Jobs suchen und finden: Stellenmarkt · Stellenangebote Ingenieure · Stellenangebote IT · Arbeiten in England
Benutzerspezifische Werkzeuge
  • Anmelden

Erfahrungsbericht - 10 Monate in Basalt, Colorado

Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten – so kam es mir tatsächlich vor, als ich mein Auslandsjahr in den USA antrat. Alles war neu und unbekannt, ein großes Abenteuer, auf das ich mich schon Monate im Voraus freute.

Blick vom Snowmass Mountain in Aspen, Colorado
Blick vom Snowmass Mountain in Aspen, Colorado

Wochenlang wartete ich darauf, dass endlich die Austauschorganisation anrief und mir mitteilte, dass ich eine Gastfamilie gefunden hatte. Und als die Nachricht dann endlich kam, ging auf einmal alles ganz schnell: ich telefonierte ein paar Mal mit meinen Gasteltern, schrieb ein paar E-Mails, und keine zwei Wochen später reiste ich ab. Die nächsten zehn Monate würde ich in Basalt, Colorado, verbringen. Mit meiner Gastfamilie, den Gasaus, hätte ich es gar nicht besser treffen können und auch von der Umgebung war ich von Anfang an begeistert. Basalt ist zwar nur ein kleiner Ort, aber umgeben von der spektakulären Kulisse der Rocky Mountains und gar nicht weit von dem berühmten Skiort Aspen entfernt. Auch Basalt High School , wo ich für ein Jahr zur Schule gehen sollte, hatte gerade einmal 350 Schüler, jeder kannte jeden. Trotzdem bot die Schule ein Programm, das mich begeisterte: neben den regulären Unterrichtsfächern wie Mathematik oder English wurden auch Kurse wie „Creative Writing“, „River Watch“ (Schwerpunkt Feldbiologie), oder Fotografie angeboten. Dadurch konnte man sich seinen Unterrichtsplan weit mehr nach den persönlichen Vorlieben ausrichten als in Deutschland und so ganz gezielt seine Talente entdecken und ausbauen – und das alles in einer entspannten Atmosphäre mit einem fast freundschaftlichen Schüler-Lehrer-Verhältnis. Außerdem gab es zahlreiche außerschulische Aktivitäten, durch die ich schnell mit anderen Schülern mit gleichen Interessen in Kontakt kam. Beim Softball, in der Theater-Ag, im Trackteam – überall fand ich ganz leicht neue Freunde. Als Gastschülerin war ich natürlich rasch bekannt wie ein bunter Hund, und nicht selten kam es vor, dass Mitschüler, die ich eigentlich gar nicht kannte, mich einfach auf dem Gang ansprachen und mich einluden, ihnen in der Mittagspause Gesellschaft zu leisten oder gemeinsam zum nächsten Football-Spiel zu gehen. Dabei merkte ich auch, dass die US-Amerikaner vollkommen zu unrecht den Ruf besitzen, oberflächlich zu sein. Natürlich begrüßen sie jeden sofort mit einem fröhlichen „How are you?“, ohne dass sie eine detaillierte Beschreibung vom Befinden des Gegenübers hören wollen. Aber in dem Moment, in dem man antwortete „Fine, thanks“ und die höfliche Gegenfrage gestellt hat, hat man trotzdem schon ein Gespräch angefangen, das über „Hallo“ und verlegenes Schweigen hinausgeht. Für mich waren diese anfänglich oberflächlichen Gespräche mehr als einmal der Beginn einer richtigen Freundschaft. Ehe ich mich versah, waren auch schon die ersten fünf Monate vergangen. Es kam mir gleichzeitig so vor, als hätte ich schon mein ganzes Leben in Basalt verbracht und als wäre ich gestern erst angekommen, weil ich in verhältnismäßig kurzer Zeit so viel erlebt hatte. Längst war der Ort für mich zu einem zweiten Zuhause geworden und die Gasaus zu einer zweiten Familie. An Weihnachten besuchten wir Verwandte meiner Gasteltern in Kansas, und so bekam ich die Gelegenheit, auch noch einen ganz anderen Teil des Landes kennenzulernen. Während Colorado tief verschneit war, herrschten dort unten im Flachland fast 20 Grad. Besondere Weihnachststimmung kam dadurch zwar nicht auf, aber dafür lernte ich durch diese Reise etwas über das Entfernungsverständnis der Amerikaner: was in Europa weit weg war, galt hier fast noch als Tagesausflug. Auch sonst reiste ich noch viel mit meiner Gastfamilie umher, allerdings nicht ganz so weite Strecken. Und auch durch den Sport kam ich herum – fast jedes Wochenende fand irgendwo ein Softballspiel oder ein Trackturnier statt, an dem unsere Schule teilnahm. Bei jeder dieser Veranstaltungen war der berühmte „School Spirit“ deutlich zu spüren, wodurch alles gleich noch mehr Spaß machte. Am Ende der Sportsaison war ich richtig traurig darüber, dass ich im nächsten Jahr nicht mehr dabei sein würde. Denn mittlerweile rückte meine Abreise in großen Schritten näher. Prom war vorüber, kurz darauf auch die Graduation-Zeremonie. Ich freute mich darauf, meine Familie und meine Freunde in Deutschland wiederzusehen, aber dennoch fiel mir der Abschied von meiner Gastfamilie schwer – vor allem, weil ich nicht sicher wusste, wann ich sie das nächste Mal besuchen würde. Meine Mutter reiste extra aus Deutschland an, um zu sehen, wo ich ein Jahr lang gelebt hatte und mich abzuholen. Gemeinsam machten wir noch eine Rundreise mit allen Touristenhighlights der USA – vom Grand Canyon bis Las Vegas, von den Niagara Fällen bis New York – bevor es dann endgültig zurück nach Deutschland ging. Die Reise oft anstrengend, aber wunderschön. Insgeamt war das Auslandsjahr für mich eine überaus positive Erfahrung, die ich nicht würde missen wollen. Ich habe noch immer engen Kontakt zu meinen Gasteltern und vielen meiner Freunde in den USA und plane gerade meinen nächsten Besuch in Basalt. Hätte ich noch einmal die Wahl, würde ich mich ohne zu zögern wieder dafür entscheiden.

Artikelaktionen

Sprachreisen 2012

NEU: Den Sprachreisenkatalog 2012 kostenlos bestellen: Sprachreise-Katalog 2012 bestellen
Sprachreise-Katalog kostenlos anfordern.
T5 Jobmessen