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Erfahrungsbericht Madrid

UNIVERSIDAD REY JUAN CARLOS MADRID Februar bis September 2002 von Julia Zeng

Erfahrungsbericht Madrid

Da du diesen Bericht gerade in der Hand hält, spielst du wahrscheinlich mit dem Gedanken für ein Jahr oder ein Semester in Madrid an der Universidad Rey Juan Carlos zu studieren. Dazu kann ich nur sagen, du wirst es nicht bereuen!!!

Ich selbst habe von Februar bis Juli 2002 für ein Semester an der URJC (Universidad Rey Juan Carlos) studiert und da es mir so gut gefallen hat, habe ich gleich noch ein 3monatiges Praktikum angeschlossen.

Madrid ist meines Erachtens eine bemerkenswerte Stadt, die so viel zu bieten hat, dass man es in 8 Monaten nicht schafft alles zu entdecken!!! Das betrifft zum einen die Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten, ihren Museen, Parks und eindrucksvollen Gebäuden, zum anderen die Madrilenische Küche: von ihren Tapas über die Tortilla bis zur Paella und natürlich darf man das spanische (besonders das Madrilenische) Nachtleben nicht vergessen, u. u. u. Aber zu alldem werde ich im folgenden etwas ausführlicher berichten.

Vicálvaro ist ein sogenanntes „pueblo“ am Rande Madrids das jedoch eingegliedert ist und zur Comunidad de Madrid gehört. In diesem kleinen „Vorort“ befindet sich auch ein Teil der URJC, nämlich der für uns hauptsächlich relevante Campus für Juridicas y Sociales. Die anderen Teile der Universität befinden sich rundherum um Madrid.

An speziellen Sehenswürdigkeiten selbst bietet Vicálvaro eigentlich nichts, außer einem netten kleinen Park, der sich im Sommer gut zum erholen eignet. Aber auch zum joggen ist er sehr schön. Ansonsten gibt es in Vicálvaro ein Freibad sowie ein ganz neues Hallenbad, dass ich selbst noch nicht gesehen habe, aber es soll sehr schön sein. Wem Vicálvaro nicht ausreicht, denn ist man mit der Metro problemlos in 20-25 min im Zentrum Madrids. (dazu später)

Die Uni, wie schon gesagt, heißt Rey Juan Carlos und beherbergt die meisten Erasmus- und auch andere Austauschstudenten.

Das System wird euch anfangs bestimmt sehr überraschen., denn es ist dem deutschen in keiner Weise ähnlich. Die Studenten kennen sich fast alle schon von der Schule und studieren dann in einer Art Klassenverband. Die Veranstaltungen sind dann auch meist nicht sehr voll. Es gibt auch keinen Unterschied zwischen Vorlesungen und Seminaren. Aus diesem Grund, da sich die meisten Studenten schon kennen, ist es selbst für auswärtige Spanier recht schwierig, Kontakte zu Kommilitonen/innen aufzunehmen. Aber davon sollte man sich nicht abschrecken lassen, denn es liegt immer noch an jedem selbst Kontakte zu knüpfen und Leute kennen zu lernen.

 1. Tag an der Universidad Rey Juan Carlos: von ca. 4 Personen sind wir neuen Erasmus Studenten mit freundlichen Worten in Spanisch begrüßt worden. Jedem von uns wurde ein kleines Begrüßungspaket überreicht. Dieses enthielt neben ein paar netten Kleinigkeiten einen Berg von Formularen, die uns von dem spanischen Team ausführlich erklärt wurden. Das Problem war nur, dass ich nichts verstanden habe . Aber falls es euch genauso gehen sollte möchte ich damit nur sagen, dass ist kein Problem. Meistens gibt es Leute, die es verstanden haben (wenigstens zum Teil) und es euch erklären können oder ihr geht mal zu Sabrina (das ist die Erasmus Koordinatorin vom Campus Juridicas y Sciales ) und fragt bei ihr mal nach, notfalls geht das auch in Englisch. Also keine Angst.

Nach diesen ersten Begrüßungsworten und den Formalitäten wurde uns kurz die Uni gezeigt und hinterher sind wir zu einem Kaffee eingeladen worden. In dieser kleinen Runde konnte man sich gleich ein wenig kennen lernen. Leider haben sich da hauptsächlich (aber ich glaube das ist ganz normal) erst einmal sogenannte Ländergrüppchen gebildet. Unter den Austauschstudenten befanden sich Finnen, Italiener, Franzosen, Griechen, Schweizer, Mexikaner und natürlich auch Deutsche, etc.. in den folgenden 2 Wochen werdet ihr jetzt auch einen Sprachkurs besuchen können, der erst seit unserem Semester auch wirklich durchgeführt wird. Darum haben wir auch hart gekämpft.

Bevor die Vorlesungen anfangen, solltet ihr auch schon mal euern Stundenplan zusammenbasteln. Dazu bekommt ihr an dem ersten Tag auch so ein nettes großes Heft, in dem alle Veranstaltungen nach Studienfach und Studienjahr geordnet sind. Das Problem ist, ihr werdet keine Zeiten dazu finden. Hierfür gibt es einige nette Metaplanwände, an denen ihr dann fleißig basteln könnt. Wichtig ist vielleicht noch zu wissen, das alle Veranstaltungen zweimal angeboten werden und zwar als Morgen- und Abendkurse. Das liegt daran, das viele spanische Studenten arbeiten gehen.

Innerhalb der ersten Veranstaltungen solltet ihr euch schon persönlich bei euren jeweiligen Professoren kurz vorstellen. Das ist normal und wird eigentlich auch erwartet. Weiterhin müsst ihr in den ersten Wochen sogenannte fichas ausfüllen und bei jedem Professor abgeben. Die bekommt ihr am Eingang bei dem Pförtner oder den securities. Darauf müsst ihr alle eure bspw. eure Adresse angeben, eure Studienrichtung, ein Passbild, etc. (siehe beigelegte Karte).

Das ist eure Prüfungszulassung und wird eigentlich auch ziemlich ernst genommen. Die spanischen Studenten müssen das genauso machen. In den ersten Veranstaltungen solltet ihr euch auch gleich „Opfer“ suchen, die euch ihre „apuntes“ (Mitschriften) zum kopieren überlassen. Dazu gibt es in der Uni auch einen Copyshop (Reprografía).

Die Bibliothek der Uni ist meiner Meinung nach etwas dürftig ausgestattet, wobei der Lesesaal an sich nicht schlecht ist.

Was gibt es noch...

Ach ja, der PC-Pool (sala informática). Das ist eine Wissenschaft für sich. Es gibt nur wenige Computer und das System ist auch nicht das beste. Anmelden tut ihr euch direkt dort, dann wird euch eine Nummer gegeben, die ihr bei Reservierungen (sehr wichtig!) immer angeben müsst. Ihr könnt einen Platz bis zu maximal 2 Stunden reservieren.

Die Cafeteria ist auch ein beliebter Treffpunkt für alle Studenten. Besonders auch für die Raucher unter euch. Denn wahnsinnig viele Spanier rauchen und nutzen auch jeden Ort und jede Gelegenheit dazu. Für Nichtraucher ist die Cafeteria nicht der beste Aufenthaltsort, aber es gibt den besten „Café con leche“ und die besten „bocadillos“ dort.

Tipp der Redaktion: Hotels in Madrid

Im Hotel zu wohnen ist natürlich keine dauerhafte Lösung - jedoch eine prima Alternative für die erste Zeit. Wer sich lieber seine Wohnung in Madrid vorher angucken möchte, wohnt erst mal eine Woche im Hotel oder einer kleinen Madrider Pension und kann so die gewünschte Wohnung selbst in Augenschein nehmen. Zimmer in Hotels lassen sich problemlos bereits von zu Hause aus buchen. Ein Preisvergleich über das Internet hilft, zu gucken wie teuer die Zimmer im jeweiligen Hotel in Madrid sind. Hauptsache, man hat erst mal ein Dach über dem Kopf, wenn man ankommt. Wenn das Gepäck erst mal sicher im Hotelzimmer verstaut ist, ist die Wohnungssuche viel entspannter.

Wohnen

 S.A.U.V. so nennt sich die nette Wohnungsvermittlung der Uni. Die Meinungen über diese Vermittlung sind sehr gespalten. Worüber sich aber alle einig sind: Es ist zu teuer! Diese Vermittlung befindet sich ganz in Uni-Nähe, genau wie die Wohnungen auch. Im allgemeinen sind die Wohnungen und die Zimmer sehr klein. Sie bestehen meist aus 3 oder 4 Schlafzimmern, einer Küche, Bad und Wohnzimmer. Außerdem verfügen diese Wohnungen über alles. Beispiel: TV, Waschmaschine, Bügelbrett mit –eisen, Toaster, Besteck....

Es gibt da auch bestimmte Vorgaben, die der Vertrag beinhaltet und die der Vermieter auch einhalten muss. Durchschnittlich zahlt man für ein Zimmer ca. 240,-€ + Nebenkosten!!! Problematisch sind die komischen Regeln, die der Vertrag für die Mieter vorsieht. So dürfen bspw. keine Übernachtungsgäste aufgenommen werden etc. Darüber lässt sich dann jedoch meist reden oder man findet eine Möglichkeit dies zu umgehen. Sucht man eine Alternative zu S.A.U.V. oder die Zentrumsnähe, hilft die Zeitung „segundamano“, die täglich erscheint.

Davor möchte ich jedoch auch warnen, denn wenn man der spanischen Sprache nicht wirklich Herr ist, kann es sehr schwierig werden. Besonders auch für männliche Wohnungssuchende. Die Lage hat sich derzeit auch ziemlich verschlechtert, die Preise der Wohnungen im Zentrum sind extrem angestiegen und ein Mangel an netten Wohnmöglichkeiten besteht auch. Interessante und schöne Viertel zum Wohnen sind auf jeden Fall Lavapies, Malasana, Argüelles (allerdings sehr weit entfernt von der Uni). Auch Buenos Aires ist eine schöne Gegend. Aber wie gesagt, für die tägliche Fahrt zur Uni eher stressig. Letztendlich landen aber fast alle ERASMUS Studenten in den S.A.U.V. Wohnungen. (Es besteht auch die Möglichkeit mit Spanisch sprechenden Mitbewohnern zu leben, dies solltet ihr aber ausdrücklich erwähnen, da dies nicht die Regel ist!!!)

Metro

Ich glaube Madrid hat das modernste Metronetz Europas. Jedenfalls ist es wirklich super. Man kommt überall ohne Probleme hin. Es gibt die 10 Fahrten Tickets, die kosten 5 € oder auch Monatstickets. Die lohnen sich aber nur, wenn man ca. 65 Fahrten im Monat hat und darauf kommt man selten. Kostenpunkt: ca. 33 €.

Die einzige unangenehme Sache der Metro ist: nachts ab ca. 1.30 Uhr fährt keine Metro mehr. Ab 6 Uhr läuft dann alles normal. In der Zwischenzeit kann man auf Nachtbusse zurückgreifen (für Vicálvaro ist das die Nr. N7). Die fahren alle halbe Stunde und nur vom Plaza de Cibelles. Ansonsten gibt es noch die Möglichkeit des Taxis. Die kosten ca. 8.50 € bis Vicálvaro, aber wenn man zu viert ist, ist das ok.

Einkaufen

Hier möchte ich euch abraten, die täglichen Einkäufe im Corte Ingles im Keller zu erledigen. Viel zu teuer! Dort ist sowieso alles etwas teurer. Als Supermärkte empfehle ich Lidle, Ahorra Más, Consum, Carrefour...

Nachtleben

Dazu möchte ich einmal sagen: Hier gibt es genug für jeden Geschmack!!!!! Von gemütlichen, ausgeflippten etc. Bars bis hin zu Clubs aller Art. Am Anfang werdet ihr wahrscheinlich, auf welchem Weg auch immer, im Palacio de Gaviria landen. Darüber muss sich jeder sein eigenes Bild machen. Mir hat es bis auf die Location (die spitze ist) absolut nicht gefallen. Aber wie gesagt sollte jeder selbst herausfinden. Aber es gibt wirklich alles!!!

Wichtig zu wissen ist, das in Madrid nichts vor ca. 2 Uhr richtig losgeht und die Nacht nicht vor 6 Uhr früh endet. Am besten ihr beginnt in einer netten Bar oder gebt euch leckeren Tappas hin. Zum Abschluß eignet sich ein kleiner Abstecher in die chocolateria San Ginés (oder einer anderen) für die bekannten churros con chocolate.

Zu der Cocktail, Mixgetränk Mischung in den Clubs oder Bars muss man sagen, dass das Verhältnis aus mind. 2/3 Alkohol und 1/3 was auch immer besteht.

Männer

Dazu nur kurz angemerkt, dass dauernd irgendwer meint, einem irgendwas hinterher rufen zu müssen. Vorsicht blond und blauäugig! (Ich spreche da aus Erfahrung) Nicht aufregen, weitergehen, und irgendwann hat man sich auch daran gewöhnt.

Tappas

Unbedingt probieren!

Reisen

könnt ihr am besten mit dem Bus, denn das ist viel billiger als mit dem Zug und die Busse sind wirklich gute Reisebusse. So bezahlt ihr zum Beispiel nach Santander (in Cantabria,Norden Spaniens) 33 € für die Hin- und Rückfahrt. Die Station für viele nordische Ziele ist Avenida de America. Für die meisten südlichen und östlichen Ziele sind die Stationen der Busse an den Metrostationen Mendez Alvaro und Conde de Casal. Ich persönlich kann euch den Norden nur empfehlen (Asturias, Cantabria, País Vasco, Galicia...)mmmh.....

Allgemeines

Ja, was gibt es noch zu erzählen....? eigentlich ja sooo viel, aber ich werde versuchen, die wichtigsten Dinge herauszupicken.

Vielleicht ist es wichtig, einmal zu erwähnen, dass Spanien und seine Bewohner, wie ihr euch sich denken könnt, worüber ihr euch allerdings auch bewusst sein solltet, total anders ist als Deutschland und seine Bewohner. Im allgemeinen habe ich einen sehr positiven Eindruck von dem spanischen „Völkchen“. Sie sind auf jeden Fall temperamentvoller und übertrumpfen mit großem Abstand den deutschen Lautstärkepegel bei jeglicher Art verbaler Kommunikation.

Allgemeine Treffpunkte sind „el Oso“ oder „abajo de las banderas“ auf dem „Plaza de la puerta del sol“ . Jedoch möchte ich euch auch vor Taschendieben warnen. Ich hatte Glück, mir ist nichts gestohlen worden. Aber ca. 75 % der Erasmusstudenten, die ich kannte, wurde irgendetwas entwendet.

Es gibt noch so viel zu erzählen, aber es ist wirklich nicht möglich dies hier niederzuschreiben. Alles in allem möchte ich nur noch einmal sagen, dass es mir wahnsinnig gut gefallen hat und ich jedem nur empfehlen kann nach Madrid zu gehen. Es ist eine Traumstadt, in der ich bestimmt nicht zum letzten Mal gewesen bin.

Falls ihr irgendwelche Fragen habt, scheut euch nicht mir eine Email zu schreiben:

Julia_zeng@hotmail.com

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