Teaching Grammar
„He/she/it, das „-s“ muss mit!“ Diese Grammatikregel für die Bildung des Simple Present im Englischen ist wohl eine der ersten, welche Englischlehrer ihren Schützlingen als Merksatz mit auf den Weg geben. Doch trotz dieser einfachen Formel stellt die richtige Verwendung des „Third Person Singular -S“ auch für fortgeschrittene Lerner eine Herausforderung dar. Keßler und Plesser erläutern in ihrem Buch unter anderem, wie sich dieses Phänomen erklären lässt und welche theroretischen Überlegungen als Grundlage für die Grammatikvermittlung in der Schule dienen.
Das Buch zur Grammatikvermittlung im Englischunterricht, welches das Autorenduo in englischer Sprache verfasst hat, weist einen deutlichen Theorieschwerpunkt auf und untergliedert sich in vier große Abschnitte. Der erste Teil ist der Definition des Grammatikbegriffs im Englischen gewidmet und schließt daran eine historische Betrachtung der verschiedenen Grammatik-Vermittlungsmethoden an. Dabei wird der kommunikativen Methode besondere Aufmerksamkeit gewidmet.
Der zweite Teil konzentriert sich auf Studien zum Zweitsprachenerwerb und zur Grammatikvermittlung. In diesem Zusammenhang widmen die Autoren den Konzepten der „Interlanguage“ sowie der „Learnability“ und „Teachability“ von grammatischen Strukturen große Aufmerksamkeit. In diesem Zusammenhang gehen Keßler und Plesser unter anderem auf Manfred Pienemanns „Processability Theory“ ein, welche für den Erwerb der Morfosyntax des englischen sechs Stufen annimmt, die der Lerner nacheinander durchschreiten muss. Diese Hierarchie erklärt unter anderem die Schwierigkeit, die sich hinter der aktiven Beherrschung des „Third Person Singular -S“ verbirgt, da sich diese Struktur erst auf Stufe 5 von den insgesamt sechs Stufen der Hierarchie befindet und deshalb erst von weit fortgeschrittenen Lernern systematisch beherrscht werden kann. Basierend auf diesen Erkenntnissen wird auch die Rolle von Fehlern im Fremdsprachenerwerb kritisch beleuchtet. Des Weiteren verdeutlichen die Autoren den Unterschied zwischen explizitem und implizitem Lernen grammatischer Strukturen.
Der dritte Abschnitt des Buches konzentriert sich auf die Grammatikvermittlung im Schulkontext. Dabei geht es unter anderem um aufgabenbasierte Lernmethoden (Task-Based Language Teaching) sowie um den Immersionsansatz. Außerdem gehen Keßler und Plesser auf die Diskrepanz ein, die zum Teil zwischen der Konzeption von Lehrbüchern und den Erkenntnissen der Zweitsprachenerwerbsforschung bestehen. Auch die Differenzierung des Unterrichts in zwei Phasen, den „Focus on Content“ und den „Focus on Form“ thematisiert das Autorenduo näher. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Diagnose des Lernstandes.
Im vierten Teil, der sogenannten „Service Section“, findet der Leser schließlich ein Glossar mit Definitionen der Fachtermini sowie eine umfangreiche Bibliografie für die vertiefende Lektüre.
„Teaching Grammar“ stellt die wichtigsten theoretischen Hintergründe für die Vermittlung der englischen Grammatik dar, geht allerdings nicht genauer auf Methoden der Grammatikvermittlung in der Unterrichtspraxis ein. Von Levelt und Selinker über Krashen bis Pienemann werden alle wichtigen theoretischen Ansätze erläutert und deren Bedeutung für den Englischunterricht aufgezeigt. Das Buch bietet Englischlehrern und und Lehramtsstudenten eine Grundlage, auf Basis derer sie sich fundiert für bestimmte Formen der Grammatikvermittlung entscheiden können und sensibilisiert für Problematiken des Grammatikunterrichts.
Teaching Grammar
Autor/en:
Jörg-U. Keßler, Anja Plesser
Verlag:
UTB
ISBN: 3825234487
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Quelle: Eigene Rezension


