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Ein Praktikum bei Masifunde Patenschaften e.V. in Südafrika

Der 22-jährige Student Volquart Stoy studiert in Tübingen Politikwissenschaft, Neuere und Neueste Geschichte und VWL. Nach seinem 5. Semester zog es ihn in die Ferne. Derzeit macht er ein Praktikum in einem Township in Port Elizabeth, Südafrika. Dort möchte er alles, was er nur aus Büchern kennt, am eigenen Leib erfahren. Was genau seine Aufgaben im Praktikum sind und wie er diese und sein Leben in einer fremden Welt meistert, erzählte er Stellenboersen.de

Volquart mit Kindern, die er im Rahmen seines Praktikums betreut
Volquart mit Kindern, die er im Rahmen seines Praktikums betreut

Ist dies dein erstes Praktikum?

Ich habe bereits ein Praktikum beim SWR Fernsehen in Mainz gemacht, wobei ich auch die Organisation Masifunde kennen gelernt habe, bei der ich nun mein Praktikum in Port Elizabeth absolviere.

Weshalb fiel deine Wahl auf Masifunde?

Ich habe sowieso nach Praktika in Afrika gesucht, da ich ab diesem Sommer in Kapstadt studieren werde und die Zeit davor und danach mit Praktika füllen wollte. Beim SWR in Mainz haben wir damals einen Bericht über Masifunde gemacht. Ich bin beim Interview mit deren Pressesprecher dabei gewesen und fand das Projekt schon damals spannend. Als ich dann nach Praktika gesucht habe, ist es mir gleich wieder eingefallen.

Welches Projekt steht denn hinter Masifunde?

Masifunde ist ein Verein, der von Studenten gegründet wurde und noch immer von ihnen organisiert wird. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, finanziell benachteiligte Kinder in südafrikanischen Townships durch umfassende und zukunftsweisende Bildungsprogramme zu fördern. Zum einen vermittelt der Verein Bildungspatenschaften, die die Programme finanzieren, zum anderen führt er ein außerschulisches Förderprogramm für die Kinder im Township durch.

Wieso ausgerechnet Afrika? Wieso ausgerechnet das Praktikum in einem Armenviertel?

Afrika interessiert mich einfach. Und das Bild, das die meisten Leute in Europa von Afrika haben, ist das eines verlorenen, eines Katastrophenkontinents. Ich meine, wie soll man ein anderes Bild von Afrika bekommen, wenn man die ganzen Bilder von Bürgerkriegen, Hungersnöten, korrupten Eliten usw. sieht? Aber das ist ja nur die eine Seite: Ich wollte sehen, wie die Menschen leben, wie es vor Ort aussieht. Man kann noch soviel lesen, einen Eindruck von der Kultur kann man nur mit eigenen Erfahrungen bekommen. Und deshalb wollte ich auch nicht ein Praktikum in einem Büro in einer Großstadt machen, sondern dahin gehen, wo die Leute leben. Mit all ihren Freuden und Problemen. Dazu ist das Walmer Township wirklich optimal.

Die von Masifunde betreuten Kinder des Walmer Township
Die von Masifunde betreuten Kinder des Walmer Township

Was waren deine Erwartungen?

Ich habe mir absichtlich keine großen Vorstellungen von dem Leben im Township gemacht. Erstens konnte ich, der noch nie in Afrika war, nicht im Entferntesten erahnen, was mich erwartet. Zum Zweiten muss man die Sachen eh so nehmen, wie sie sind und da sind irgendwelche Wunschvorstellungen vielleicht nur hinderlich, das Vorgefundene zu akzeptieren. Ich war einfach auf alles eingestellt.

Wie genau sah deine Bewerbung bei Masifunde aus?

Die Bewerbung bei Masifunde war einfach und unbürokratisch. Das ist der Vorteil bei einem relativ kleinen Verein, es ist einfach persönlich. Ich habe Jonas, dem Vorsitzenden von Masifunde, eine Email geschrieben, dass ich interessiert bin. Daraufhin sollte ich ihnen einfach einen Lebenslauf zu schicken und einmal persönlich vorbeikommen. Nachdem wir dann für ein paar Stunden zusammen gesessen haben, war die Sache schon klar.

Hat Masifunde dir geholfen bei der Organisation, z.B. beim Visumsantrag?

Masifunde hilft einem bei eigentlich allen Problemen, die auftreten. Sofern irgendetwas unklar ist oder man etwas braucht, genügt eine Email oder ein Anruf. Natürlich liegt der größte Teil der Organisation bei einem selbst, aber sofern Probleme da sind, kann man mit Hilfe rechnen.

Wie verlief der Visumsantrag? Welches Visum hast du benötigt?

Das ist eine lange Geschichte: Da ich in Tübingen studiere und dort gemeldet war, musste ich mich für das Visum an das Generalkonsulat in München wenden. Nachdem ich dort meine Praktikums- und Studienbestätigung eingereicht hatte, rief mich eine Frau an, um mir zu sagen, dass ein Visum für Praktikum und Studium zusammen nicht möglich sei. Nachdem ich mich längere Zeit mit verschiedenen Leuten in Verbindung gesetzt hatte, habe ich mich dann entschlossen, nur das Studienvisum zu beantragen und das Praktikum mit einem Touristenvisum zu machen. Das ist möglich, sofern das Praktikum unbezahlt ist – es gilt allerdings nur für drei Monate, dann muss man es verlängern. Leider hat sich das Generalkonsulat daraufhin erstmal ewig nicht gemeldet.

Also bin ich aus Tübingen ohne Visum weg gefahren und habe mich schon mit dem Gedanken vertraut gemacht, ohne Visum, das heißt. nur mit dem Touristenvisum, das man automatisch bei der Einreise bekommt einzureisen und vor Ort irgendwie zu versuchen, meine study permit zu bekommen. Ich habe mich dann umgemeldet, zurück auf den Wohnort meiner Eltern in Schleswig-Holstein. Dort angekommen, habe ich dann noch einmal bei der südafrikanischen Botschaft in Berlin angerufen, die ja nun für mich zuständig waren und die sagten mir, ich solle die Sachen so schnell wie möglich zu ihnen schicken. Das war eine Woche vor meinem Abreisedatum. Also sind mein Vater und ich nach Berlin gefahren und haben die Unterlagen vorbei gebracht. Am Dienstag, den 28.02. haben wir dann das Visum abgeholt - Am 01.03 ging mein Flug. Und: Ich habe in Berlin ein Visum für Praktikum UND Studium bekommen. Was in München scheinbar noch unmöglich war…

Nun bist du also seit gut zwei Monaten in Südafrika. Wo genau lebst du denn dort, und wie sieht dein Leben dort aus?

Seit ich am 1. März in Port Elizabeth angekommen bin, lebe und arbeite ich im Walmer Township. Das ist ein Gebiet in Port Elizabeth, in dem etwa 80.000 Schwarze leben. Die Arbeitslosenrate liegt bei etwa 80 Prozent. Ich selbst wohne und arbeite in Area A, ein Bereich, der sich in den letzten Jahren sehr entwickelt hat, so dass es viele Häuser aus Stein und asphaltierte Straßen gibt. Natürlich sind die Häuser trotzdem nicht so wie in Deutschland, sondern eher kleine Hütten. Sobald man jedoch ein wenig weiterfährt, hört dieses recht gut entwickelte Gebiet auf. Dort gibt es dann teilweise auch kein fließend Wasser, sondern nur zentrale Wasserstellen.

Was sind deine Aufgaben als Praktikant?

Die Arbeit als PraktikantIn ist relativ frei. Wir haben hier vor Ort einen Koordinator, der jedoch nur eine Halbtagsstelle hat. Insofern liegt es an uns, die anfallenden Aufgaben zu regeln. Die Zeit muss man sich daher so einteilen, wie gerade Bedarf da ist. Aber normalerweise beginnt man so um halb 10, macht dann was bis 1 Uhr, und dann noch einmal von 3 bis spätestens 7 Uhr.

Zu den Aufgaben gehört wie gesagt alles, was anfällt. So zum Beispiel das Planen von Aktivitäten, einfach nur Ansprechpartner sein, die Kinder von der Schule abholen oder den Kontakt mit dem Vorstand in Deutschland aufrecht erhalten.

Ist dir schon etwas schlimmes passiert? Was ist dein Eindruck von dem Armenviertel?

Das Walmer Township ist unter den weißen Südafrikanern auch als „Township of Terror“ bekannt. Ohne jemals da gewesen zu sein, stempeln sie es als hoch gefährliche Zone ab. Sicherlich sollte man als Weißer immer aufpassen, aber ich habe mich in der Zeit, in der ich hier bin, noch nie unwohl oder unsicher gefühlt. Man sollte offen sein und die Leute freundlich grüßen, dann wird man auch immer eine freundliche Erwiderung bekommen. Es ist überhaupt kein Problem alleine durch die Straßen zu gehen.

Walmer Township
Walmer Township

Hast du auch schon Gelegenheit gehabt, einen weiteren Teil des Landes zu sehen?

Eine Stunde von PE entfernt liegt der Addo Elephant Park, in dem Elefanten, Büffel, Zebras etc leben. Dort waren wir letztes Wochenende. Ansonsten liegt Port Elizabeth am Indischen Ozean und das Wasser lädt noch zum Baden ein.

Was ist besonders anders als Europa? Was bereitet dir Schwierigkeiten? Kommst du mit dem "nicht-Luxus" klar?

Sicherlich ist das Leben hier nicht so komfortabel, aber ich habe absolut keine Schwierigkeiten mit dem Leben vor Ort. Ich wohne ja nun auch in einem Haus, das relativ gut ausgestattet ist. Wir haben sogar eine Dusche, wenn auch nur eine kalte.

Was gefällt dir besonders gut?

Ich lebe mitten im Walmer Township und man schnappt überall und immer sowohl positive als auch negative Eindrücke von der Kultur und den Leuten hier auf. Das war genau das, was ich mir erhofft hatte und insofern bin ich allein damit zufrieden, hier zu sein. Zudem bringt die Arbeit hier Spaß, weil man viel Freiraum genießt und das Gefühl hat, dass man etwas Sinnvolles macht.

Wie ist das Betriebsklima?

Naja, „Betriebs“klima ist übertrieben. Wir sind alles in allem vielleicht zehn Leute, die hier in irgendeiner Weise in die Arbeit involviert sind. Und der Großteil der Arbeit läuft über uns Praktikanten und unseren Koordinator. Wir verstehen uns alle gut. Die Atmosphäre ist locker und ungezwungen.

Hast du bereits Freunde gefunden?

Freunde im Township unter der einheimischen Bevölkerung zu finden ist etwas schwieriger. Auch wenn das Leben hier kein Problem ist, sollte man darauf achten, mit wem man sich hier herumtreibt. Insofern haben wir hier einen kleinen Kreis von Leuten, mit denen wir viel zu tun haben. Mit anderen Leuten unterhält man sich vielleicht mal, aber mehr auch nicht.

Hast du Heimweh?

Nein, absolut nicht!

Wie lange bist du noch dort, wie lange dauert dein Praktikum?

Mein Praktikum dauert noch bis Mitte Juli, weil dann mein Auslandssemester in Kapstadt anfängt. Insgesamt bleibe ich bis kurz vor Weihnachten in Südafrika.

Ein erstes Fazit?

Wie gesagt: Ich bin mit keinen festen Erwartungen hier hergekommen, aber ich bin rundum zufrieden.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viel Glück und Erfolg für deine Zeit in Südafrika!

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