Verlagsvolontariat - Alles was du wissen musst und nicht an der Uni gelernt hast.
Ein Großteil aller Germanisten, Romanisten und Anglizisten wünscht sich, „später mal im Verlag zu arbeiten“. Das scheint irgendwie naheliegend zu sein und selbst skeptische Tanten sehen ein, dass man dafür wohl das Richtige studiert hat. Das trifft allerdings oft nicht zu. Erstens landen die meisten nicht in so genannten Publikumsverlagen, die schöne Literatur in Buchform pressen, sondern bei Fachverlagen. Diese sind auf Themengebiete spezialisiert, von denen der Durchschnittsgermanist keine Ahnung hat. Zweitens sind beim Büchermachen Fähigkeiten gefragt, die mit Rilke und Baudelaire nicht die Bohne zu tun haben.
Deshalb hier eine kleine Hilfestellung für alle, die bald in einem Verlag anfangen wollen: Die wichtigsten Begriffe, Programme und was man sonst noch wissen sollte. Übrigens: wer einen Job im Verlagswesen sucht, tut das am besten unter www.boersenblatt.net.
Im Internet
Viele Bewerber schreiben stolz in ihren Lebenslauf, dass sie gut in der „Internetrecherche“ sind. Das ist zwar ganz nett, wird aber kaum jemanden beeindrucken. Was tatsächlich deine Chancen erhöht, ist wenn du nicht nur weißt, was ein Content Management System (CMS) ist, sondern es auch ein bisschen bedienen kannst. Mit einer solchen Software lassen sich Websites verwalten und leicht aktualisieren. Die wichtigsten beiden CMS sind Typo 3 und Joomla. Also: mal reinschauen und nach Möglichkeit ausprobieren. Grundkenntnisse in HTML machen dir dabei das Leben leichter. Dafür gibt es im Netz nur eine wahre Adresse: de.selfhtml.org.
Die Programme
Wer glaubt, Word sei das einzige Programm zur Textverarbeitung, der wird sich bei jedem Verlag blamieren. Zumal die meisten für das einzige Buch, das sie je gemacht haben, ihre Magisterarbeit, in Word noch nicht einmal Formatvorlagen verwenden. Egal, professionelle Textgestaltung ist ohnehin fest in Adobes Händen: InDesign heißt das Programm, ohne das gar nichts geht. Die aktuellste Version ist übrigens CS4. Bei Adobe kann man sich eine Testversion herunterladen und sich schon mal ein Bild davon machen, was das Programm alles kann. Auch alle anderen Programme der Creative Suite sind wichtig. Ganz besonders natürlich der Photoshop – wer gut in Bildbearbeitung ist, hat vielen anderen etwas voraus. Die meisten Volkshochschulen bieten dafür bezahlbare und gute Kurse an.
Der Druck
Klar, viele Verlagsmitarbeiter, etwa aus der PR-Abteilung, kommen niemals mit so genannten Druckdaten in Berührung. Das sind Dateien, die fertig zum Druck und für Druckereien verwertbar sind. Banal, könnte man meinen, stimmt aber nicht. Richtige Druckdaten zu schreiben ist unheimlich kompliziert und das würde hier auch zu weit führen. Nur ein paar kleine Hinweise: Für Bilder gibt es zwei wichtige Farbmodelle – CMYK und RGB. CMYK steht für Cyan, Magenta, Yellow und Key (Schwarz) und ist das richtige Farbmodell für den modernen Vierfarbdruck. RGB steht für Rot, Grün, Blau. Alle Bilder, die man im Internet und nur am Bildschirm verwendet, sollten in RGB abgespeichert werden. In allen Bildbearbeitungsprogrammen kann man zwischen den beiden Farbmodellen wählen.
Die „Schreibe“
Sei es in der PR-Abteilung, beim Marketing oder im Lektorat: Wer von der Uni kommt muss ganz schnell seinen Schreibstil ändern. Verschachtelte, komplizierte Wissenschaftssprache, die mit möglichst vielen Fremdwörtern gespickt ist, ist hier nicht gefragt. Aber verständliche und angenehme Sprache lässt sich lernen. Die beiden Standardbücher dafür sind „Deutsch für Profis“ von Wolf Schneider und die etwas altmodische aber sehr kluge „Stilfibel“ von Ludwig Reiners. Die Lektüre lohnt sich nicht nur, sondern macht sogar Spaß.
Kauderwelsch für Berufseinsteiger
Abschließend noch ein paar Begriffe, die einem in der Arbeitswelt mit hoher Wahrscheinlichkeit begegnen. Wenn man dann nicht verständnislos dreinblickt, sondern wissend nickt, kann das nicht schaden.
B2B heißt „Business to Business“ und meint, dass man nicht Endkunden sondern Geschäftskunden bedient.
B2C heißt „Business to Consumer“ und meint das Endkundengeschäft. Die Produkte werden direkt an den Endverbraucher verkauft.
B2B2C bedeutet „Business to Business to Consumer“ und meint, dass man zwar zahlende Geschäftskunden hat, das Produkt, das man ihnen verkauft, aber für deren Einzelkunden ist.
Break-even ist der Zeitpunkt, an dem man von einem Buch so viele Exemplare verkauft hat, dass man seine Investition wieder eingenommen hat.
USP bedeutet „Unique Selling Proposition“ und meint das Alleinstellungsmerkmal eines Produkts.
Benchmark: Wenn man ein Buch macht, gibt es meist schon andere, ähnliche Bücher. Das Beste davon setzt den „Maßstab“.
Stefanie Grutsch, 18.3.2008

