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Arbeitszeugnisse

So manch ein an Bewerbungen interessierter oder sogar im Bewerbungsmarathon steckender Mensch wird sich denken: „Ein ganzes Buch nur über Arbeitszeugnisse? Hauptsache, ich habe welche und der Inhalt klingt gut!“. Falsch gedacht. Gerade in den letzten Jahren ist der Stellenwert von Arbeitszeugnissen rapide gestiegen. In den meisten englischsprachigen Ländern wird schon lange großen Wert gelegt auf Beurteilungen und Empfehlungen von ehemaligen Arbeitgebern, und nun entwickelt sich diese Tendenz auch in Deutschland zu einem neuen Trend.

Ein weiterer Irrglaube ist die Annahme, man könne doch als intelligenter Mensch erkennen, ob ein Arbeitszeugnis besonders gut ausgefallen ist oder eher nicht. Die Personaler benutzen im Allgemeinen einen „Code“, mit dem bestimmte Schwächen oder Stärken des Angestellten herausgestellt werden können, ohne dass ein Außenstehender den genauen Bedeutungsgehalt bzw. Inhalt wirklich erfassen könnte. Und so hat schon so manches vermeintlich positive Arbeitszeugnis zu einer Flut von Absagen geführt, die sich der Bewerber überhaupt nicht erklären konnte.

Der Ratgeber „Arbeitszeugnisse“ von Christian Püttjer und Uwe Schnierda gibt einen Überblick über das besagte Problemfeld. Die Autoren gehen dabei Schritt für Schritt vor und versuchen, Fehler in den verschiedenen Abschnitten eines Arbeitszeugnisses aufzuspüren, versteckte Codes offen zu legen sowie Tipps zu geben, wie man an ein besseres Zeugnis gelangen kann.

Püttjer und Schnierda machen deutlich, dass es erst einmal unwichtig ist, ob das Arbeitszeugnis den Bewerber im schlechten Licht dastehen lässt, weil dies vom Personaler so beabsichtigt war oder weil er „aus Versehen“ eher unglückliche Formulierungen gewählt hat. Entscheidend ist das Ergebnis, und dieses gilt es zu verbessern.

Sehr hilfreich sind hierbei die zahlreichen Beispiele. Immer wieder werden gängige Zeugnisformulierungen und deren wahrer Bedeutungsgehalt für Personalverantwortliche gegenübergestellt. Dabei lernt man schnell, dass augenscheinlich völlig neutral gehaltene Sätze oft sehr viel mehr aussagen, als man vermuten würde. Ein Beispiel für eine fehlerhafte Einleitung:

  • Zeugnisformulierung:
    „Herr Olaf Meyer war vom 1.10.2004 bis zum 11.11.2005 bei uns beschäftigt.“
  • Das verstehen Personalverantwortliche:
    „Er tat geschäftig, war es aber anscheinend nicht. Deshalb wurde ihm fristlos zum 11.11.2005 gekündigt.“

Im Anschluss an derartige, oft recht verblüffende Gegenüberstellungen geben die Autoren natürlich immer auch positive Beispiele.

  • In diesem Falle würde ein gelungener Einstieg wie folgt aussehen:
    „Herr Olaf Meyer, geb. am 30.05.1964 in Freiburg, war vom 1.10.2004 bis zum 30.11.2005 für uns als Service-Techniker in der Abteilung Kundendienst tätig.“

Was Beurteilungen angeht, beispielsweise die der Arbeitsbefähigung oder der Arbeitsleistung, so geben Püttjer und Schnierda ebenfalls Beispiele für Zeugnisformulierungen und zeigen gleichzeitig auf, welcher Note diese entsprechen würden. Dabei ist besondere Vorsicht geboten. Wer würde schon vermuten, dass „Er beherrschte sein Aufgabengebiet in jeder Hinsicht gut“ lediglich als „befriedigend“ eingestuft werden kann.

Natürlich kann man nicht davon ausgehen, dass die von Püttjer und Schnierda aufgeführten Formulierungen Wort für Wort im eigenen Arbeitszeugnis vorkommen. Doch wenn man sich die zahlreichen Beispiele und die begleitenden Texte sorgfältig durchliest, so lassen sich ganz eindeutige Tendenzen erkennen, die man sicherlich in so gut wie jedem Zeugnis wieder finden kann.

Die Autoren konzentrieren sich in ihrem Buch jedoch nicht nur auf so nahe liegende Punkte wie die korrekte Leistungsbeurteilung. Sie gehen auch auf Sonderpunkte wie Führungsbeurteilung und Zwischenzeugnis ausführlich ein und bleiben dank dieser Besonderheit und ihrem Feingefühl für knifflige und elementare Fragen und Probleme immer nah an der Praxis.

So bezieht sich das letzte Kapitel des Buches auch nicht auf den Schlusssatz des Zeugnisses oder ähnliches sondern befasst sich mit dem wichtigen Punkt der abschließenden Verhandlung um das Arbeitszeugnis. Denn was nützt es dem Beurteilten schon, zu wissen, wo die Schwachpunkte in seinem Zeugnis liegen, wenn er sich nicht traut, nach einer Änderung zu fragen oder sich bei den Verhandlungen ungeschickt anstellt?

Für den Leser ist es dank der logisch aufeinander aufbauenden Kapitel nicht schwer, den roten Faden in dem Ratgeber von Püttjer & Schnierda zu entdecken und zu verfolgen. Aufgrund des überschaubaren Umfangs von 126 Seiten, des ausführlichen Inhaltsverzeichnisses und des Registers auf den letzten Seiten des Buches findet man einzelne, interessante Punkte schnell und ohne Probleme. Die Beispiele und Übungen sind farblich abgesetzt, so dass man auch nach ihnen nicht lange suchen muss.

Zudem ist das Buch einfach und gut verständlich geschrieben. Die Autoren schmeißen nicht mit Fremdwörtern um sich und verlieren sich auch nicht in Geschwafel.

Alles in allem handelt es sich bei Püttjer und Schnierdas Buch „Arbeitszeugnisse“ um einen gelungenen Ratgeber, mit dessen Hilfe man auch ohne große Vorkenntnisse Schwachstellen und grobe Fehler in seinem Arbeitszeugnis erkennen und dank der guten Tipps zu Verhandlungen auch verbessern lassen kann.

Von Anika Möbus

Arbeitszeugnisse

Autor/en: Christian Püttjer, Uwe Schnierda
Verlag: Campus Verlag
ISBN: 3593378140 Weitere Informationen bei amazon.de

Quelle: Eigene Rezension

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