Erfahrungsbericht Lund
Michael Möller hat vom 08/2004 bis zum 01/2005 an der Lunds Universitet studiert.
Fahrrad
Gutes Rad ist teuer -vor allem in Lund- deswegen empfiehlt es sich auf alle Fälle sein eigenes Fahrrad zu importieren und nach dem Studium in Lund zu verkaufen. Ansonsten ist man auf die vielen Second-Hand-Fahrradhändler angewiesen, die selbst noch für absoluten Schrott horrende Preise verlangen (mein Uralt-Schweden-Bike mit Rücktrittsbremse, ohne Licht und spröden Reifen kostete 750 SEK [1€ entspricht rund 10SEK]). Da in einer freien Marktwirtschaft die Preise über Angebot und Nachfrage geregelt werden und gerade zu Semesterbeginn viele Fahrräder gebraucht werden (ca. 800-1000 Austauschstudenten und tausende neue einheimische Studenten pro Semester) sind gerade in den ersten Wochen Fahrräder Mangelware. Die meisten Händler nehmen die Räder nach einem Semester/Jahr wieder für einen Bruchteil des Kaufpreises zurück . Billige Räder kann man z.B. in Malmö auf öffentlichen Auktionen ersteigern (bei der Polizei nachfragen).
Die Fahrräder müssen mit funktionsfähiger Beleuchtung (hinten & vorne) sowie Speichenreflektoren ausgestattet sein ansonsten werden 700 SEK fällig, die Polizisten haben jede Ausrede schon zigmal gehört und kennen hierbei keine Gnade. Für 20 SEK kann man im Tiger Shop (Botulfsplatsen am Busbahnhof) die billigsten Fahrradlichter in Lund kaufen. Ausserdem ist mindestens ein gutes Fahrradschloss wichtig, da Fahrräder und besonders Vorderreifen in Lund sehr schnell verschwinden.

Wetter
Regenfeste Kleidung ist sehr zu empfehlen. Die Winter in Südschweden sind generell feucht und windig aber nicht so eisig wie in Deutschland (ich erlebte in Lund nur 4 Schneetage, dafür aber den heftigsten Sturm meines Lebens). Zum Fahrradfahren bietet sich ein Poncho an.
Wohnen
Um die Wohnung braucht man sich so gut wie keine Gedanken machen, das International Housing Office vermittelt in 99% der Fälle Wohnungen, wer möchte kann sich auch selbst bei AF Bostädter (www.afb.lu.se) umschauen; der Letter of Acceptance wird dabei vorausgesetzt. Die Bewerbung beim Housing Office erfolgt mit der Bewerbung bei der Uni Lund. Auf Art und Lage der Zimmer kann im voraus leider kein Einfluss genommen werden, jedoch habe ich Glück gehabt. Bei AFB kann man sich Art und Lage der Zimmer im voraus aussuchen, die Zusagen kommen aber relativ spät, weshalb ich mich für das Housing Office entschieden habe, die mir schneller einen Platz angeboten haben.

Ich selbst war in S:t Lars (Haus 83) untergebracht, eine ehemalige Irrenanstalt im Südwesten der Stadt die zu einem Wohnheim umfunktionalisiert wurde. Das Gebäude liegt mitten in einer sehr schönen Parkanlage und ist für sein Alter gut in Schuss, jedoch waren wir dort nicht an das Uni-Netzwerk angebunden (kein Internet!!!), dies sollte aber mittlerweile abgestellt sein. Die Zimmer dort sind zweckmässig möbliert (Stuhl, Hocker, Schreibtisch & Lampe, Bett mit Kissen & Decke, Regal, Pinnwand, Kleiderschrank) und teilweise mit eigenen Waschbecken ausgestattet. Auf einem Gang wohnen bis zu 20 Personen (in einer WG) die sich eine riesige Küche, Ess-, Wohn- und "Spiel"zimmer teilen. Des Weiteren sind pro Gang 2 Waschmaschinen, 2 Wäschetrockner, 4 Duschen und 4 Toiletten vorhanden. Da In S:t Lars fast ausschliesslich Austauschstudenten untergebracht werden ist die Chance gering, dort sein Schwedisch zu verbessern (dafür sein Englisch), jedoch ist die Stimmung nicht zu übertreffen. Diese Multi-Kulti Gemeinschaft würde ich aber für nichts in der Welt eintauschen!!!

Und das weiss ich über ein paar andere Wohnheime zu berichten:
"Delphi" - nur wenige Meter vom Kemicentrum entfernt und damit auch relativ weit von der Stadtmitte; die grösste Wohnanlage (mit eigenem Hallenbad und Supermarkt), sehr schöne Zimmer (WG's und Appartements verfügbar); dort ist immer was los "Sparta" - erinnert etwas an einen Gefängnisbau (wem's gefällt) die Zimmer in den WG's sind aber nicht gerade hässlich, zentral gelegen "Green House" - Diese Unterkunft liegt so weit ausserhalb, dass man mit dem Rad zur nächsten Bushaltestelle fahren muss; sehr schöne Zimmer, kleine übersichtliche WG's mit maximal 6 Personen "Old Firestation" - nicht zu empfehlen, kein Internet, kleine überteuerte Zimmer; jedoch Stadtmitte "Parentesen" - wenn man den Schweden glauben darf, ist es das beliebteste Wohnheim; zentral gelegen; meistens sehr ruhig, aber wenn die Schweden im Innenhof ihre Möbel verbrennen wird's laut und feucht;-) fast ausschliesslich von Schweden belegt; und das Beste: der Uninetzwerkanschluss erlaubt unglaubliche Übertragungsraten: z.B. 750 MB in 2,5 min... "S:t Lars" - Für mich ungeschlagener Favorit trotz fehlender Internetanbindung; dafür massig Platz für alles mögliche, Grillen...; gute Atmosphäre und LEGENDÄRE PARTIES
Anreise
Wer viel Gepäck mitschleppt sollte mit dem eigenen PKW oder mit der Bahn anreisen. Vorteil Auto: man ist flexibel, jedoch ist die Hinfahrt relativ teuer (entweder Fährverbindung Rostock-Trelleborg ca. 100 EUR oder auf der Strasse durch Dänemark mit mautpflichtigen Brücken). Bahn: bei frühzeitiger Buchung kostet eine einfache Fahrt mit dem Interrail Ticket ca. 30 Euro (Sitzplatz, ca. 14 Stunden ab Nürnberg) sonst 110 Euro. Der Flug ist relativ teuer (z.B. München-Kopenhagen mit Maersk Airlines ca. 100 Eur + 12 Eur Transfer nach Lund)

Ankunft
Sehr vorbildlich und stressfrei. Am Bahnhof wird man von Mentoren abgeholt und zum AF Gebäude (Zentralgebäude der Uni) gefahren. Dort gibt man erst das Gepäck ab danach wird man wird durch mehrere Stationen geschleust, wobei man sich endgültig als Student registriert sowie für Sprachprogramme, Ausflüge, und sonstige Aktivitäten einschreibt. Ausserdem unterschreibt man seinen Mietvertrag und bekommt die Wohnungsschlüssel. Das Personal nimmt sich trotz des enormen Andrangs für jede Person genug Zeit um letzte Unklarheiten zu beseitigen. Anschliessend wird man wieder durch die Mentoren zu seiner neuen Wohnung gefahren. Man merkt sofort, das dahinter jahrelange Erfahrung mit dieser Art von Austausch steckt.

Essen und Trinken
Nahrungsmittel, vor allem Fleisch sind zumeist teurer als in Deutschland, Qualität ist vergleichbar. Probleme gibt es mit dem Brot: Neben zig verschiedenen Sorten Knäckebrot in allen Grössen und Formen findet man selten das was man hierzulande als Brot kennt. Wenn man Pech hat, erwischt man stark gesüsstes oder gewürztes Brot. Der Hygienestandard ist sehr hoch, Leitungswasser kann getrost getrunken werden.
Alkoholische Getränke über 3,5 % werden in einem Monopol nur von staatseigenen Geschäften (Systembolaget) vertrieben und sind deshalb sehr teuer (mind. doppelter Preis), jedoch ist in Supermärkten Lättöl (Leichtbier max 3,5 % ) zu sehr günstigen Preisen erhältlich. Ich würde empfehlen sich schon im Vorfeld Gedanken darüber zu machen. Es dürfen pro Person über 100 Liter Bier und 10 Liter Spirituosen über 22% eingeführt werden... Alkoholische Getränke haben aufgrund des Preises einen hohen Stellenwert als Gastgeschenk!
Einkaufen
Supermärkte haben Werktags in der Regel von 9 bis 21 Uhr geöffnet, Ausnahmefälle sogar bis 23 Uhr. Samstags und Sonntags (!!!) haben die Geschäfte verkürzte Öffnungszeiten (10-20 bzw 10-18 Uhr). Studentenfreundliche Preise findet man bei Netto, Willys, Coop. Wer hohe Anforderungen an Qualität und Auswahl stellt, sollte sich in den Saluhallen (Verkaufshalle am Martenstorget) umsehen.

Die Nations
Jeder schwedische Student muss, Austauschstudenten können Mitglied in einer der vielen Nations werden. Eine Nation ist eine Art studentische Verbindung ohne Verpflichtungen. Es werden diverse Freizeitaktivitäten angeboten (verschiedene Sportarten, Photoclub, Tanz, Musik, Club...). Vor allem die Clubnights sind sehr beliebt, da man sich dort gern trifft und die Getränke für Studenten steuerlich begünstigt sind (hört sich komisch an, ist aber so), d.h. ein Bier (0,4) kostet nur ca. 2 bis 3 Eur anstatt 6 Eur. Noch billiger gehts nur mit einer "Britischen Handtasche" (Flasche Wodka im Handtäschchen).

Universität
Die Gebäude der Universität sind über die ganze Stadt verteilt. Eine Mensa wie sie der Bayreuther Student gewöhnt ist existiert nicht, Mittags gibt es aber in vielen Imbissen Spezialpreise (das Essen ist trotzdem nicht billig). Empfehlenswert ist vor allem das Restaurant im Karhuset (ca. 4,5 Euro pro Mittagessen mit Salat und Getränk) neben dem Kemicentrum. Ansonsten kocht man sich ein Mikrowellengericht o.ä. direkt in der Lehrstuhlküche oder schmiert sich ein Smörebröd.
Sprachkenntnisse
Die Schweden sprechen sehr gut Englisch, vereinzelt auch Deutsch. Grund dafür ist vor allem das Fernsehen. Filme und Serien werden fast ausschliesslich im Original mit schwedischen Untertiteln ausgestrahlt. Erasmus-Studenten sollten an den kostenlosen Schwedischkursen zu Beginn des Semesters teilnehmen. Zum Einen stellen sich sehr schnell erste Lernerfolge ein und man trifft viele interessante Leute. Die weiterführenden Kurse der Folksuniversitetet (entspricht der Volkshochschule) kosten nur viel Geld und bringen nichts (zu grosse Kurse und unmotivierte Lehrer). Besser ist es dann sich einen Schweden/-in zu suchen um mit ihm privat zu üben.


