Das neue Handbuch des Journalismus
Die beiden erfolgreichen Journalisten Wolf Schneider und Paul-Josef Raue führen Berufsanfänger, Jungjournalisten, aber auch alte Hasen durch die Fallen und Irrtümer des Journalismus.
„Wir wollen Orientierung bieten: jungen Menschen, die erwägen, Journalist zu werden, aber von diesem Beruf noch keine realistische Vorstellung besitzen; angehenden Journalisten, die dabei sind, dieses großartige und schwierige Handwerk zu erlernen; und ebenso gestandenen Redakteuren, wenn sie den Wunsch haben, sich zu vervollkommnen oder über die Fallstricke und die Tücken ihrer Tätigkeit einmal nachzudenken.“
Ohne Zweifel: dieses Ziel erreichen die Autoren. Neulingen kann dieses Buch eine wertvolle erste Hilfe bieten, Anfängern bei Unsicherheiten auf die Sprünge helfen. Aufgrund der Ausführlichkeit und des gebotenen Detailwissens, gesammelt in zusammen genommen rund neunzig Jahren Berufserfahrung, ist es zudem in der Lage, auch fertig ausgebildete Journalisten anzuregen, zu informieren und sie vielleicht sogar eine neue Sichtweise auf ihre Tätigkeit, Aufgabe, Funktion und Position innerhalb der Gesellschaft erfahren zu lassen.
Sorgfältig und sinnvoll ist das Buch in mehrere, voneinander unabhängige Kapitel gegliedert, mit Überschriften wie „Die Journalisten“, „Die Ethik“ oder „Die Zukunft der Zeitung“. Der Rechercheweg wird vorgeführt, das Schreiben selbst unter die Lupe genommen, die verschiedenen journalistischen Formen wie auch die verschiedenen Medien werden erläutert und auch das Innenleben einer Redaktion sollte nach der Lektüre weniger undurchschaubar und verwirrend sein. Schon bald erkennt der Leser vor allem das eine: Journalismus ist ein Handwerk und ein angehender Journalist sollte als erstes den richtigen Umgang mit seinem Handwerkszeug erlernen. Und hierzu zählt nicht nur der Umgang mit der Sprache. Von der Nachrichtenmeldung über die Verlockungen und Gefahren wohlklingender Zahlen bis hin zum Pressekodex und Presserecht – die beiden Autoren kennen sämtliche Klippen ihres Berufes. Mit Hilfe von teils sehr unterhaltsamen Beispielen aus der Praxis, von Grafiken, Merksätzen und Anleitungen gelingt es ihnen, ein anschauliches und informatives, aber auch kritisches Bild des Journalismus zu zeichnen.
Aufgrund ihres eigenen Erfahrungsschatzes neigen die beiden versierten Journalisten zwischenzeitlich zu einer etwas herablassenden Perspektive auf ihre Kollegen, indem sie etwa deren Fehler ohne Rücksicht aufs Korn nehmen oder gerne die Unterscheidung zwischen „richtigem“ Journalismus und „bedenklichem“ Journalismus treffen. Andererseits: als langjähriger Leiter der heutigen Henri-Nannen-Schule (Schneider), als Schüler derselben und Chefredakteur der Braunschweiger Zeitung (Raue) ist eine gewisse Abgeklärtheit, die partiell zur Arroganz tendieren kann, Anfängern gegenüber durchaus gerechtfertigt. Ihr Ziel ist es hierbei vor allen Dingen, dem Leser die Verantwortung des gewählten Berufes deutlich zu machen: „Wenn die demokratische Gesellschaft funktionieren soll, dann ist sie auf Journalisten angewiesen, die viel können, viel wissen und ein waches Bewusstsein für ihre Verantwortung besitzen.“
Von Ines Schipperges
Das neue Handbuch des Journalismus
Autor/en:
Wolf Schneider, Paul-Josef Raue
Verlag:
Rowohlt Verlag
ISBN: 349961569X
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Quelle: Eigene Rezension


