Quereinstieg und Seiteneinstieg: Wege ins Lehramt
Der von der KMK prognostizierte und derzeitig in vielen Fächern deutlich spürbare Lehrermangel schafft Seiteneinsteigern und Quereinsteigern optimale Voraussetzungen, auch ohne Lehramtsstudium in den Beruf einzusteigen. Grundsätzlich wird im Lehrerberuf zwischen Quereinsteigern und Seiteneinsteigern differenziert: Während Quereinsteiger noch einen zweijährigen Vorbereitungsdienst absolvieren müssen, bevor sie als Lehrer arbeiten dürfen, können Seiteneinsteiger unmittelbar, also ohne den Umweg über das Referendariat, in den Schuldienst eingestellt werden.
Besonders in den naturwissenschaftlichen Fächern und im Hinblick auf die berufsbildende Schule haben es Seiteneinsteiger verhältnismäßig leicht. Wenn die Zahl der regulären Lehramtskandidaten mit erstem und zweitem Staatsexamen nicht ausreicht, um den aktuellen Bedarf an Lehrkräften zu decken, können sich Seiteneinsteiger bewerben. Im Falle einer erfolgreichen Bewerbung werden Seiteneinsteiger zunächst als tariflich Beschäftigte angestellt, können im Laufe der Zeit allerdings auch verbeamtet werden. Sie sind allerdings dazu verpflichtet, sich neben der beruflichen Lehrtätigkeit pädagogisch nachzuqualifizieren.
Zu den Voraussetzungen für einen Quereinstieg, wie auch für den Seiteneinstieg, ins Lehramt zählt ein universitärer Abschluss. Somit können sich Absolventen von Master, Magister und Diplomstudiengängen sowie Universitätsassistenten, welche ein sogenanntes Mangelfach studiert haben, ihren Abschluss als gleichwertig mit dem ersten Staatsexamen anerkennen lassen und unmittelbar in den zweijährigen Vorbereitungsdienst einsteigen. Ein Bachelorabschluss reicht hingegen nicht aus. Zusätzlich zur praktischen Ausbildung im Referendariat nehmen Quereinsteiger an Maßnahmen zur pädagogischen Qualifizierung teil. Nach Abschluss des Referendariats können Quereinsteiger das zweite Staatsexamen ablegen und dann in den Lehrberuf einsteigen. In der folgenden beruflichen Praxis sind sie den übrigen Lehrkräften rechtlich gleichgestellt und können auch verbeamtet werden.
Die Fächer, auf die sich Quer- und Seiteneinsteiger bewerben können, werden von der Schulaufsichtsbehörde jedes Jahr aufs Neue ermittelt. Zu den Mangelfächern an allgemeinbildenden Schulen zählen die Naturwissenschaften (besonders Physik und Chemie), Mathematik, Informatik und Latein. An berufsbildenden Schulen werden vor allem Lehrkräfte für die Fächer Ingenieurs- und Naturwissenschaften sowie für allgemeinbildende Fächer (Deutsch, Englisch, Politikwissenschaften) gesucht. Die Bedarfslage variiert jedoch von Bundesland zu Bundesland erheblich und sollte beim jeweiligen Kultusministerium überprüft werden.
Für Quereinsteiger und Seiteneinsteiger spielt das Einstiegsalter eine wichtige Rolle, vor allem, wenn eine spätere Verbeamtung infrage kommt. Für Seiteneinsteigerprogramme liegt die Altersgrenze in vielen Bundesländern bei 37 Jahren.
Zu den Auswahlkriterien für Quereinsteiger und Seiteneinsteiger zählt vor allem die fachliche Leistung. Der Nachweis von pädagogischen Kenntnissen, beispielsweise im Rahmen der Erwachsenenbildung, wird wenig Beachtung geschenkt, da pädagogische und fachdidaktische Kenntnisse im Rahmen des Referendariats oder durch Seminarbesuche neben der beruflichen Praxis erworben werden können.


