Herausforderung und Chance – das Assessment-Center
Vielen Bewerbern jagt schon der Begriff Respekt oder gar Angst ein – das Assessment-Center. Vor allem bei größeren Unternehmen ist es mittlerweile als Auswahlinstrument Standard, daher wird sich der Großteil der Absolventen früher oder später mit diesem Thema auseinandersetzten müssen. Assessment-Center sind jedoch häufig nicht so schlimm wie ihr Ruf.
Unternehmen wollen die Bewerber hier auf ihre Persönlichkeit hin abklopfen und sehen, ob der Bewerber oder die Bewerberin mit seinen oder ihren persönlichen Stärken und Fähigkeiten ins Team passt. Daher gilt, wie immer bei Vorstellungsgesprächen: Bloß nicht verstellen! Erstens will man ja eine Stelle, die zur eigenen Persönlichkeit passt und außerdem hat jedes Unternehmen seine eigenen Gesichtspunkte, auf die es beim Bewerber wert legt und die kaum vorausgeahnt werden können. Die Elemente eines Assessment-Centers ähneln sich zumeist, jedoch kann die Qualität und Professionalität der Veranstaltung von Unternehmen zu Unternehmen erheblich schwanken. Üblich und auch gesetzlich vorgeschrieben ist, dass das Unternehmen die Reisekosten und gegebenenfalls auch die Übernachtungskosten übernimmt. Außerdem kann ein Bewerber bei ganztägigen Veranstaltungen mit Verköstigung oder zumindest genügend Pausen zur Selbstversorgung rechnen. Leider ist dies nicht immer der Fall, gerade bei kleinen Firmen und im öffentlichen Dienst tun Bewerber gut daran, im Vorfeld ihre Verpflegung zu organisieren, um einen Leistungsabfall über den Tag zu vermeiden.
Die Zusammensetzung der einzelnen Assessment-Elemente kann ebenfalls unterschiedlich sein. Üblich sind Übungen wie Selbstpräsentation, Gruppendiskussion, Rollenspiel und Fallstudien. Den Abschluss bildet meist ein Kurzinterview, in dem die Motivation des Kandidaten abgefragt und über Details der Position gesprochen wird. Es werden gelegentlich auch Konzentrations- und Leistungstests durchgeführt. Die Selbstpräsentation wird teilweise schon im Einladungsschreiben angekündigt, mit der Bitte, sie entsprechend vorzubereiten. Hier hat der Bewerber dann genügend Zeit, sich ein angemessenes und überzeugendes Konzept zu überlegen. Das gibt Sicherheit und man kann sich optimal präsentieren. Die Fallstudien haben zumeist fachlichen Bezug. Hintergrundwissen zum Unternehmen und zur Branche ist hier, wie auch in jedem „normalen“ Vorstellungsgespräch, unerlässlich. Fallstudien werden im Plenum, einer Teilgruppe oder auch einzeln gelöst.
Ein Assessment-Center ist mit Sicherheit für jeden Bewerber eine Herausforderung. Auch wenn vielleicht bei einer Einladung zu einem solchen Event zunächst Panik aufkommt, sollte man sich nicht ins Bockshorn jagen lassen. Klar ist dieses Auswahlverfahren eine herausfordernde Prüfung, aber man sollte auf sich auf jeden Fall die positiven Seiten bewusst machen. Zunächst wird dem Bewerber eine tolle Chance geboten und es ist schon eine Auszeichnung, überhaupt eingeladen worden zu sein. Gerade große Unternehmen lassen sich solche Assessment-Center einiges kosten. Die Bewerber bekommen Anreise, Unterkunft und Verpflegung gestellt, hochrangige Führungskräfte opfern einen ganzen Tag ihrer Zeit. Das heißt, dass zu solchen Events ohnehin nur eine Handvoll der viel versprechendsten Bewerber eingeladen wird. Außerdem wird ein solcher Aufwand nur für hochrangige Positionen betrieben, die Karrierechancen sind hier also aussichtsreich. Die Persönlichkeitsmerkmale, auf die das Unternehmen wert legt, sind dem Bewerber unbekannt. Das macht das Assessment-Center zu einem überwindbaren Hindernis. Der Bewerber sollte sich so geben, wie er ist. Wenn er nach Einschätzung der Personalprofis mit seinen individuellen Stärken nicht auf die Stelle passt, wäre er dort vermutlich sowieso nicht glücklich geworden. Und das heißt zu guter Letzt: Bei einem Assessment-Center kann man nur gewinnen. Es gibt also keinen Grund, sich nicht über solch eine tolle Chance zu freuen!
Julia Schultz


