Spanisch für Andalusien
Wort für Wort
Zu den schönsten Vorurteilen über Andalusien gehören wohl die heißblütige Flamenco-Tänzerin und der blutige Stierkampf. Von der Tourismusindustrie werden sie auch nur zu gern bedient. Wie aber stellt sich das Verhältnis von Klischee und Realität heute in Andalusien dar? Das wird man als Tourist ohne Spanischkenntnisse wohl kaum herausfinden. Mehr noch, man bräuchte am besten Einblicke in den andalusischen Dialekt, der sich stark vom gewöhnlichen Spanisch unterscheidet. Gut vorbereitet wird man durch den Sprachführer „Spanisch für Andalusien“ aus der Kauderwelsch-Reihe des „Reise Know-How“ Verlags.
„Trag mich, Karawane, bring mich fort, bring mich nach Portugal, bring mich nach Spanien, Andalusien mit Feldern voll Korn.“ So erklingt es im Lied „Spanish Caravan“ von „The Doors“. Und tatsächlich wird fast die Hälfte Andalusiens landwirtschaftlich genutzt: Getreide, Sonnenblumen und Olivenbäume werden reichlich angepflanzt. Die hiesige Küche ist außerdem von der Jahrhunderte überdauernden Besetzung der Araber beeinflusst, wodurch mit der Zeit abwechslungsreiche und exotische Gerichte entstanden sind.
Spezielle andalusische Geschäfte sind die „ultramarinos“. Hier kann man caballa (Makrele), merluza (Seehecht) und pulpo (Krake) erwerben – für langostino und sardina braucht man nicht einmal einen Sprachführer. Dafür hilft unser Sprachführer bei der Bestellung solcher Köstlichkeiten in einem Restaurant. Der Ausruf „¡Quiero una botella de vino de la casa!“ (Ich möchte eine Flasche vom Wein des Hauses!) befindet sich z.B. im Kapitel „Essen und Trinken“. Andere Abschnitte behandeln das Wetter, Reisen mit dem Bus oder den andalusischen Karneval.
Den hilfreichen Tipps voran gehen einige Worte über die Grammatik der Sprache. Sie sind jedoch grundlegend gehalten und wirklich nur für einen ersten Einstieg ins Spanische gedacht. Interessant ist die im Sprachführer verwendete Übersetzung „Wort für Wort“. Wenn jemand z.B. auf die Frage, wie ihm denn der Fisch geschmeckt habe, mit „¡Me encanta!“ antwortet, wird der Ausruf zunächst mit „mich (er-)verzaubert“ wiedergegeben. Der Aufbau der Sprache erscheint uns Schritt für Schritt vertrauter, auch wenn der deutsche Satz korrekt „Er ist ausgezeichnet!“ lauten würde.
Ob „La Lidia“ (der Stierkampf) eine ausgezeichnete Attraktion ist, ist heutzutage umstritten. In Andalusien spielt er seit Jahrhunderten eine große Rolle und hat sich dementsprechend auch in der Sprache niedergeschlagen. Wenn sich etwa ein Mann zwischen zwei Frauen entscheiden muss und ohne Furcht seine Wahl trifft, so gilt schon einmal der Ausspruch „coger el toro por los cuernos“. Das bedeutet so viel wie „den Stier bei den Hörnern packen“. Wenn er sich dagegen nicht rechtzeitig entscheidet, kann es sein, dass eine der Frauen das Sprichwort „pillarle el toro“ wahr macht – der arme Mann „trifft auf den Stier“ und ist nun selbst der Gehörnte.
An „wilde Stiere“ könnte man wohl auch denken, wenn man Andalusier auf der Straße, im Bus oder in der Kneipe erlebt. Ein Tourist, der auf Besinnung und Wellness aus ist, kann so schnell sein blaues Wunder erleben. Lautstark und gestenreich wird bis tief in die Nacht diskutiert, gestritten und geflirtet, eine gewisse Grundlautstärke ist überall vorhanden. Umso interessanter, wenn man den einen oder anderen Satz aufschnappen und sich so über die scheinbar so emotionalen Themen informieren kann. Oft ist aber auch einfach eine große Portion Theatralik dabei.
Wer diese Mischung aus gespielter Show und echter Leidenschaft erleben möchte, dem sei zu einem Besuch in Andalusien geraten. Der Sprachführer „Spanisch in Andalusien“ ist als Lektüre vor dem Urlaub zu empfehlen, um zumindest ein paar Worte mit den Einheimischen wechseln zu können.
Christoph Schlüter
Spanisch für Andalusien
Autor/en:
Fernando Gallego Outon, Rüdiger Müller
Verlag:
Reise Know-How Verlag
ISBN: 3894164727
Weitere Informationen bei
amazon.de
Quelle: Eigene Rezension


