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Leben und Studieren in Wales - Ein Erfahrungsbericht

Zwar konnte ich die walisische Sprache auch nach einem Jahr in Wales noch nicht wirklich verstehen, aber warum es trotzdem eine unvergessliche Zeit in einem unglaublich schönen Land war, erfahrt ihr in meinem Erfahrungsbericht...

Leben und Studieren in Wales - Ein Erfahrungsbericht

Bangor - Eine typische Kleinstadt in Nordwales

Für viele Studenten klingt der Gedanke, in eine Kleinstadt in Nordwales mit nur 12.000 Einwohnern zu gehen, nicht allzu verlockend. Für mich war Bangor gerade deshalb reizvoll, weil es nicht in England liegt und dort alles etwas anders und ganz eigen ist. Die Hälfte aller Einwohner sind Studenten und daher ist die Atmosphäre in der kleinen Stadt recht lebhaft und angenehm. Davon habe ich anfangs allerdings nicht viel bemerkt, da ich eine Woche vor der „Fresher´s Week“ (Orientierungswoche) angereist bin. Ich wurde aber gleich von verschiedenen Leuten angesprochen und mir wurde versichert, dass hier in der nächsten Woche, wenn die ganzen Studenten erstmal da wären, das Leben toben würde. Aber bevor die alle kommen sollten, wollte ich erstmal eine Wohnung finden.

Wie man in Wales wohnt

In Bangor gibt es kein eigenes Wohnheim für Erasmusstudenten, also ist die Chance groß, in den Wohnheimen auch auf britische Mitbewohner zu treffen. Die Qualität der Wohnheime ist sehr unterschiedlich: In den älteren teilt man Bad und Küche mit dem ganzen Flur, in den neueren hat jedes Zimmer ein eigenes Bad und die Küchen sind modern eingerichtet. Aber dadurch sind sie auch um einiges teurer. Entscheidet man sich - wie ich - für eine WG, ist das auch kein Problem. WG-Leben wird meist von vielen Studenten ab dem 2. Studienjahr sowie von vielen „Postgraduates“ und „Oversea“ Studenten genutzt. In meiner WG waren wir zu acht. Außer mir wohnten dort noch zwei Iren, eine Waliserin, eine Spanierin und drei Engländer.

Leute kennen lernen

Leute kennen zu lernen, gehört in Bangor zu den leichteren Übungen. Man muss sich nicht einmal die Telefonnummern von allen aufschreiben, denn in dieser Stadt trifft man sich auf jeden Fall wieder. Die ersten Kontakte werden ganz einfach in der „Fresher´s Week“ (Orientierungswoche) geknüpft. Da es viele Informationsveranstaltungen für Erasmusstudenten gibt, trifft man erstmal auf Gleichgesinnte aus Deutschland und anderen europäischen Ländern. Auch Freizeitclubs stellen sich in dieser Woche vor und am ersten Wochenende kann man verschiedene Aktivitäten wie z.B. Kajakfahren, Rudern, Surfen, Schwimmen, Klettern, Basketball spielen etc. ausprobieren. Weiterhin gibt es auch noch Angebote wie Rollenspiel, Film, Fotografie oder auch politische Vereine. Das Partyleben ist wohl kaum mit dem von Hamburg oder anderen Großstädten zu vergleichen. Aber Bangor ist eine Studentenstadt und überall, wo Studenten sind, ist ja bekanntlich auch was los.

Uni Bangor Das Studium in Wales

Das Hauptgebäude der Universität ist umwerfend und wirklich kaum mit deutschen Unigebäuden zu vergleichen: etwas höher in Upper Bangor gelegen, sieht es aus wie eine Burg und wird von vielen Touristen auf den ersten Blick für die Kathedrale gehalten. Auch das Studiensystem ist etwas anders. Man muss sich in der ersten Woche für die Kurse, die man belegen möchte, anmelden. Die sind meist sehr viel kleiner als an deutschen Unis. Im Großen und Ganzen ist die Universität super ausgerüstet und mit der „Library chip card“ kann man sogar 24 Stunden lang die Computerräume benutzen.

Bangor Pier Nicht nur studieren

Es hat sich gelohnt, während des Jahres in Bangor auch viel in die Natur zu fahren. Vor allem die Insel Anglesey, von wo auch Fähren nach Irland fahren, ist sehr schön. Dort gibt es wunderschöne Strände, die zum Spazierengehen einladen. Außerdem gibt es in South Stack im Norden der Insel eine Beobachtungsstation, von wo aus man Papageientaucher und viele andere seltene Seevögel beobachten kann. In den Snowdonia Mountains kann man toll wandern und klettern. Llanberis ist ein Ort mit Bergsportgeschäften, Cafés etc. und von dort gibt es verschiedene Routen auf den Snowdon. Der Ort liegt sehr schön am Rande eines Sees und auch Nicht-Wanderer erhaschen schöne Blicke und können das alte Schieferabbaugebiet oder eine der wenigen übrig gebliebenen walisischen Burgen besichtigen.

Obwohl Bangor ganz anders ist als Hamburg (oder gerade deswegen), hat mir das Jahr unglaublich gut gefallen und ich kann es nur weiterempfehlen. Wenn man erst einmal dort ist, ist alles viel einfacher, als man denkt, und durch die private Atmosphäre lernt man auch schnell nette und vor allem ganz unterschiedliche Menschen kennen.

Von Line Huck

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