beide sind Vermittler von Informationen, die letztlich an die Öffentlichkeit gelangen sollen. Der Journalist vermittelt direkt, der Pressesprecher mit dem Umweg über die Massenmedien.

Durch ihre Berufe aneinander gekettet, entdecken sie erst mit der Zeit, dass sie sich in vielen Arbeitsweisen ähneln. Dafür spricht auch, dass viele heutige Pressesprecher einmal ein Volontariat bei einer Zeitung gemacht haben und ursprünglich als Journalisten und freie Mitarbeiter gearbeitet haben. Sie sitzen jetzt lediglich auf der „anderen Seite des Schreibtisches“.

Christoph Schlüter

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