Traumberuf Lehrer? – Annika L. berichtet vom Alltag zwischen Lehrerzimmer und Klassenraum
Viele Ferien, schon mittags „Feierabend“ und kaum etwas zu tun. So sehen viele den Alltag der deutschen Lehrer, doch kaum jemand kann von außen wirklich einen Einblick erhalten in das Arbeitspensum von Pädagogen. Die Referendarin Annika L. erlebt diesen Beruf manchmal als 24-Stunden-Job, in dem man eigentlich nie so wirklich Feierabend hat.
Stellenboersen.de: Annika, an was für einer Schule bist Du Lehrerin?
Annika: Ich bin Referendarin an einem Hamburger Gymnasium, mehr möchte ich hier nicht verraten, denn meine Schüler müssen ja nicht unbedingt mitbekommen, dass ich ein Interview über meinen Beruf gegeben habe.
Stellenboersen.de: War es schon immer Dein Wunsch, Lehrerin zu werden?
Annika: Im Prinzip schon. Ich hatte immer einen guten Draht zu Kindern, habe Nachhilfe gegeben, privat und an den bekannten Instituten und mir hat es einfach Spaß gemacht. Allerdings ist es schon anders, richtige Lehrerin zu sein und plötzlich Verantwortung für den Lernfortschritt einer Klasse von 30 Schülern zu haben.
Stellenboersen.de: Hat Dich das Studium gut auf die Praxis vorbereitet? Wie ist es für Dich, nun tatsächlich am Lehrerpult zu sitzen?
Annika: Ehrlich gesagt, die Uni an sich bereitet nicht unbedingt auf den Alltag vor. Man muss selbst einige wichtige Eigenschaften mitbringen, eine Gruppe leiten können, innere Ruhe bewahren, schlagfertig sein und gut organisieren können. Ich bin jetzt 27 und kann mich noch gut an meine Schulzeit erinnern. Manchmal weiß ich, dass ich meine Schüler mit Grammatik langweile, aber es muss eben sein und man darf dann nicht zu kumpelhaft mit ihnen umgehen, sondern muss sie auf ihrem Lernweg unterstützen. Am Lehrerpult sitzen tue ich übrigens fast nie.
Stellenboersen.de: Wieviel Zeit verwendest Du denn nach Schulschluss noch für Vorbereitungen?
Annika: Das ist ganz unterschiedlich. Gerade im Referendariat, wo man noch keine Routine hat, sitzt man schnell man eine Stunde am Schreibtisch, um eine einzige Unterrichtsstunde vorzubereiten. Hinzu kommen Telefonate mit Eltern, eingesammelte Hausaufgaben und Klassenarbeiten, Lehrerkonferenzen, Elternabende, Seminare, Treffen mit Fachleitern… Also, ich kann nicht behaupten, eine reguläre 40-Stunden-Woche zu haben! Ich habe auch nie wirklich Feierabend, denn gedanklich ist man ständig damit beschäftigt, zu planen und zu organisieren. Als Lehrerin hast Du keine Bürotür, die Du einfach abschliesst und Schluss. Das gleiche gilt für das Wochenende. Sonntags ist man gedanklich schon wieder halb in der Schule. Außerdem kann man eine Stunde, in der man versucht, 30 Kindern etwas beizubringen überhaupt nicht mit einer Stunde in einem Büro vergleichen.
Stellenboersen.de: Wo liegen da für Dich die wesentlichen Unterschiede?
Annika: Ich hatte zuvor einige Zeit einen Bürojob. Da kann man mal zwischendurch einen Kaffee holen, zur Toilette gehen oder zwei Minuten die Gedanken abschweifen lassen. Das geht nicht im Klassenzimmer. Da ist man die ganze Zeit unter Beobachtung und muss konzentriert sein.
Stellenboersen.de: Nach so vielen harten Fakten – gibt es auch positive Seiten?
Annika: Ja, klar gibt es die, sonst wäre ich nicht in diesen Beruf gegangen. Es ist einfach schön, mit Kindern zu arbeiten, denn langweilig wird es nie und es ist abwechslungsreich. Man ist ja im Klassenzimmer, wenn nicht gerade Fachleiter oder Mentoren dabei sind, sein eigener Chef und kann seinen Unterricht so gestalten, wie man möchte. Außerdem ist es natürlich manchmal auch ein netter Ausgleich, wenn man zuhause mit einer Tasse Tee und in bequemen Klamotten seine Vorbereitungen machen kann. Und die Ferien kann man dann nutzen, um wirklich Abstand zu gewinnen und z.B. mal wieder Bücher zu lesen, die man sonst nicht schafft zu lesen. Wenn man so intensiv mit anderen Menschen arbeitet, dann sind solche Phasen zum Aufladen echt gut. Dennoch sind viele ältere Lehrer ziemlich geschafft. In ihrer Dienstzeit hat sich viel verändert: größere Klassen, andere Verhaltensweisen von Jugendlichen…ich habe schon einige getroffen, die mal zur Kur mussten, weil sie einfach ausgepowert waren.
Stellenboersen.de: Du wirkst aber noch ganz fit, obwohl man dem Referendariat nachsagt, es sei keine leichte Zeit.
Annika: Ist es auch nicht, weder zeitlich, noch finanziell, aber man trifft im Seminar viele nette Leute, die sich auch durchkämpfen und am Ende lohnt es sich. Man lernt eine Menge in der Zeit und die Berufsaussichten sind derzeit super! Viele bei uns haben schon vor dem Examen eine Jobzusage – da hat man dann nicht so den Notendruck und kann sich schon mal auf ein festes Gehalt freuen. Ist doch toll, wenn man weiß, dass man sich bald so richtig als Lehrerin ausleben kann!
Stellenboersen.de: Vielen Dank für das Gespräch, Annika!
Interview: Meike Hoffmann

