Mehr Geld für Schüler und Studenten
Alles rausholen bei Praktika, Jobs und BAföG
„Den Bachelor kann man nur in sechs Semestern schaffen, wenn man in den Semesterferien für das Studium arbeitet, das einzige Hobby das Studium ist und man keinen Nebenjob hat.“ So beschreibt ein Hildesheimer Professor seine Vorstellung des Bachelor-Studiums. Leider ist sie für viele Studenten eine Utopie, da sie sich ihr Studium zu einem gewissen Teil selbst finanzieren müssen. Wie man daher alles rausholen kann aus Praktika, Jobs und BAföG, erklärt uns Horst Marburger in seinem neuen Ratgeber.
Sei es durch das Abbezahlen von Miete, Studiengebühren oder den Kosten der letzten WG-Party - als Student ist man praktisch immer in Geldnot. Deshalb muss man sich auch ständig etwas dazuverdienen und das ist während eines vollgepackten Bachelor-Studiums gar nicht so einfach. Wie das trotzdem funktionieren kann und wie „mehr Geld für Schüler und Studenten“ herausspringen kann, bringt uns Horst Marburger in dem gleichnamigen Ratgeber näher.
Das Bundesausbildungsförderungsgesetz z.B., den meisten unter dem Kürzel BAföG bekannt, soll die Chancengleichheit von Schülern und Studenten garantieren. Wie schwierig ein Besuch im BAföG-Amt ist, zeigt das Beispiel meiner Mitstudentin Agatha, die trotz ständiger Nachfrage über ein halbes Jahr auf ihr Geld warten musste. Monatelang war sie gezwungen zwei bis drei Nebenjobs auszuüben, als sie plötzlich die Förderung ohne Ankündigung und rückwirkend für ein halbes Jahr bekam und auf einen Schlag reich war. Leider haben solche Geschichten nicht immer ein gutes Ende.
Wer aber bekommt überhaupt solch eine Förderung? Die deutsche Staatszugehörigkeit ist eine wichtige Voraussetzung, für Ausländer ist der Erhalt weitaus schwieriger. Interessant ist der Grundsatz, dass die Ausbildung nur dann gefördert wird, „wenn die Leistungen des Auszubildenden erwarten lassen, dass er das angestrebte Ausbildungsziel erreicht.“ Dieses Ziel ist zunächst nur, dass der Auszubildende seine Ausbildungsstätte regelmäßig besucht. An der Universität bekommt man die Förderung ab dem fünften Semester allerdings nur noch, wenn man den von der Hochschule geforderten Leistungsstand des vierten Semesters erreicht hat.
Noch komplizierter sind die Fragen, wie viel und wie lange man solch eine Förderung überhaupt bekommt. Obwohl das Buch viele Zusammenhänge in Schaubildern vereinfacht darstellt, so muss man sich hier doch durch einen Dschungel von Ausnahmen kämpfen: Wie viel verdienen meine Eltern? Verdiene ich selbst etwas? Möchte ich für meine Ausbildung ins Ausland? Hierbei handelt es sich nicht um leichte Kost, aber der Leser kann das Buch ebenso als zuverlässiges Nachschlagewerk benutzen.
Einige, gerade für Studenten wichtige Themen, die mir bei den Schlagwörtern „Geld“ und „Studium“ als Erstes eingefallen sind, behandelt das Buch allerdings nicht. So werden keine Stipendien vorgestellt, die doch eigentlich fairer sind als das BAföG, da sie später nicht zurückgezahlt werden müssen. Des Weiteren werden die Studiengebühren nicht erwähnt, die die finanzielle Lage der Studierenden verschärft haben. Die hier verteilten Studienkredite müssen ebenfalls mit Zinsen zurückgezahlt werden. Hinweise auf Stipendien oder Ausnahmefälle durch Geschwister oder Studieren mit Kind wären hier hilfreich gewesen.
Auch die Einführung des Bachelor-Master-Systems hat neue Probleme geschaffen, für die das Buch keine Lösungen liefert. Wenn der Master-Studiengang nicht direkt auf den Bachelor „aufbaut“, gilt er bereits als Zweitstudium und wird nicht mehr gefördert. Wenn also eine Lehramtsstudentin während ihres Studiums der Fächer Deutsch und Französisch ihre Liebe zur Dichtkunst entdeckt und sich zu einem Literatur-Master entschließt, wird sie nicht mehr gefördert. Möglicherweise wird sie daraufhin nur Lehrerin, weil ihr das Geld zum Studiumswechsel fehlt.
Doch Horst Marburger konzentriert sich mehr auf Mittel und Wege, wie man während der Schulzeit oder des Studiums eine Beschäftigung ausüben kann. Der Autor erklärt die Beziehungen von Förderung, Arbeit und Versicherung und wie man einige Fallen und Hindernisse überwinden kann. Er vermittelt einen Überblick über Fördermöglichkeiten von Schülern und Studenten sowie deren Möglichkeiten, sich nebenbei etwas Geld zu verdienen.
Allerdings hätte der Schwerpunkt noch mehr auf den Förderungen ruhen können, die gerade für die Studierenden eine immer wichtigere Rolle spielen. Denn in einem zumindest hat der Hildesheimer Professor zu Beginn leider recht: Den Bachelor kann man nur in sechs Semestern schaffen, wenn man keinen Nebenjob hat. Für ein Hobby sollte die Zeit allerdings noch reichen.
Christoph Schlüter
Mehr Geld für Schüler und Studenten
Autor:
Horst Marburger
Verlag:
Walhalla
ISBN: 3802938259
Weitere Informationen bei
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Quelle: Eigene Rezension


