99 Tipps: Wenn Schüler Hilfe brauchen
Zu den Aufgaben eines Lehrers gehören neben dem fachlichen Unterricht auch erzieherische und diagnostische Tätigkeiten. So wird von Lehrenden erwartet, dass sie die einzelnen Schüler ihrer Klasse im Blick haben und auch Verhaltensauffälligkeiten wahrnehmen, damit spezielle Förder- und Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet werden können. Wie Häring und Kowalczyk in ihrem Ratgeber aufzeigen, handelt es sich dabei nicht nur um Lernschwierigkeiten – auch für den Umgang mit körperlichen, emotionalen oder familiären Problemen der Schüler sollte ein Lehrer über ein Handlungsrepertoire verfügen. Im Schulratgeber „99 Tipps: Wenn Schüler Hilfe brauchen“ werden wichtige Problemfelder und Lösungsvorschläge aufgezeigt.
Der Titel ist Programm in dem 160 Seiten umfassenden Ratgeber: Auf je einer bis knapp zwei Seiten werden insgesamt 99 „Schülerprobleme“ behandelt und Handlungsmöglichkeiten für einen erfolgreichen Umgang beschrieben. Klassifiziert sind diese in insgesamt sechs Problembereiche. Zur Kategorie „Körperliche und psychosomatische Probleme“ zählen die Autoren Essstörungen, wie Bulimie, Magersucht und die Binge-Eating-Störung, Erkrankungen, wie Neurodermitis, Diabetes mellitus, Asthma oder Tumorerkrankungen, sowie Verhaltensauffälligkeiten, wie ADHS, Tic-Störungen oder Asperger. Darauf folgt der Problembereich „Psychische und emotionale Probleme“, darunter Ritzen, Borderlinestörungen, Prüfungsangst und Depression.
Das dritte Kapitel mit dem Titel „Sozialverhalten“ fällt mit nur fünf Tipps am knappsten aus. Behandelte Themen sind unter anderem Außenseitertum und Mobbing. Der Themenkomplex „Verhaltensauffälligkeiten“ umfasst unterrichtliche Verhaltensweisen wie Schwätzen und Klassenclownerie, darüber hinaus auch allgemeinere Aspekte wie sexualisierte Sprache, Kriminalität, Drogensucht oder Computersucht. Das vierte Kapitel befasst sich mit „Familiären Problemen“, wie der Scheidung der Eltern, Weglauferei oder Misshandlung. Im letzten Kapitel „Lernschwierigkeiten und -störungen“ behandeln die Autoren schließlich Aspekte wie Hochbegabung, Dysgrammatismus und Hausaufgabenverweigerer.
In jedem der 99 Texte definiert das Autorenteam das jeweilige Schülerproblem und macht Angaben dazu, wie viele Schüler im Schnitt von der Krankheit oder Verhaltensauffälligkeit betroffen sind. Im Anschluss daran folgen praktische Handlungsanweisungen und sogenannte SOS-Tipps, die dem Lehrer aufzeigen, wie er dem betreffenden Schüler durch Gespräche oder Unterstützungsmaßnahmen helfen kann.
Zu den Vorteilen des Praxisratgebers zählt die Berücksichtigung unterschiedlichster Schülerprobleme, wobei neben bekannten Problembereiche auch vielen Lehrern weniger vertraute Aspekte, wie z.B Asperger oder Mutismus, Berücksichtigung finden. Lehrkräften verschafft das Buch auf diese Weise einen umfangreichen Überblick über mögliche Probleme, mit denen ihre Schüler konfrontiert sein könnten. Allerdings geht der Ratgeber aufgrund seiner thematischen Breite bei der Behandlung der Einzelthemen nicht in die Tiefe, weshalb sich im Zweifelsfall gerade für unerfahrene Lehrer das Heranziehen weiterer Fachliteratur empfiehlt.
99 Tipps: Wenn Schüler Hilfe brauchen
Autor/en:
Hans-Georg Häring, Walter Kowalczyk
Verlag:
Cornelsen
ISBN: 3589230568
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Quelle: Eigene Rezension


