Management by Sokrates
Was die Philosophie der Wirtschaft zu bieten hat
Es gibt „Singen mit Hansi Hinterseer“, „Kochen mit der Maus“ und „Quatsch mit Soße“ – warum sollte man dann nicht auch ein Buch mit dem Titel „Management by Sokrates“ herausbringen? Was hat bloß ein frei denkender Philosoph mit den kapitalistischen Machenschaften von Managern zu tun? Eine ganze Menge! Das erklären uns Michael Niehaus und Roger Wisniewski in einem sehr interessanten Buch, das klug die Zusammenhänge von Wirtschaft und Philosophie veranschaulicht.
Heuschreckenschwärme und Quälgeister
Vor ein paar Jahren verglich der damalige SPD-Vorsitzende Franz Müntefering eine kleine Gruppe von Investoren und Managern mit Heuschreckenschwärmen. Da haben wir schon die erste Gemeinsamkeit mit Sokrates, denn auch er galt zeit seines Lebens als Quälgeist. Ständig nervte er die Bürger Athens mit seinen Nachfragen, stellte sich dabei selbst dumm und unwissend. Den Fischer fragte er so lange nach seinem Beruf aus, bis dieser wohl selbst nicht mehr wusste, was er denn eigentlich für Aufgaben ausübte.
Das Ganze tat Sokrates nicht aus Jux und Dollerei. Vielmehr wollte er den Fischer dazu bringen, kritisch das eigene Handeln zu hinterfragen. Er solle sich nicht auf Vorurteile stützen sondern eine eigene Meinung bilden. Sokrates stellte die Fragen und im Dialog wurden Lösungen erstritten und diskutiert. Diese Methode machen sich Niehaus und Wisniewski zunutze.
„Was ist ein gutes Unternehmen?“ „Was ist gute Führung?“ „Moral in der Wirtschaft, geht das überhaupt?“ Solche Fragen stellen die Autoren im Sinne Sokrates’ und diskutieren sie meist im Sinne des „Neo-Sokratischen Gesprächs“. Bei diesem handelt es sich um ein, natürlich an Sokrates angelehntes, Gruppengespräch. Es wird nur ein Thema zurzeit besprochen, wie etwa „Was ist gute Führung?“
Das sokratische Gespräch
Am Ende eines sokratischen Gespräches muss nicht die Definition aus dem Brockhaus herauskommen. Vielmehr einigen sich die Teilnehmer auf ihre gemeinsame Wahrheit, die sie durch Zuhören, Streit und Einigung gefunden haben. Die Rolle des Sokrates übernimmt dabei ein wenig der Gruppenleiter.
„Sokrates gibt nicht, sondern lässt den anderen hervorbringen.“ Dies ist auch das Motto des Gesprächsleiters. Er darf seine eigene Meinung nicht einbringen, soll aber die Teilnehmer mit ständigen Nachfragen nerven und anstacheln. „Beliebteste“ Frage ist wohl: „Was hat die Antwort mit unserer Frage zu tun?“, die man nur zu gern einmal Politikern in einer Talkshow unter die Nase reiben würde.
Kein "Herumphilosophieren!"
Es geht also nicht ums „Herumphilosophieren“! Die Teilnehmer sollen sich zum Thema äußern, nicht abschweifen und sich die Aussagen der Anderen merken. Niehaus und Wisniewski behaupten, dass sich dieses philosophische Denken auch auf das Berufsleben übertragen lässt. So geben sie als Beispiel den Verlauf eines solchen Gesprächs zum Thema „Was ist ein gutes Unternehmen?“ wieder. Am Ende stehen die stichpunktartigen Ergebnisse, die versuchen, eine Brücke zwischen Wirtschaftlichkeit und sozialen Aufgaben eines Unternehmens zu schlagen.
So erhält das Thema „Wirtschaftsethik“ auch ein eigenes Kapitel. Zwischen Sozialer Marktwirtschaft und Turbokapitalismus kann heutzutage nicht mehr so stark unterschieden werden. Zu gern würde man von einem führenden Banker einmal eine Antwort auf die Frage „Was ist gute Führung?“ hören. Mit Sokrates kann man sich sicher sein, dass dieser schon bald in große Erklärungsnöte geraten würde.
Als Philosophiestudent möchte ich positiv hervorheben, dass sich die Autoren wirklich mit Sokrates und der Philosophie beschäftigt haben. Der Lebenswandel Sokrates, seine Fragestellungen und die Aufgabe und Sinn von Philosophie nehmen rund ein Drittel des gesamten Buches ein. Natürlich sind diese Kapitel immer wieder auf Management und praktische Anwendung bezogen, aber sie nehmen ihr Thema ernst und man hat viel Spaß beim Lesen.
Die beiden Autoren spiegeln die Verknüpfung von Philosophie und Management wieder. Roger Wisniewski ist Unternehmensberater, Michael Niehaus ist Philosoph. Zusammen haben sie ein Werk geschaffen, das sowohl für Philosophen als auch für Manager interessant ist. Einzig die Wahl des Titels ist etwas unglücklich, weil das Buch, wie wir festgestellt haben, weit über „Singen mit Hansi Hinterseer“ hinausgeht.
Christoph Schlüter
Management by Sokrates
Autor/en:
Roger Wisniewski, Michael Niehaus
Verlag:
Cornelsen
ISBN: 3589236760
Weitere Informationen bei
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Quelle: Eigene Rezension


