Gymnasiallehramt
Während Lehrkräfte an der Grundschule hauptsächlich Erziehungsaufgaben übernehmen und aus diesem Grund schwerpunktmäßig pädagogische Fächer während ihres Studiums belegen, studieren zukünftige Gymnasiallehrer zunächst ihre Unterrichtsfächer in der Tiefe. Pädagogik und Fachdidaktik spielen, zumindest im Bachelor-Master-System, erst im zweiten Teil der universitären Ausbildung eine wichtigere Rolle.
Abiturienten, die sich für das Lehramt an Gymnasien interessieren, müssen sich für zwei Fächer entscheiden, die sie später unterrichten möchten. Bei Interesse kann (später) auch ein Drittfach studiert werden. Das Studium auf Lehramt an Gymnasien ist auf wissenschaftliche Tiefe und Breite angelegt und soll die Studierenden dazu befähigen, komplexe Sachverhalte gedanklich zu durchdringen. Ferner soll fächerübergreifendes, vernetztes Arbeiten geschult werden. Ergänzt wird die theoretische, universitäre Ausbildung durch schulpraktische Anteile in der Form von Praktika. Je nach Bundesland und Universität müssen ein Orientierungspraktikum, ein allgemeines Schulpraktikum sowie fachdidaktische Praktika mit unterschiedlichen Schwerpunkten durchgeführt werden.
Die Studiendauer beträgt etwa 9 oder 10 Semester, wenn es gelingt, das Studium in Regelstudienzeit abzuschließen. In Berlin, Brandenburg, Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen wurde bereits der Bachelor-Master-Studiengang für Lehrämter eingeführt, sodass in diesen Bundesländern mit 10 Semestern Regelstudienzeit zu rechnen ist, wovon 6 Semester auf den fachwissenschaftlichen lehramtsbezogenen Zwei-Fächer-Bachelor und 4 Semester auf den eher erziehungswissenschaftlich orientierten Master of Education entfallen. Auf den universitären Abschluss folgt das Referendariat, welches den praktischen Teil der der Vorbereitung auf das Lehramt darstellt.
Im Zwei-Fächer-Bachelor studiert der angehende Lehrer zunächst schwerpunktmäßig seine zwei Unterrichtsfächer, erhält sehr grundlegende Einblicke in die Pädagogik und besucht Einführungsveranstaltungen in den Fachdidaktiken seiner Unterrichtsfächer. Im Master of Education hingegen wandelt sich das Verhältnis: Während erziehungswissenschaftliche Fächer und fachdidaktische Veranstaltungen im Vordergrund stehen, nehmen die Fachwissenschaften nur noch wenig Raum ein. Im Bereich der Pädagogik erwerben die Studierenden für den Lehrerberuf relevante Kompetenzen, zu denen das Lehren und Erziehen, das Beurteilen von Schülern, das Beraten von Schülern und Eltern sowie das Innovieren von Schule zählen.
Während im Bachelor ein allgemeines Schulpraktikum und ein Betriebspraktikum zu absolvieren sind, folgen im Master zwei fachdidaktische Schulpraktika in den beiden Fächern. Bei Eintritt in den Master kann auch ein Drittfach studiert werden.
Bei der Wahl der Unterrichtsfächer herrscht grundsätzlich große Freiheit. Allerdings sind einzelne Kombinationen im Bereich der Nebenfächer nicht möglich. Die genauen Bestimmungen sind auf den Internetseiten der Kultusministerien oder der jeweiligen Universitäten zu entnehmen.


