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Abenteuertrip auf den Spuren Astrid Lindgrens

Du wolltest schon immer allein mit dem Rucksack durch Russland touren oder eine zeitlang in einem französischen Kloster leben? Wenn du bisher über die vage Vorstellung nicht hinausgekommen bist, weil es beispielsweise am Geld oder der moralischen Unterstützung mangelte, könnte ein Zis-Stipendium genau das richtige für dich sein.

Abenteuertrip auf den Spuren Astrid Lindgrens


Blick vom Königsschloss in Stockholm

Ein anderes Land einmal nicht aus der Touristenperspektive zu sehen, sondern unvoreingenommen in die fremde Kultur einzutauchen, das ist die Grundidee bei der Zis-Stiftung. Die Anwärter auf ein Stipendium müssen zwischen 16 und 20 sein, dürfen noch kein Studium begonnen haben und sollten sich in der Lage fühlen, mindestens vier Wochen lang allein in ihrem Zielland zurechtzukommen. Dort angekommen soll ein Thema erarbeitet werden, zu dem man sich vor der Reise Gedanken gemacht hat und dann vor Ort Recherchen anstellt. Nach der Rückkehr verfassen die erfolgreich Gereisten einen 20-seitigen Bericht zum erforschten Thema und schicken diesen an die Zis-Stiftung. 500 Euro beträgt die gewährte Summe für Hin- und Rückreise, Unterkunft und Verpflegung. Klingt wenig? Dahinter steckt der durchaus sinnvolle Gedanke, dass, wer wenig Geld hat, leichter in Kontakt mit der Landesbevölkerung kommt. Wer knapp bei Kasse ist, kann sich touristische Ausschweifungen nicht leisten, nimmt aber stattdessen gern mal Hilfe an.

Interessierte bewerben sich jeweils bis Mitte Februar eines Jahres schriftlich. In der Bewerbung sollte stehen, wie das Konzept der Reise ungefähr aussehen und zu welchem Thema der anschließende Aufsatz sein soll.

Kirsten und ich

Ich habe mich im Februar 2004 für eine Reise nach Südschweden beworben. Zum einen, weil ich noch nie Gelegenheit hatte, das faszinierende Land im Norden zu bereisen und zum anderen, weil mir dazu spontan ein Thema einfiel. Meine Idee „Nachfolger Astrid Lindgrens-die schwedische Kinderliteratur heute“ fand bei der Jury Anklang. So durfte ich mich im August mit 4500 schwedischen Kronen in der Tasche auf die Reise begeben. Da eine der Zis-Bedingungen lautet, dass das Ziel auf dem Landweg erreicht werden muss, nahm ich die Fähre von Travemünde nach Trelleborg. Trotz aller sorgfältigen Planungen und Vorkehrungen war mein Abenteuerdurst nach den ersten paar Stunden Überfahrt schon weit gedämpfter als noch wenige Tage zuvor. Allein unter zig fröhlichen Familien, mit 20 kg schwerem Rucksack, Zelt und Schlafsack bepackt, nicht wissend, was die zukünftigen 28 Tage für mich bereithielten, kam ich mir mit einem Mal doch sehr verloren vor. Was ich nicht bedacht hatte, war, dass man als einsamer Rucksacktourist offenbar eine Art magische Anziehung auf andere Rucksacktouristen ausübt und so saß ich bald darauf mit Kirsten und Brad aus Hamburg und Canberra an einem Tisch und unterhielt mich wie mit alten Schulfreunden. Deren schwedischer Kumpel, der die beiden am Hafen abholte, fuhr mich dann auch gleich zur Bushaltestelle und erfragte für mich die Buslinie, die ich zur nächsten Jugendherberge nehmen musste. So erging es mir beinahe den gesamten Rest der Reise: Immer wieder traf ich auf freundliche, hilfsbereite Menschen, die mich gerne tatkräftig bei meinem Vorhaben unterstützten. Das krasse Gegenteil also von dem, wovor mich manche meiner Verwandten zu Hause gewarnt hatten:“Pass bloß auf, die Menschen tun manchmal so nett, sind aber im Grunde nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht.“ Natürlich braucht man gefährliche Situationen auf so einer Reise nicht gerade herauszufordern aber ein bisschen Vertrauen in die eigene Menschenkenntnis schadet sicher auch nicht.

Zelt

Auf teure Restaurantmenüs und Hotelzimmer sollte man als Zis-Reisender ein Weile verzichten können. Zeltplätze und billige Jugendherbergen sind allenfalls drin im knappen Budget. Zwar gibt es gerade in Schweden das sogenannte „Jedermannsrecht“, das einem erlaubt, auch in freier Wildbahn allerorts sein Zelt aufzuschlagen. Ich Hasenfuß habe mich da aber doch lieber an Campingplätze oder oft auch das Außengelände von Jugendherbergen gehalten. Als Fortbewegungsmittel sind in Schweden die Reisebusse empfehlenswerter als Züge, da die Fahrpreise meist sehr viel niedriger sind.

In Stockholm habe ich glücklicherweise seit längerem eine Brieffreundin, bei der ich eine Woche lang gratis unterkommen durfte. Unterwegs Freunde zu besuchen und bei ihnen zu wohnen ist nach den Zis-Vorschriften erlaubt und sogar gewünscht. Solange das nicht bedeutet, sich zum Beispiel bei der ehemaligen Gastfamilie vier Wochen einen schönen Lenz zu machen versteht sich.

Ystad

Um Informationen für mein Aufsatzthema zu beschaffen, habe ich in Fußgängerzonen Passanten befragt, den Kinderbuchverlag Rabén&Sjögren in Stockholm besucht und den Autor Per Nilsson interviewt. Mir war unter anderem wichtig zu erfahren, worin die allgemeinen Unterschiede zwischen der Kinderliteratur Schwedens und der anderer Länder bestehen. Ich bin allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass diese heutzutage sehr viel weniger greifbar sind als noch vor 50 Jahren.

Die besten Arbeiten eines Jahrgangs werden mit Geld- und Buchpreisen prämiert. Davon konnte ich zwar keinen ergattern, aber der persönliche Gewinn und die einzigartigen Erfahrungen und Erlebnisse, die einem eine solche Reise beschert, lassen sich in nichts aufwiegen.

Von Julia Frese

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