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Die drei Lerntypen beim Sprachenlernen

Nicht jeder Mensch lernt auf die gleiche Art und Weise. Mancher muss sich einen Text selbst laut vorlesen, um den Inhalt zu verstehen, andere machen sich kleine Zeichnungen oder farbige Markierungen an den Text, um die wesentlichen Informationen zu verarbeiten und wiederum andere laufen mit dem Buch in der Hand durch die Wohnung. Diese individuellen Präferenzen beim Lernen sind auf unterschiedliche Lerntypen zurückzuführen. Die Fachdidaktik unterscheidet drei Lerntypen, die jeweils ein Sinnesorgan bei der Verarbeitung von neuen Informationen vorziehen: den visuellen Lerntyp, den auditiven Lerntyp und den kinästhetischen Lerntyp.

Die drei Lerntypen beim Sprachenlernen

Der visuelle Lerntyp

Visuellen Lerntypen fällt es in der Regel leicht, sich schriftlich und mündlich auszudrücken. Sie visualisieren neue Informationen und arbeiten mit bildlichen Vorstellungen. Texte benötigen sie in schriftlicher Form, um effektiv arbeiten zu können. Bei mündlichen Vorträgen haben sie eher Konzentrationsschwierigkeiten. Der Vorteil dieses Lerntyps ist die Tatsache, dass es visuellen Lerntypen auch in einer unruhigen und lauten Umgebung gelingt, konzentriert zu arbeiten und sich nicht ablenken zu lassen. Allerdings fällt es visuellen Lerntypen schwer, Informationen zu verarbeiten, die ihnen nicht in schriftlicher Form vorliegen. Hier kann der visuelle Lerntyp Gedächtnistechniken (Mnemotechniken) nutzen, um einzelnen Informationen bestimmte Bilder zuordnen.

Der auditive Lerntyp

Auditive Lerntypen haben eine Vorliebe für das gesprochene Wort und sind oft gute Redner. Sie können sich Informationen, die ihnen im Gespräch vermittelt wurden, gut merken. Selbst beim leisen Lesen von Texten bewegen auditive Lerntypen oft ihre Lippen mit. Dieser Lerntyp hat häufig Probleme dabei, schriftliche Texte zu formulieren und benötigt oft zusätzliche mündliche Erläuterungen zu Texten. Außerdem ist er beim Lernen leicht abzulenken. Auditiven Lerntypen kann es helfen, Texte nach dem Lesen nochmal zu versprachlichen, sich also im Gespräch mit einer anderen Person darüber auszutauschen.

Der kinästhetische Lerntyp

Der kinästhetische Lerntyp ist sehr körperbezogen. In Gesprächen verwendet er meist Gesten und Körperbewegungen. Beim Lesen fährt er mit dem Finger über die Zeilen oder benutzt ein Lesezeichen. Kinästhetische Lerntypen verbinden neu Gelerntes mit Handlungen und Bewegungen. In der Regel können kinästhetische Lerntypen ihre Fähigkeiten realistisch einschätzen, verlieren aber leicht den Überblick für das Wichtige und verlieren sich in Details, wenn sie an völlig unbekannten Themengebieten arbeiten. Diesem Lerntyp kann es helfen, Situationen schon einmal gedanklich durchzuspielen. Beim Lernen kann das Verwenden von Karteikarten nützlich sein. Außerdem sollte der kinästhetische Lerntyp nicht zu lange still sitzen und Bewegung in den Lernvorgang einbauen.

Im Schulunterricht wird der visuelle Lerntyp deutlich bevorzugt, da viel mit Texten, Schaubildern und Graphiken gearbeitet wird. Nicht umsonst ist die Tafel ein zentraler Teil des Klassenraums. Auch auditive Lerntypen können ihre Vorteile nutzen, wenn Hörtexte vorgespielt oder Präsentationen gehalten werden. Der kinästhetische Lerntyp hingegen benötigt offene Lernarrangements, wie beispielsweise Gruppenarbeiten, die jedoch recht selten auf der Tagesordnung stehen. Der von vielen Lehrern aufgrund des geringeren Vorbereitungsaufwands und der besseren Schülerkontrolle bevorzugte traditionelle Frontalunterricht benachteiligt kinästhetische Lerntypen. Damit alle Lerntypen gleichermaßen vom Unterricht profitieren, sollten Lehrer unterschiedliche Methoden in die Gestaltung einer Unterrichtsstunde einfließen lassen.

Auch beim Lernen in den heimischen vier Wänden kann das Wissen um die verschiedenen Lerntypen gewinnbringend eingesetzt werden. Wer seinen Lerntyp kennt, kann die für sich geeigneten Lernstrategien auswählen und auf diese Weise schneller Lernfortschritte erzielen. Visuelle Lerntypen könnten zum Lernen von Vokabeln kleine Zeichnungen anfertigen, auditive Lerntypen könnten mit Tonbandaufnahmen arbeiten und kinästhetische Lerntypen eine Vokabelkartei anlegen.

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