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Bauklötze statt Puppenecke - Deutschland braucht Nachwuchs in der Technik

Die Wirtschaft hat schon jetzt zu wenige Ingenieure und daran wird auch die Rezession nichts ändern. Im Gegenteil: Derzeit können 50.000 Stellen nicht besetzt werden und es werden jährlich mehr, weil immer mehr Ingenieure in den Ruhestand gehen. Experten halten es deshalb für dringend nötig, mehr junge Leute, vor allem Frauen, für technische Berufe zu begeistern.

Bauklötze statt Puppenecke - Deutschland braucht Nachwuchs in der Technik

Krisengipfel bei der Technikakademie Acatech: Die Experten warnen vor einem strukturellen Mangel in Deutschland, wenn die Zahl der Studienabgänger in den Ingenieur-Berufen nicht erhöht werden kann. 2009 gehen über 35.000 Ingenieure in den Ruhestand, doch bis zum Jahr 2015 werden es schon 43.000 sein. Derzeit gäbe es etwa 44.000 Absolventen, die die Stellen besetzen könnten und das ist zu wenig. Vor allem angesichts der Tatsache, dass nur die Hälfte aller weiblichen Absolventen später auch in dem von ihr erlernten Beruf arbeitet. Das liegt auch daran, dass es in diesem Feld besonders schwierig ist, Beruf und Familie zu verbinden. Ein Wiedereinstieg nach der Babypause ist in der Branche noch ein Fremdwort. Joachim Milberg, Präsident von Acatech und Innovationsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht deshalb die Frauenförderung als eine wichtige Stellschraube, damit der Fachkräftemangel nicht eskaliert. Denn schon jetzt verliert die deutsche Wirtschaft in jedem Jahr fast 29 Milliarden Euro durch das Problem.

Der Ingenieursmangel ist vor allem ein Ingenieurinnenmangel

„Zentral ist die Erkenntnis, dass die Entscheidung für oder gegen eine technisch-naturwissenschaftliche Laufbahn meist schon in der Kindheit und im Jugendalter fällt“, heißt es in Milbergs Positionspapier, das sich an Wirtschaft, Wissenschaft und Politik richtet. Das könnte ein Grund dafür sein, dass der Anteil von Studentinnen in ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen bei nur 20 Prozent liegt, das werden dieses Jahr nur knapp 9.000 Absolventinnen in ganz Deutschland sein. Während Jungen zu Weihnachten einen Bausatz geschenkt bekommen, spielen Mädchen größtenteils noch immer mit der Puppe. Hier sieht die Acatech Pädagogen in der Pflicht technisches Wissen verstärkt und auch besser zu vermitteln. Doch das fachliche und fachdidaktische Wissen bei den Erzieherinnen und Erziehern selbst ist oftmals nicht ausreichend. Das liegt daran, dass Technik in der Lehrerausbildung und Lehrerfortbildung nur eine untergeordnete Rolle spielt. Die Lehrer könnten mit besserer Ausbildung auch den Zugang von Schülern mit Migrationshintergrund zu einer Laufbahn als Ingenieur oder Ingenieurin erleichtern. Technikbegeisterte Jugendliche mit Migrationshintergrund beschränken sich genau wie junge Frauen bislang oft auf klassische Ausbildungsberufe, auch wenn sie die Chance zu einem Ingenieurwissenschaftlichen Studium hätten.

Das Image der MINT-Berufe

Eine zweite Chance, mehr Fachkräfte für die technischen Berufe zu gewinnen, ist, ihr Image zu verbessern. Bislang scheinen sie unter jungen Leuten keinen großen Sexappeal zu haben, auch wenn ihr Name schon verlockend klingt: MINT. Das steht allerdings für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Fächer, die die Schüler oft zum Stöhnen bringen. Dass die Berufe, die mit diesen Fächern zusammen hängen sich unter jenen, die sich für ein Studium entscheiden müssen, keiner großen Beliebtheit erfreuen, liegt jedoch vor allem daran, dass sie ein Vermittlungsproblem in der Öffentlichkeit haben. Die MINT-Berufe sind einfach nicht cool genug. Joachim Milberg hält es deshalb für nötig, das „Informationsdefizit über technische Berufe auszuräumen und das Berufsimage des Ingenieurs wirksam zu verändern.“ Argumente hat er jetzt genug, denn angesichts der Wirtschaftskrise werden alleine schon die guten Einstellungschancen den ein oder die andere Studienanfängerin von der Attraktivität der MINT-Berufe überzeugen.

Von Stefanie Grutsch

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