Stellensuche und Bewerbung im Internet
"Lieber Personaler, an Absagen habe ich leider keinen Bedarf. Deshalb werden Sie mir Ihr Schreiben nicht zustellen können. Ich bitte um Ihr Verständnis." Svenja Hofert, die Autorin des Ratgebers "Stellensuche und Bewerbung im Internet", konnte einfach nicht fassen, dass ein Bewerber eine Autoresponder-Mail mit diesem Inhalt erstellt hatte, die jedes Mal abgeschickt wurde, wenn in einer E-Mail die Wörter "vielen Dank", "keine adäquate" oder "Bewerbung" auftauchten. Kein Wunder, dass dieser Bewerber nur schwer eine Stelle gefunden hat und mit der Zeit immer frustrierter wurde. Denn auch in Zusagen kann das Wort "Bewerbung" auftauchen. Zudem gibt es Absagen, in denen man aufgefordert wird, sich für eine andere Position zu bewerben. Aber all diese Mails hat der frustrierte Bewerber nicht bekommen.
In ihrem Ratgeber zeigt die Inhaberin der Karriereberatung "Karriere und Entwicklung", wie man die "perfekte" E-Mail-Bewerbung verfasst, welche Tücken hinter einem Online-Formular stecken und wie man im World Wide Web gezielt nach Stellenanzeigen suchen kann. Darüber hinaus gibt es auch einen kurzen Abschnitt zum Vorstellungsgespräch und zu Einstellungstests. Dabei gibt die Autorin viele Beispiele und stellt immer wieder den Bezug zu ihrer Beratungspraxis her.
Der erste Abschnitt des Buches befasst sich mit der Stellensuche im Internet. Dass man damit leicht über 30 Seiten füllen kann, wird sicherlich den einen oder anderen Leser erstaunen. Denn vielen Bewerbern ist nicht bewusst, dass man aus der Suche nach der richtigen Stelle einen "Vollzeitjob" machen kann. Wussten Sie z.B., dass man eine Jobsuche so systematisch wie ein Projekt betreiben kann, indem man Ziele und Meilensteine definiert? An Hand von Fallbeispielen beschreibt die Autorin, wie ein Strategieplan bei der Jobsuche aussehen könnte und sollte. Dabei macht sie auch auf einige Schwierigkeiten der Online-Jobsuche aufmerksam. Dass es Unternehmen gibt, die im Netz fiktive Stellenanzeigen schalten, um sich zu profilieren, wird wohl vielen Lesern unbekannt sein. Auch der "verdeckte" Stellenmarkt wird im ersten Abschnitt angesprochen. Das Institut für Arbeitsmarktforschung hat eine Studie veröffentlicht, nach der mehr als zwei Drittel aller Stellen nicht öffentlich ausgeschrieben werden. Sie werden intern vergeben oder über Kontakte und Empfehlungen. Auch hier wird das Internet zunehmend wichtiger. Auf Karrierenetzwerken wie Xing werden Bewerber angesprochen, abgeworben, Netzwerke aufgebaut und Kontakte geknüpft. Wer sich hier geschickt präsentiert, hat gute Chancen direkt von einem Unternehmen angesprochen zu werden.
Die Formen der Online-Bewerbung sind vielfältig und immer noch werden es zunehmend mehr. Netzwerke wie Xing gehören hier sicherlich schon zu den neueren Phänomenen. Daneben gibt es aber auch die Möglichkeit der E-Mail-Bewerbung, der Bewerbung per Online-Formular und das webbasierte Selbstmarketing auf einer eigenen Homepage. Wie man diese Bewerbungsstrategien richtig nutzt, erfährt man im zweiten Teil des Ratgebers. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der E-Mail-Bewerbung, da es sich dabei um die am meisten verbreitete Form der Bewerbung im Internet handelt. Gerade mittelständische Unternehmen geben der E-Mail-Bewerbung den Vorzug, während Konzerne eher Online-Formulare wählen. Das Unternehmen Stepstone hat in einer Studie ermittelt, dass sich nur noch 22 Prozent der Befragten per Post bewerben - diese Form stirbt also langsam aus. Da ist man klar im Vorteil, wenn man das ABC der E-Mail-Bewerbung beherrscht. Bei Svenja Hofert erfährt man, wie man den Anhang einer E-Mail-Bewerbung gestalten sollte, welche Fallen mit dieser Bewerbungsvariante verbunden sind und wie man "richtig" mailt. Dabei geht sie auch auf grundlegende Regeln zur Erstellung der Bewerbungsunterlagen ein.
Nach der gelungenen Stellensuche und der erfolgreichen Bewerbung im Internet, ist es nun soweit: Die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch flattert ins Haus - per Post oder per E-Mail. Um im Gespräch punkten zu können, ist eine gute Vorbereitung äußerst wichtig. Auch hierfür eignet sich das Internet. So gibt es mittlerweile zu fast jedem Unternehmen Informationen im Internet - sei es auf der Homepage des Unternehmens selbst, auf Unternehmensbörsen oder in Online-Nachrichten oder -Artikeln. Auch das Netzwerk Xing kann hier sehr hilfreich sein, wie Hofert zeigt. Ihr ist ein Fall bekannt, bei dem ein Bewerber seinen Gesprächspartner bei Xing ausfindig gemacht und so etwas über dessen Steckenpferd und Hobby erfahren hat. Mit diesen Informationen konnte er im Vorstellungsgespräch punkten. Er kam in die nächste Runde und wurde für die Position ausgewählt. Hofert geht auch auf die klassischen Fragen in einem Vorstellungsgespräch ein, wie die nach den Stärken und Schwächen oder nach der Unternehmenswahl.
Den vierten Teil des Ratgebers bildet ein sehr umfangreiches Adressbuch zu Internetbewerbungen. Hier sind alle wichtige Jobbörsen aufgelistet, auch etliche branchenspezifische Jobbörsen sind hier zu finden. Zu jeder Jobbörse gibt es auch umfangreiche Informationen über die dort veröffentlichten Angebote. Den Abschluss bildet ein "FAQ-Abschnitt" mit den wichtigsten Fragen und Antworten zu Internetbewerbungen, wie z.B. "Soll ich Mails mit Eingangsbestätigung schicken" oder "Welche Dateianhänge empfehlen sich bei einer E-Mail-Bewerbung?".
Fazit: Der Ratgeber "Stellensuche und Bewerbung im Internet" bietet in übersichtlicher Form alles Wissenswerte über die Rolle des Internets bei der Stellensuche und der Bewerbung. Aufgelockert wird es mit vielen Anekdoten aus der Praxis und Beispielen für E-Mail-Bewerbungen oder Online-Formularen. Positiv ist auch anzumerken, dass es am Ende jedes Kapitels einen übersichtlichen Kasten mit den wichtigsten Tipps gibt. So muss man, wenn man schnell etwas nachschlagen möchte, nicht das ganze Kapitel lesen, sondern kann einen kurzen Blick auf diesen Kasten werfen.
Bianca Schöneich
Stellensuche und Bewerbung im Internet
Autor:
Svenja Hofert
Verlag:
Humboldt Verlag
ISBN: 3869107502
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Quelle: Eigene Rezension


