Ein Austauschsemester in Lund
Du überlegst ein Austauschsemester in Lund zu machen, weißt aber noch nicht wie man dort lebt und studiert? Hier findest du spannende Informationen von Jacqueline, die ein halbes Jahr in Lund verbracht hat.
Stipendium
Free Mover und Erasmus sind die ersten Adressen, bei denen du dich um ein Stipendium in Lund bewerben kannst. Erasmus erleichtert dir vieles, doch mit Free Mover kannst du dir Lund als Austauschuni aussuchen, auch wenn sie nicht Partneruniversität deiner Fakultät ist.
Ich war mit Erasmus da, da meine Fakultät glücklicherweise Partnerin mit der dortigen ist.
Nach einer kurzen Bewerbung und Bestätigung, ging es dann zur Auswahl der Kurse ( via Internet), die ich in Lund belegen wollte.
Vorbereitungen
Du musst dir schon um einige Sachen Gedanken machen, die du organisieren musst, doch es hält sich in Grenzen:
Früh genug solltest du dir ein Bahnticket oder Flugticket kaufen. Bei der Deutschen Bahn gibt es zum Beispiel das Dänemark-Spezial-Ticket, mit dem man günstig bis nach Kopenhagen kommt. Von dort ist es nur ein Katzensprung bis nach Lund. Linienbusse sind auch eine Möglichkeit, die man in Betracht ziehen kann.
Wenn du nicht schon einen Wohnheimplatz sicher hast, in dem du schlafen kannst, solltest du dich um eine Bleibe kümmern, in der du vorerst übernachten kannst. Das Train Hostel ist eine relativ günstige Möglichkeit in Lund zu übernachten. Wenn du dein Zelt mitbringst, kannst du damit für den halben Preis vor dem Hostel draußen übernachten und die Duschen u.s.w. benutzen.
Wenn du die Möglichkeit hast dein Fahrrad mitzubringen, dann nutze die Chance! -Vorausgesetzt du willst nicht horrende Preise an die die Verzweiflung der Austauschstudenten ausnutzenden Fahrradhändler in Lund bezahlen möchtest. Ein gutes Schloss ist auch von Vorteil: fast jeder hat dort schon Erfahrungen mit Fahrraddiebstahl gemacht, auch ich.
Beim Equipment ist auch nicht viel zu bedenken: außer Klamotten (Regencape nicht vergessen!), Waschsachen, evtl. Zelt und Schlafsack für Reisen außerhalb von Lund, ist es praktisch, wenn dein Laptop WLAN besitzt, denn ein großer Teil der Innenstadt ist damit ausgestattet.
Wenn du schon weißt welche Bücher du für deine Kurse brauchst, dann kauf´ sie am Besten noch in Deutschland, denn in Schweden sind sie manchmal teurer und die Bibliothekare achten peinlich genau darauf, dass niemand Bücher kopiert.

Wohnen
Fast alle Studenten – auch die schwedischen – leben in Wohnheimen, die bestens ausgestattet sind. Sofern du noch keinen Wohnheimplatz sicher hast, kannst du dich hoffentlich für einen der übrig gebliebenen Plätze am Arrival Day entscheiden.
Meist kann man sich sehr glücklich schätzen, wenn man einen ergattert hat, denn oft sind sie entweder neu oder renoviert, weisen schöne Küchen und kostenlose Waschmaschinen und Trockner (und Trockenschränke!!!) auf.
Falls du keinen mehr bekommen hast, am Besten bei Bopoolen gucken und notfalls in einen kleinen Vorort oder nach Malmö ziehen.

Studieren
In Lund zu studieren ist einfach toll, man kann´s nicht anders sagen. Angefangen bei den freundlichen Dozenten und Professoren, bis über die angenehme und ruhige Vorlesungs- und anregende Seminaratmosphäre und die schönen Unigebäude, macht es ziemlich Spaß in Lund zu studieren. Auch wird es den Studenten wirklich leichter gemacht, in dem überall Computer vorhanden sind, die über Internet verfügen und an denen man kostenlos drucken und kopieren kann.
Allerdings kann man sagen, dass das Klima zwar angenehmer, jedoch gleichzeitig auch mit weniger Druck verbunden ist. Zum Beispiel gibt es oft nur die Note „nicht bestanden“, „bestanden“ und „gut bestanden“, eine genauere Differenzierung fehlt also. Ich habe außerdem noch von Leuten gehört, die die Bachelorarbeit zu zweit geschrieben haben oder dass teilweise die Bachelorarbeit vom Umfang her weitaus kürzer ist als in Deutschland üblich. Das sind natürlich auch Vorteile, aber nicht etwas für jedermann.

Leben
Wenn man nicht von Grund auf von kleinen Städten gelangweilt ist, dann kann man seinen Spaß haben. Hier gleicht das Studentenleben dem in Göttingen überhaupt nicht. Neben den zahlreichen Bars und Cafés – das Ariman in der Nähe des Doms ist sehr zu empfehlen – gibt es viele Veranstaltungen zu denen man gehen und viele Organisationen und Nationen wo man sich engagieren kann.
Utrikespolitiska Föreningen zum Beispiel ist eine Organisation für Internationale Politik, der du beitreten kannst und in der du dich aktiv mit einbringen kannst ohne Schwedisch zu sprechen und die unter anderem jeden Freitag im Café Athen Vorträge über aktuelle politische Themen veranstaltet. Einmal sprach ein Jura-Professor aus Jordanien über „Scharia und Menschenrechte“.
Die Nationen wechseln sich ab mit Mittagessen kochen, organisieren Parties und Kaffeenachmittage...
Aber ansonsten unternimmt man viel mit den anderen Austauschstudenten und reist auch mal in andere Städte und Gegenden.

Finanzen
Das Leben in Lund bzw. Schweden ist leicht bis viel teurer als man es in Deutschland gewohnt ist. Das hängt zum großen Teil davon ab, was für ein Zimmer bzw. Appartement man im Wohnheim bekommen hat, denn hier variieren die Mietpreise zwischen ca. 160 und 390 Euro im monatlich. Wie teuer ein Zimmer ist, ist wiederum abhängig von der Lage (Innenstadt oder etwas außerhalb, wobei es ein richtiges „Außerhalb“ gar nicht gibt, da es von da aus trotzdem nur kurz ist bis in die Innenstadt) und von der Größe des Zimmers. Ob das Gebäude gerade renoviert ist oder nicht, spielt eigentlich keine Rolle, aber keine Angst: Du wirst wahrscheinlich nicht von deiner Bleibe enttäuscht sein! Was natürlich auch teuer ist, ist der Alkohol, den man nur in bestimmten Läden – den sogenannten Systemboulaget“ - kaufen kann. Allerdings ist Bier mit wenig Alkoholgehalt auch in normalen Supermärkten zu erstehen. Wenn man ausgeht, sollte man im Durchschnitt mit fünf Euro pro Bier rechnen.

Sonst sind die Lebensmittel vergleichsweise gleich teuer, wenn man nicht gerade bei ICA einkauft, sondern zum Beispiel bei Netto. Vor allem Obst und Gemüse ist relativ erschwinglich. Wenn man dann zu Käse und Fleisch kommt, wird’s brenzlig. Aber man kann ja auf Fisch abweichen, dessen Sortiment nicht sehr klein ist.
Eindrücke
Ich denke gern an die Zeit in Lund zurück und überlege auch den Master dort zu machen. Die Internationalität und das lockere, fröhliche schwedische Leben hauen einen einfach um – man muss nur die Wintermonate durchstehen.
Von Jacqueline Issa


