Das International People's College
Im International People’s College in Helsingør, einer Stadt im Nordosten von Dänemark an der Grenze zu Schweden, wird kulturelle Vielfalt groß geschrieben. Die internationale Hochschule beherbergt Studenten aus aller Welt, die hier für vier bis sechs Monate zusammen lernen und leben. Lucie kommt aus Tschechien und studierte selbst im Herbstsemester 2000 am IPC, wie das College von allen genannt wird. Im Anschluss an diese Erfahrung war sie selbst für zweieinhalb Jahre Dozentin am IPC und kümmert sich heute um die Koordination und Öffentlichkeitsarbeit. Wenn sie von den Leitgedanken und ihren persönlichen Erfahrungen am IPC, wie im Rahmen der diesjährigen Expolingua in Berlin, spricht, gerät sie geradezu ins Schwärmen.
Am IPC wird kein Oxford Englisch gesprochen, da die wenigsten Studenten englische Muttersprachler sind. Vielmehr handelt es sich um ein „Global English“, anhand dessen sich die Studenten aus aller Welt miteinander verständigen. Durch diesen Umstand üben sich die Studenten darin, Englisch mit den unterschiedlichsten Akzenten zu verstehen. Sprache wird hier nicht als Ziel eines Lernprozesses, sondern als Werkzeug zur Kommunikation mit Menschen unterschiedlichster Herkunft verstanden. Lucie selbst spricht makelloses Englisch.
Bezüglich des Programms des IPC stehen soziales Lernen und persönliche Erfahrungen im Austausch und engen Zusammenleben mit anderen Kulturen im Mittelpunkt. Durch das Zusammentreffen der Kulturen werden Vorurteile überwunden und die eigene kulturelle Prägung reflektiert. Der Lehrplan bietet Kurse an, die nicht der Vermittlung von Fakten dienen, sondern die persönlichen Geschichten jedes Einzelnen mit einbinden. Die Studenten werden dazu ermutigt, Vorträge über Themenbereiche zu halten, die sie interessieren oder persönlich betreffen. So erhalten globale Themen wie der Klimawandel eine andere Relevanz, wenn ein nicaraguanischer Student über das Artensterben in seiner Heimat berichtet. Neben Themenbereichen lokaler (europäische Kultur, afrikanische Kultur…) und globaler Relevanz (Globalisierung, weltweite Krisen…) stehen musische und kreative Fächer (Theater, Chor…), englischer Sprachunterricht und die Vermittlung von persönlichen und beruflichen Kompetenzen auf dem Lehrplan des IPC. Vielen Studenten fällt es beispielsweise schwer, eine gute Powerpoint Präsentation zu erstellen. Durch die große Anzahl an Vorträgen, die Studenten des IPC über Themengebiete halten, die ihren Interessen entsprechen, lernen sie, überzeugend und souverän vor Gruppen zu sprechen und erwerben die in der beruflichen Laufbahn so wichtige Medienkompetenz. Die zahlreichen Gruppenarbeiten in den Seminaren fördern in besonderem Maße die Sozialkompetenz jedes Einzelnen. Eine Leistungsüberprüfung in Form von Noten oder Klausuren gibt es am IPC nicht.
Die Besucher des IPC haben die unterschiedlichsten Hintergründe. Manche sind 18 oder 19 Jahre alt und haben gerade die Schule beendet, andere haben gerade einen universitären Abschluss erlangt und wollen einige Zeit im Ausland verbringen und wiederum andere studieren am IPC, um aus der alltäglichen Routine auszubrechen. Deutsche Studenten sind am IPC rar. Nur alle zwei Semester studiert ein Deutscher an der dänischen Volkshochschule. Pro Semester leben und studieren etwa 50 bis 60 Menschen aus aller Welt am IPC. Die 24 Wochen im Frühlingssemester oder die 18 Wochen im Herbstsemester kosten zwar den stolzen Preis von 3.700€, sind damit aber auch günstiger als ein vergleichbarer Sprachkurs.


