Facharzt für Rechtsmedizin
Fachärzte für Rechtsmedizin befassen sich mit der Entwicklung, Anwendung und Beurteilung von medizinischen und naturwissenschaftlichen Kenntnissen für die Rechtspflege. Außerdem vermitteln sie arztrechtliche und ethische Kenntnisse für die Ärzteschaft.
Facharzt für Rechtsmedizin
Überblick über die Tätigkeiten:
Der Aufgabenbereich der Fachärzte für Rechtsmedizin beinhaltet die Durchführung von Befunderhebungen, vor allem von rechtsmedizinischen Untersuchungen und gerichtlichen Obduktionen, inklusive der erforderlichen histologischen Analysen. Ihre Untersuchungsergebnisse werten die Rechtsmediziner fachgerecht aus, dokumentieren sie und erstellen anschließend entsprechende Gutachten. Ihre gutachterliche Funktion macht sie besonders für die gerichtliche Leichenschau und die Obduktion von verdächtigen oder gewaltsamen Todesfällen wichtig. Bei letzterer bestimmen sie unter anderem den Todeszeitpunkt sowie die Todesumstände und führen feingewebliche und chemisch-toxologsiche Untersuchungen durch. Rechtsmediziner untersuchen auch Blut-, Sperma- und Speichelspuren von Opfern, die eine an ihnen ausgeführte kriminelle Handlung wie Körperverletzung oder Vergewaltigung überlebt haben, die jedoch der Aufklärung bedarf.
Es fällt ebenfalls in ihren Aufgabenbereich, vor Gericht mündlichen Bericht über ihre Untersuchungen und deren Ergebnisse zu erstatten, das heißt sie legen die schriftlichen Gutachten vor und erläutern sie.
In ihren Aufgabenbereich fallen darüberhinaus aber auch DNA-Analysen zur Feststellung von Vater- und Verwandtschaft, Alkoholanalysen und die Untersuchung von Haaren, Blut und Urin auf Drogenkonsum. Des Weiteren erstellen sie Gutachten über ärztliche Kunstfehler oder zur Verhandlungs-, Reise- und Arbeitsunfähigkeit.
Weiterbildung:
Die Zeit der Weiterbildung im Gebiet Rechtsmedizin bei einem Weiterbildungsermächtigten an einer Weiterbildungsstätte gemäß § 6 Abs. 1 Satz 1 umfasst 60 Monate, davon
- 6 Monate im Gebiet Pathologie
- 6 Monate in Psychatrie und Psychotherapie oder Forensische Psychatrie
- können 6 Monate im Gebit Pathologie oder in Öffentliches Gesundheitswesen, Pharmakologie und Toxikologie, Psychatrie und Psychotherapie oder Forensische Psychatrie angerechnet werden
Inhalte der Weiterbildung:
Im Zentrum der 60-monatigen Weiterbildung zum Facharzt für Rechtsmedizin steht der Erwerb von Kenntnissen, Fertigkeiten und Erfahrungen in
- der Durchführung der Leichenschau
- der rechtsmedizinischen Sektionstechnik und Bewertung der makroskopischen und mikroskopischen Befunde einschließlich histologischer Untersuchungen
- der Darstellung von Kausalzusammenhängen im Rahmen von Todesermittlungen unter Auswertung der Ermittlungsakten und Untersuchungsergebnisse
- der Erstattung schriftlicher und mündlicher Gutachten über Kausalzusammenhänge im Rahmen von Todesermittlungen und zu forensisch- psychopathologischen Fragestellungen
- der Asservierung, Auswertung und Beurteilung von Spuren
- der Beurteilung von Verletzungen bei Lebenden, insbesondere in Fällen von Kindesmißhandlung und Sexualdelikten
- der Beurteilung von Intoxikationen bei Lebenden und Leichen einschließlich der Materialsicherung
- den Grundlagen der forensischen Molekulargenetik unter spezieller Berücksichtigung der Paternität und Identifizierung
- strafrechtlichen sowie verkehrs- und versicherungsmedizinischen Fragestellungen einschließlich forensischer Biomechanik
- forensischer Traumatologie
- forensischer Anthropologie einschließlich forensischer Odontologie
- der Betreuung von Opfern und Angehörigen
Jobs:
Rechtsmediziner finden Beschäftigungsmöglichkeiten in rechtsmedizinischen Instituten von Universitäten, in einigen Bundesländern auch im gerichtsärztlichen Dienst. Außerdemin der Gesundheitsverwaltung, in den Landeskriminalämtern sowie im Bundeskriminalamt oder auch in freier Praxis.


