Chill mal, Frau Freitag
Aus dem Alltag einer unerschrockenen Lehrerin
Frau Freitag zum Schüler: „Weißt du denn, was ein Spast ist?“ Schüler zu Frau Freitag: „Ja, klar. Ein Spast ist ein kleiner Vogel.“ - Bereits der Klappentext bringt auch Nicht-Lehrer zum Schmunzeln. Wie es trotz guter Planung an der Schule doch immer wieder drunter und drüber geht, beschreibt Frau Freitag mit viel Humor in ihrem Buch und versichert immer wieder, dass sie den schönsten Beruf der Welt ausübt.
In vielen kleinen Episoden fasst die Lehrerin, die ihre Erlebnisse unter dem Pseudonym „Frau Freitag“ zu Papier gebracht hat, ihren chaotischen Arbeitsalltag an einer Brennpunkt-Gesamtschule zusammen, an der sie Englisch und Kunst unterrichtet. Die charakterlichen Eigenarten ihrer Schüler, die größtenteils Migrationshintergrund aufweisen, beschreibt die Lehrerin mit einem Augenzwinkern: Da gibt es Blutdruck-Yusuf, den hyperaktiven Dschinghis und Mehmet, der entweder Hells Angel oder Stewardess werden möchte.
So erzählt Frau Freitag von der einen Stunde, in der sie ihre Schüler für die Verwendung von Schimpfwörtern sensibilisieren wollte. Doch statt eine Kategorisierung der Schimpfwörter in „witzig“, „verletzend“ und „diskriminierend“ an der Tafel vorzunehmen, waren die Schüler am Stundenende gerade einmal mit der Auflistung der Schimpfwörter fertig. Und auch die sorgfältige Stundenplanung lässt sich nicht umsetzen, wenn die Schüler im Minuten-Takt in die Klasse kommen oder keines ihrer Arbeitsmaterialien bei sich tragen. Wie weit Theorie und Praxis in Brennpunktschulen voneinander abweichen, weiß Frau Freitag nur zu gut zu berichten.
Auch die Vorstellungen, die ihrer Schüler vom Berufsleben haben, belächelt die Lehrerin des ein oder andere Mal. So berichtet Frau Freitag von einem Schüler, der später Bäcker werden möchte, weil er glaubt, dann 5.000€ monatlich zu verdienen. Die Wissenslücken der Schüler sind auch in fachlichen Themen nicht beachtlich: So lernen die Schüler erst im Unterricht, dass die Mauer nicht von Hitler erbaut wurde. Eine andere Herausforderung für die Lehrerin besteht darin, mit den Eltern ausländischer Schüler über deren Kinder zu sprechen, wenn diese kaum ein Wort Deutsch verstehen.
Nichtsdestotrotz ist Frau Freitags Blick auf das Schulleben ist stets liebevoll, denn sie weiß, dass es die Schüler und diese alltäglichen Situationen sind, die den Reiz ihres Berufs ausmachen. So erzählt sie, dass sie sich bereits am Wochenende auf die neue Woche freut und mit dem Nichtstun eigentlich gar nichts anfangen kann. Die Gedanken kreisen doch schon um die nächste Stundenplanung.
Besonders für Lehrer und diejenigen, die es noch werden wollen, bietet das Buch einen humorvollen Einblick in Situationen, mit denen man an der Schule konfrontiert wird, wenn auch nicht tagtäglich. Doch auch Fachfremde werden einige amüsante Stunden mit der Lektüre verbringen.
Chill mal, Frau Freitag
Autor:
Frau Freitag
Verlag:
Ullstein
ISBN: 3548373992
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Quelle: Eigene Rezension


