Sri Lanka: Sportseminar am anderen Ende der Welt
Sportseminar am anderen Ende der Welt: Drei Jahre Blockveranstaltung auf Sri Lanka/ Neuauflage im SS 2006.
Mit einem Lehrauftrag der ganz besonderen Art im Gepäck gehen Studierende des Göttinger Sportinstituts einmal jährlich auf weite Reise. Im Rahmen des Projektes „Sportentwicklung auf Sri Lanka“ gaben sie auch letztes Semester wieder Unterricht in verschiedensten Disziplinen, um ihrer Partner-Fakultät in Peradeniya samt ihrem noch jungen Studiengang „Physical Education“ auf die Beine zu helfen.
Ob Trampolin, Judo oder Schach, in insgesamt acht Sportarten unterrichtete die zehnköpfige Göttinger Gruppe sri lankische Sportstudis, um sie auf ihren zukünftigen Einsatz in Hochschulsport, Schule oder Club vorzubereiten. In dem vierwöchigen englischsprachigen Intensivprogramm, das nach 2003 und 2004 bereits zum dritten Mal stattfand, sollten sich die Teilnehmer nicht nur sportlich betätigen, sondern vor allem mit der Frage beschäftigen, wie sich eine Sportart am besten vermitteln lässt. Am Ende der einmonatigen Ausbildung, die als eine Art Blockveranstaltung den bisher winzigen und lückenhaften Veranstaltungskalender der Sportwissenschaften in Peradeniya ergänzen sollte, erhielten die meisten Sri Lanker ein so genanntes „diploma“ für erfolgreiche Teilnahme.

Doch auch das Team der Göttinger Sportwissenschaftler, das wie schon in den Vorjahren von Dr. Uta Engels und Dr. Matthias Schmole betreut wurde, hatte allen Grund zur Freude: „Für uns war es eine einmalige Gelegenheit, Unterrichtserfahrung zu sammeln und gleichzeitig einer anderen Kultur zu begegnen“, erklärte Leichtathlet Daniel Möllenbeck. Davon, dass es durchaus Kulturunterschiede zu beobachten gab, berichtete Halil Acar: „Kopfschütteln heißt hier nicht ´Nein´, sondern so viel wie ´Ja´ oder ´Okay´. Da kann man schon einmal aneinander vorbeireden“, schmunzelte der Schwimmer. Spätestens bei den Feierlichkeiten am Ende der Lehrveranstaltungen waren aber alle Missverständnisse beseitigt. Denn nach einer kleinen Einführung in Sri Lankas Nationalsport Cricket wurde bei einer Tasse Ceylon-Tee zusammen gesungen und erzählt.

Für Engels und Schmole ist die Arbeit auf der fernen Insel im Indischen Ozean, auf der den beiden mit der Zeit so viele Menschen ans Herz gewachsen sind, noch längst nicht beendet. Die Referentin vom Deutschen Sportbund engagiert sich seit letztem Jahr auch privat mit einer eigenen Hilfsaktion für die Versorgung von Überlebenden der Tsunami-Katastrophe, die Sri Lanka im Dezember 2004 heimgesucht hat. Doch auch Schmole plant längerfristig: „Ziel soll sein, die Errungenschaften der vergangenen Jahre zu stabilisieren und darüber hinaus auszubauen.“ So hat sich im Hochschulsport von Peradeniya außer Trampolinspringen mittlerweile das von Engels eingeführte Aerobic etabliert. Damit neben der positiven Entwicklung im Hochschulsport auch der Studiengang „Physical Education“ weiterhin den Weg aus den „Kinder-Turnschuhen“ findet und möglichst bald eine große Vielfalt an Sportarten anbieten kann, soll im Sommersemester 2006 wieder eine Göttinger Delegation nach Sri Lanka fliegen.
Tobias Becker


