Sprachen und Familienleben – Demi-Pair in Neuseeland
Palmen statt Problemen, Wellington statt Wilhelmshaven, Ende der Welt statt Ende der Sozialen Marktwirtschaft - es gibt viele Gründe, den deutschen Alltag hinter sich zu lassen und nach Neuseeland zu reisen. Ein weiterer ist die Verknüpfung von Sprachschule und Familienleben als "Demi-Pair". Vormittags wird die Sprachschule besucht, nachmittags kommt das Erlernte in der Gastfamilie sofort zum Einsatz. Wer nicht auf eigene Faust losziehen will, kann auf die Austauschorganisation „Stepin“ zurückgreifen.
Nach dem Abitur soll es erst einmal raus aus Deutschland gehen. Allseits bekannt ist das Leben als Au-Pair-Mädchen oder Junge im Ausland. Man verbringt den Tag in seiner Gastfamilie und übernimmt leichtere Hausarbeiten wie Staub saugen, kochen und die Kinderbetreuung. „Au pair“ ist französisch für „auf Gegenleistung“ und dementsprechend bekommt man als Gegenleistung einen Schlafplatz, etwas zu essen und ein bisschen Taschengeld.
Der Demi-Pair arbeitet nur halbtags in der Familie. Die andere Hälfte verbringt er an Sprachschulen oder an einer Uni. Die Teilnahme an den Sprachkursen ist in diesem Fall nicht nur hilfreich sondern auch verpflichtend. Die Kombination aus dem theoretischen Unterricht und der praktischen Übung der Sprache im Familienleben hat sich als sehr förderlich erwiesen.
Soviel man auch im Voraus plant, die Familie selbst kann man sich nicht aussuchen. Doch die auf stepin.de veröffentlichten Erfahrungen der Stepin-Nutzer zeigen, dass die meisten Glück mit den Menschen hatten. Kerstin Gamm etwa verbrachte ihre Zeit im Nachbarland Australien. „Meine Familie nahm mich herzlich auf, und ich fühlte mich sehr wohl. Für mich stand fest, dass diese Familie ein Volltreffer war!“ Neben den 20 wöchentlichen Arbeitsstunden nahm auch sie an einem Intensiv-Sprachkurs in Sydney teil, der ihr „beim darauf folgenden Sprachstudium gute Dienste geleistet hat.“
Doch auch in Neuseeland trifft man auf sehr gute Demi-Pair-Bedingungen. Neu im Programmaufgebot von „Stepin“ sind Stellen in der Hauptstadt Wellington, die gerade für Reisefreudige eine ideale Lage vorzuweisen hat. Neuseeland besteht aus zwei großen Inseln und Wellington liegt am südlichsten Punkt der Nordinsel. So kann man durchaus einmal übers Wochenende mit der Fähre auf die Südinsel herüberschippern und den „Abel Tasman Nationalpark“ erforschen.
Der Niederländer Abel Tasman war im 17. Jahrhundert der erste Europäer in Neuseeland. Nach ihm sind die Insel Tasmanien und eben der herrliche Nationalpark benannt. Das Bild prägen türkisfarbenes Wasser, Granitklippen und eine große Anzahl seltener Seevögel. Wer den Kauz und den Kuckuck seine Lieblingstiere nennt, kann sich freuen: es gibt hier einen „Kuckuckskauz“! Sehr zu empfehlen ist auch eine Kajak-Tour entlang der Küste am offenen Meer, vielleicht ja sogar mit der gesamten Gastfamilie.
Über die Natur Neuseelands ist schon viel geschrieben worden und man sollte sie am besten gleich selbst erleben. Den ersten Eindruck haben viele durch die „Herr-der-Ringe“-Trilogie bekommen und der Eindruck täuscht beileibe nicht. Die endlosen grünen Wiesen und Felder, die geheimnisvollen Berge, eisige Gletscher und sogar Pfannkuchen! Die „Pancakes“ sind geriffelte Berge im Westen der Südinsel, denen das anbrandende Meer die Form von Hunderten übereinander gelagerten Pfannkuchen gegeben hat.
Natürlich bekommt man bei einem Demi-Pair-Aufenthalt von der Landschaft nicht so viel mit wie etwa bei einem Work & Travel-Jahr. Doch dafür erhält man Einblicke in das Familienleben der Neuseeländer und kann an den Sprachschulen gezielt sein Englisch verbessern. Um sich erfolgreich bewerben können, sollte man allerdings zwei Nachweise über Erfahrung in der Kinderbetreuung vorlegen können. Und wenn dann jemand fragt, wohin es dich nach dem Abi verschlägt, kannst du ganz lässig antworten: „Och, bloß ans Ende der Welt…“
Christoph Schlüter


