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Sonne, Strand und Studium – Als Erasmus-Studentin im sonnigen Montpellier

Klar, in vielen Studiengängen ist es vorgeschrieben, aber kaum einer möchte darauf verzichten – für ein Semester im Ausland studieren! So ging es auch Juliane (24), als sie im September 2005 für sechs Monate in den sonnigen Süden Frankreichs aufbrach. Neben ihrem Hauptziel, ihre Sprachkenntnisse zu verbessern, ging es der Französischstudentin aus Bremen vor allem darum, Land und Leute besser kennen zu lernen. Bislang kannte sie das nur aus dem Urlaub…

Als Erasmus-Studentin im sonnigen Montpellier
Als Erasmus-Studentin im sonnigen Montpellier

Doch bevor es am 1. September mit gepackten Koffern zum Flughafen ging, musste noch einiges erledigt werden: Die Bewerbung, um als Erasmus-Studentin – und damit mit finanzieller Unterstützung – ins Ausland gehen zu können, musste bereits im Februar eingereicht werden. Nach Zusage der Universität von Montpellier – einer Studentenstadt mit 250.000 Einwohnern – konnte sie weiterplanen: Zwar wurde ihr ein Platz im Studentenwohnheim zugewiesen, doch das war Juliane zu einfach: Sie wollte ihr Französisch aufbessern und nicht – wie ihr erzählt wurde – mit den Erasmus-Studenten die ganze Zeit Englisch sprechen. Also buchte sie sich, noch von Deutschland aus, für die ersten drei Nächte nur ein Zimmer in der Jugendherberge. Gewagt – aber sie hatte Glück! Nach der ersten Nacht in Montpellier, ging es für sie auf Wohnungssuche und noch am gleichen Tag konnte sie den Mietvertrag für ihre neue Wohnung unterschreiben: Ein Zimmer mit Küche und Bad, die sie sich mit einer Französin teilte. Das Besondere: In Frankreich bekommen junge Leute vom Staat einen Mietzuschuss (genannt CAF), der sich nach Größe und Art der Wohnung richtet. So können bis zu 40% der Miete vom Staat übernommen werden. Das Geld kann man gut gebrauchen, da die Lebensmittel in Frankreich teurer sind als bei uns! Doch man sollte aufpassen: Viele vermieten ihre Zimmer illegal – und dann entfällt der Zuschuss natürlich. Was ihr dafür noch fehlte, war nur noch ein Konto, das sie problemlos in der Innenstadt eröffnen konnte.

Nachdem nun alle Formalitäten erledigt waren, konnte das neue Studentenleben losgehen! Die ersten zwei Wochen vor Semesterbeginn nahm Juliane an einem Sprachkurs teil, den sie für 50 Euro freiwillig buchen konnte. „Das kann ich jedem empfehlen, weil man während des Kurses bereits wichtige Kontakte zu anderen Erasmus-Studenten für das ganze Semester knüpfen kann“, so Juliane.

Abendlicher Treffpunkt in Montpellier

Und nun war es endlich soweit – Semesteranfang in Montpellier! Im Gegensatz zu deutschen Universitäten, konnte man sich das Vorlesungsverzeichnis weder kaufen noch es im Internet ansehen. So gestaltete sich die Stundenplanerstellung etwas umständlicher, da alle angebotenen Kurse mit Eintragungslisten in den Gängen der jeweiligen Fachbereiche aushingen – aber es war zu schaffen. Vier Tage Uni die Woche, immer von 10 Uhr bis 18 Uhr, konnten ganz schön anstrengend sein. Aber auch effektiv! Mit ihrer Tandempartnerin Sophie – einer Sprachpartnerin, mit der sie sich die Hälfte der Zeit auf Französisch und die andere Hälfte auf Deutsch unterhielt, so dass beide Seiten davon profitieren – verbesserte sie ihre Sprachkenntnisse schnell und konnte noch mehr in das französische Leben eintauchen. So kam Juliane über Sophie an eine Organisation, die Jugendlichen mit Migrationshintergrund freiwillig bei den Hausaufgaben hilft. Ein Mal in der Woche unterstütze sie nun Jugendliche beim Deutsch- und Spanischlernen.

Neben dem Studium durfte aber auch die Freizeit nicht vergessen werden. Mit ihren neuen Freunden verbrachte sie gerade am Anfang, als es noch sehr warm war, die Zeit am nah gelegenen Strand. Aber auch das Erasmus-Programm hatte viel zu bieten: Ausflüge in die Umgebung, Weinproben oder die Erasmus-Abende in der Kneipe ließen Langeweile keine Chance. Auch die deutschen Bräuche wurden in ihrem Programm berücksichtigt. So wurden in der Adventszeit Kekse gebacken – bei Sonne und 20°C! Kino- und Fernsehabende in der Gruppe wurden genau so eingeplant. „Aber auch mit dem Fahrrad, das man billig auf dem Flohmarkt kaufen kann, den Ort erkunden oder sich mit mehreren ein Auto leihen, um die Region kennen zu lernen, sollte man unbedingt machen“, rät Juliane.

Die Zeit verging schnell und anders als in Deutschland endet die Vorlesungszeit in Frankreich schon vor Weihnachten. Viele Stundenten flogen Weihnachten nach Hause und kamen nicht wieder. Juliane blieb und stellte sich Anfang Januar den Klausuren. Erfolgreich bestanden, hatte sie nun noch etwas Zeit, bis ihr Flug am 1. März zurück in die Heimat ging. „Ich wollte etwas Sinnvolles machen und so entschied ich mich für ein Praktikum“. Nach ein paar Telefonaten hatte sie einen Praktikumsplatz in einer Sprachschule. Vier Wochen lang unterstütze sie die Mitarbeiter bei Recherchen und Power-Point-Präsentationen. Alles ohne Probleme!

Mit ERASMUS in Frankreich

Auf die Frage, was sie an Unterschieden zwischen Deutschland und Frankreich feststellen kann, antwortet Juliane: „Die Vorlesungen sind sehr unterschiedlich. In Frankreich müssen die Studenten die komplette Vorlesung über zuhören und mitschreiben. Diskussionen kommen kaum zustande, was manchmal sehr anstrengend sein kann.“ Auch die Distanz zwischen Studenten und Professoren kam ihr größer vor als in deutschen Unis. Manchmal fehlte ihr auch einfach die deutsche Zuverlässigkeit: „Mein Bus ist manchmal einfach nicht gekommen. Die Fahrer haben gestreikt und nirgendwo hatte man davon gehört.“

Trotzdem ist sie mit ihrem Auslandssemester sehr glücklich geworden: „Ich hatte alles in allem keine Probleme und eine schöne Zeit. Es war eine große Herausforderung und ich habe viele Erfahrungen gesammelt.“ Gerade über die Tatsache, dass sie so viel selbst organisiert hat, freut sie sich. „Man entwickelt sich gerade durch den Kontakt mit den Einheimischen sprachlich stark weiter und besonders ein selbst organisiertes Auslandspraktikum macht sich immer gut im Lebenslauf.“

Von Bianca Abheiden

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