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Zwischen Orient und Oxident – Mit Erasmus nach Istanbul

Aylin hat für ein Semester an der Marmara Universität in der Türkei studiert. Was sie so erlebte und weshalb man das Fahrrad in Istanbul besser stehen lassen sollte erzählt sie euch hier.

Zwischen Orient und Oxident – Mit Erasmus nach Istanbul

Im Endeffekt ging alles ganz schnell. Ich habe mich auf eigene Faust um eine Universität gekümmert und die Koordinatorin ausfindig gemacht. Später bin ich dann sowohl in e-mail als auch telefonischem Kontakt mit ihr geblieben. Den Stundenplan musste ich mir vor Ort zusammenstellen, da noch keine Seminare für das Wintersemester 2005/06 ausgeschrieben waren. Eigentlich war alles sehr chaotisch und auf Erasmus-Studenten/Studentinnen war noch keiner vorbereitet oder informiert.

Die Marmara Universität nahm zu der Zeit zum ersten Mal am Erasmus Programm teil, und dementsprechend waren die Vorbereitungen. Das Learning Agreement wurde dann einen Monat später mehr oder weniger zusammengeflickt, da auch keiner so genau wusste, wie das funktionieren und was damit geschehen soll. Hinzu kommt, dass die Fakultät für bildende Künste eine Dame dazu aus erkor sich um mich zu kümmern. Sie war allerdings so gut wie nie da. Ich glaube, das Learning Agreement wurde dann nach Deutschland geschickt.

Zum einen habe ich Auslands-BaföG bekommen und zum anderen einen ERASMUSZuschlag von 80 € im Monat um mir den Aufenthalt zu finanzieren. In der Türkei hat man normalerweise ein Aufenthaltsrecht von drei Monaten. Ein paar der Studierenden dort holten sich aus diesem Grund ein Visum für sechs bis sieben Monate (ich glaube mich daran zu erinnern, dass es um die 50 € gekostet hat).Ich meinerseits bin während der Feiertage nach Griechenland gefahren und habe meine Aufenthaltsgenehmigung so frisch gehalten.

Da ich von anderen Studierenden erfahren hatte, dass die Studentenwohnheime in der Türkei/Istanbul nicht besonders gut dafür aber besonders teuer (250 € pro Person in einem Vier-Mann-Zimmer) sein sollen, machte ich mich nach meiner Ankunft am Istanbuler Flughafen auf die Suche nach einer preisgünstigen Pension. Von dort aus machte ich dann die Universität ausfindig, die zuständige Koordinatorin, meldete mich bei den Sekretariaten und suchte eine kleine Wohnung in der Zeitung, im Internet und an den Schwarzen Brettern der Unis. Nach zwei Wochen fand ich dann schließlich eine Wohnung, in der ich nach drei Monaten mit einer Mitbewohnerin wohnte. Mit dem Einwohnermeldeamt hatte ich gar keinen Kontakt.

Meine Ansprechpartnerinnen waren: a) AAA Koordinatorin Aysu Insel b) Zuständige der Fakultät für bildende Künste Rüchan Sahinoglu/ Cevat Demir Der Campus der Marmara Universität ist eigentlich ganz schön und übersichtlich aufgebaut. Auch Cafeterias, Mensen, Bücher, Leseräume und Computer (Internet) sind vorzufinden. Besonders angenehm ist der Campus für die Geisteswissenschaften.

Ich meinerseits habe an keinr Prüfung teilgenommen, dafür aber zwei Referate gehalten und Projektskizzen abgeben müssen. Die Professoren waren immer freundlich und verständnisvoll auch gegenüber den Studierenden, die kaum oder gar kein Türkisch konnten. Kurse wurden angeboten und waren sogar Pflichtprogramm. Wie das mit den credit points aussah wusste keiner so genau. Teilweise wurden Noten vergeben. Manche nahmen lediglich zur Kenntnis, dass man anwesend war.

Nachdem ich zunächst in einer günstigen Pension wohnte, suchte ich eine kleine Wohnung in der Zeitung, im Internet und an den Schwarzen Brettern der Unis. Nach zwei Wochen fand ich dann schließlich eine Wohnung, in der ich drei Monate später mit einer Freundin aus der Uni wohnte. Viele Erasmusstudierende bildeten Wohngemeinschaften, man wurde per e-mail über Aktivitäten, freie Zimmer, Freizeitgestaltung, universitäre Veranstaltungen usw. informiert und wuchs freundschaftlich zusammen.

Ausgestattet war meine Wohnung nicht (Küche und Bad waren ausgestattet, ein Kühlschrank fehlte allerdings). Beim Schreiner lies ich mir einen Tisch machen und beim Secondhand fand ich große Matratzen für kleines Geld. In einem Kleidergeschäft fragte ich nach alten Kleiderstangen, die ich dann auch bekam.

Istanbul ist teurer als ich mir es je vorgestellt hatte. Studentenrabatte gab es sehr selten oder gar nicht. Die Fortbewegungsmittel dort sind zwar vielfältig und günstig, müssen aber aufgrund der Größe der Stadt mehrmals am genutzt werden. Essen ist in den Uni-Cafeterias und Mensen sehr günstig und auf dem Markt, der mehrfach an verschiedenen Stellen der Stadt öffnet, sind frische Lebensmittel einfach für sehr kleines Geld zu bekommen. Die Mieten sind unverschämt hoch; ich zum Beispiel zahlte für eine 2 Zimmer, 40qm Wohnung (in bescheidenem Zustand) ohne Nebenkosten (kalt) 450 Lira, das sind zu der Zeit ca.300 € gewesen. Mit Heizkosten, Strom, Wasser, Lebensunterhaltungskosten und Materialkosten für die Uni kam ich im Monat auf ca. 600-700 €. Ich musste also auch arbeiten und fand diverse Nebenjobs (die Bezahlung war kläglich).

Fahrradfahren würde ich niemandem in Istanbul empfehlen. Es gibt sogar eine Anekdote über einen Holländer, der sich vorgenommen hatte eine Weltreise mit dem Fahrrad zu unternehmen. Bis Istanbul ist er wohl gekommen und wurde da überfahren. Ich wurde drei Mal von Taxen angefahren bzw. nur „angeschubst“ damit ich mich ein wenig schneller bewege. Das Verkehrsnetz ist katastrophal, aber die öffentlichen Verkehrsmittel wie Dolmus (Mehr- Mann-Taxen), Taxen, Metro, Straßenbahn usw. funktionieren einwandfrei und sind kostengünstig. Für jeden gibt es unzählige Möglichkeiten was das Ausgehen, das Ansehen von Kunst- und Kultur, Ausflugsorte angeht.

Nach ein paar Wochen Einlebezeit habe ich mir dort ein Konto bei der Western Union eröffnen lassen, da diese auch Kontakte nach Deutschland hat. Die Gebühren des deutschen Kontos waren einfach zu hoch, so überwiesen mir meine Eltern monatlich mein Auslands-BaföG auf das Western Union Konto in der Türkei. Der Kontakt zu Deutschland war also ein Muss, war aber auch per Internet (in der Uni oder in zahlreichen Internet-Cafés) und türkischer Handykarte kein Problem.

Versicherungstechnisch war ich obdachlos. Meine Versicherung in Deutschland lief zwar nach wie vor weiter, eine Auslandsversicherung hatte ich allerdings nicht. Nebenjobs sind in Istanbul leicht zu finden, da die Türken aus jeder Banalität einen Job machen. Der Nachteil an diesen einfachen Jobs ist allerdings die miserable Bezahlung. Ich z.B. stand abends am Wochenende vor diversen Clubs und habe die Leute freundlich begrüßt und ihnen „Viel Vergnügen in unserer Lokalität!“ gewünscht.

Sonstige Tipps und Infos findet ihr unter

www.marmara.edu.tr

Kontakt: Sokrates Office Göztepe Campus 34722 Kadiköy/Istanbul/TURKEY Erasmus Koordinator: Prof. Dr. Aysu Insel

Im Endeffekt war es eine tolle Zeit mit vielen Erfahrungen. Ein kleiner Tipp: Wenn einem die Mentalität dort manchmal ZU gelassen vorkommt, cool bleiben. Man gewöhnt sich dran. Denn wenn man sich aufregt, wird man sowieso nicht ernst genommen. Also: Perfektion beiseite schieben.

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