WISO: Nebenjobs
Ich habe ein knallgelbes Vogelkostüm an, laufe auf Stelzen und verteile Flyer mit der Aufschrift: „Bibo’s Chicken Week – dieses Huhn knallt rein!“ Der Nebenjob ist für einen Studenten nicht immer das Gelbe vom Ei. Aber darf ich eigentlich meine Minijobs als Kellner und Mickey Maus legal zusätzlich ausüben? Insgesamt würde ich damit ja etwa 540€ verdienen. Schauen wir doch einmal im Buch „WISO: Nebenjobs“ von Oliver Heuchert nach.
„Egal ob Sie im Supermarkt Regale einräumen, im Biergarten kellnern oder Jugendmannschaften auf dem Fußballplatz trainieren, Sie haben immer mehr netto vom Brutto als in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.“ Warum ist das so?
Die „Minijobs“ etwa zeichnen sich dadurch aus, dass man nur 400€ im Monat verdienen darf. Nehmen wir an, ein unverheirateter Arbeitnehmer, der 30000€ brutto im Jahr verdient, macht nun ebenfalls für 400€ Überstunden. Durch Steuern und Sozialabgaben muss er über 50% davon wieder abgeben, hat also tatsächlich nur knapp 200€ für sich. Der Minijobber behält dagegen die gesamten 400€, weshalb die Minijobs auch „400-€-Jobs“ genannt werden.
Richtiger wäre es übrigens vom „4800-€-Job“ zu sprechen. Als Kellner kann man im kalten Januar nur 200€ verdienen und im vollen Biergarten im Juli möglicherweise 600€. Das ist möglich, wenn im Jahresdurchschnitt die Grenze von 4800€ nicht überschritten wird. Falls überraschend einmal ein anderer Kellner krank wird und man einspringen muss, dürfen es sogar etwas mehr als 5000€ werden.
Darf ich denn nun auch gleichzeitig meine Minijobs als Bibo, Kellner und Mickey Maus ausüben und damit 540€ im Monat verdienen? Oliver Heuchert Antwort lautet: "Jein!" Ich kann auch noch King Lui und Bademeister spielen, selbst wenn es deutlich mehr als 400€ im Monat einbringt, solange ich jährlich nicht mehr als 4800€ vorzuweisen habe. Sobald es mehr wird, muss ich in die Sozialversicherungen einzahlen.
Bei durchschnittlich 540€ würde ich allerdings bereits in die Kategorie „Midijobs“ rutschen. Wer zwischen 401 und 800€ im Monat verdient ist zwar versicherungspflichtig, allerdings sind die Sozialabgaben im Vergleich zum Angestellten relativ gering. „Trotz der verringerten Beiträge zu den Sozialversicherungen ist der Midijobber vollständig über diese Systeme abgesichert und hat Anspruch auf alle Leistungen. Deswegen ist ein Midijob auch der billigste Weg in die gesetzliche Krankenversicherung.“
Natürlich erscheint der 400-Euro-Job ohne Abgaben zunächst lohnenswerter. Doch allein vom Umfang der Arbeit ist der Midijobber besser ins Unternehmen integriert. Er gilt nicht bloß als flexibler „Notnagel“ und der Wechsel in eine Vollzeitbeschäftigung ist oft leichter. Man kann Mini- und Midijob auch voll kombinieren, 400€ + 800€ im Monat. So kann man im besten Fall auf einen Jahreslohn von 14400€ schauen, der nur gering besteuert ist – dafür kann man sich schon einmal zum Affen bzw. zum Vogel machen.
Wem das zu blöd ist und der trotzdem nicht auf die Vorteile eines Nebenjobs verzichten möchte, kann zum Modell „Selbstständiger Nebenjob“ greifen. Man ist sein eigener Herr und kann womöglich sein Hobby zum Beruf machen. Laut Oliver Heuchert starten Selbstständige häufiger nebenberuflich, als gleich eine Vollzeit-Tätigkeit zu riskieren. Denn Lohnfortzahlungen oder Urlaub gibt es in der Selbstständigkeit nicht.
Grundsätzlich gilt: Als Nebenjobber hast du die gleichen Rechte und Pflichten wie ein Vollzeit-Beschäftigter. Das mag in der Realität allerdings bisweilen anders aussehen, da man nicht so oft in der Firma ist und womöglich die Mitarbeiter nicht so gut kennt. Wer die Rechte und Pflichten noch einmal genauer nachschlagen möchte, dem sei der Ratgeber „WISO: Nebenjobs“ von Oliver Heuchert empfohlen. Von „Bibo’s Chicken Week“ kann aber auch er dich nicht befreien.
Christoph Schlüter
WISO: Nebenjobs
Autor:
Oliver Heuchert
Verlag:
Campus Verlag
ISBN: 3593379686
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Quelle: Eigene Rezension


