Die „Netzwerkfunktion“ von Berufsverbänden für Dolmetscher und Übersetzer
Der BDÜ (Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer) vertritt die Interessen von Dolmetschern und Übersetzern, da diese Berufsgruppenbezeichnungen nicht geschützt sind. Er vertritt seine Mitglieder gegenüber öffentlichen Stellen und zertifiziert seinen sorgfältig ausgewählten Mitgliedern ein Qualitätsniveau, welches durch Fortbildungsangebot aufrecht erhalten wird. Zudem sorgt der Berufsverband für eine Vernetzung seiner Mitglieder, was besonders für freiberuflich arbeitende Übersetzer und Dolmetscher von Vorteil ist.
Der BDÜ ist ein Berufsverband hauptsächlich für Übersetzer, während sich der 2003 gegründete VKD (Verband für Konferenzdolmetscher) an Dolmetscher richtet. Einmal im Monat bieten diese Verbände Stammtische an, im Rahmen derer Dolmetscher und Übersetzer miteinander in Kontakt treten können. Diese finden immer an unterschiedlichen Wochentagen statt, am 02.02., 03.03., 04.04. usw. Zusätzlich finden zu Weihnachten und Neujahr Veranstaltungen des BDÜ statt und auch zur Jahresmitgliederversammlung sind alle Mitglieder eingeladen. Des Weiteren verfügt der BDÜ über Landesverbände, die Treffen auf lokaler Ebene organisieren. Der VKD hingegen hält Regionalkonferenzen ab.
Dieser Kontaktaufbau unter Kollegen ist für Dolmetscher und Übersetzer sehr hilfreich, da sie sich auf diese Weise gegenseitig Aufträge vermitteln können, wenn der jeweilige Einsatz nicht der persönlichen Spezialisierung entspricht. Die Mitglieder des BDÜ können demnach jeden Auftrag, der ihnen nicht gefällt, ablehnen und an einen Kollegen weiterleiten. Da die meisten Dolmetscher und Übersetzer freiberuflich arbeiten, ist die gegenseitige Vermittlung von Aufträgen eine willkommene Hilfestellung. Besonders Berufseinsteigern erleichtert diese kooperative Haltung die Anfangsphase. Eine Gebühr fällt für die Vermittlung unterhalb von BDÜ-Mitgliedern nicht an.
Der Einstieg in den Beruf fällt Studienabsolventen leichter, wenn sie die Möglichkeit nutzen, einem erfahrenem Übersetzer im Rahmen eines Praktikums über die Schulter zu schauen. Berufseinsteiger können sich beispielsweise einen Mentor suchen, den sie zu Aufträgen oder sogar zu Fortbildungsveranstaltungen begleiten. Von diesem Austausch profitieren beide Seiten: Der junge Mentee gewinnt Einblicke in die Berufspraxis eines erfahrenen Übersetzers und der Mentor erhält durch die Fragen des Mentee gegebenenfalls Impulse für sein berufliches Handeln.


