Dudelsäcke und Highlands – Ein Semester Schottland
Franziska erlebte ein Semester an der St Andrews Universität in Schottland und berichtet hier über ihre Erfahrungen und Erlebnisse während dieser Zeit.
Ankommen
Am 20.09.2003 war es dann soweit. Es ging in Richtung St Andews, wo ich die Möglichkeit hatte, für ein Jahr als Erasmus – Studentin an der Universität zu studieren. Wie alle Teilnehmer machte ich mir schon Wochen vor meiner Abreise Sorgen um die Organisation meines Aufenthalts („Papierkram“, Unterkunft, Kurswahl...). Jedoch lief alles reibungslos, da die Universität allen Teilnehmern des Programms die nötigen Unterlagen schon rechtzeitig zusendet. Dennoch ist es hilfreich, noch zusätzlich auf der Homepage der Univerität (http://www.st-andrews.ac.uk) nach Informationen über die Uni und über die jeweiligen Seminare zu suchen.
"Freshers Week"
Die erste Woche vor Uni – Beginn ist die sogenannte freshers week, in der für alle Erstsemester, aber auch für Neuankömmlinge „from abroad“ viele Veranstaltungen, Informationsvorlesungen und Parties organisiert werden. Außerdem findet in dieser Woche auch das Advising für die Kurse statt, bei dem verschiedene Professoren und Dozenten den Studenten bei der Kurswahl helfen und wichtige Tipps geben. Auch die Einschreibung läuft hier wie am Schnürchen, und die vielen Helfer sorgen dafür, dass man gar nichts falsch machen kann.
Das Leben in St Andrews
Wohnen
Die Unterkünfte der Universität sind in verschiedene Preisklassen eingeteilt. Es gibt die teuren, die bis zu 80 Pfund die Woche kosten, aber auch die etwas billigeren mit 40 Pfund pro Woche. Ich wohne in Fife Park, das neben Albany Park das wohl preisgünstigste Wohnheim der Uni ist. Der „Häuserpark“ (ca.50 Häuser) liegt etwas außerhalb der Stadt.
Ich habe mir aber zu Beginn des Jahres ein gebrauchtes Fahrrad für 20 Pfund geleistet, mit dem die Innenstadt in 2 min zu erreichen ist. Außerdem lebe ich mit fünf netten, einheimischen Mädchen zusammen, was für mich heißt: Jeden Tag mein Englisch ausprobieren! Natürlich hängt alles immer von den Mitbewohnern ab. Ich hatte jedenfalls Glück und musste mir in den ersten Wochen keine Sorgen machen Anschluss zu finden.
Kontakte
Leute kennen zu lernen ist in St Andrews sowieso nicht so schwer, da die Stadt relativ klein ist und eigentlich aus der Universität besteht. Außerdem gibt es hier zahlreiche Societies, denen man beitreten kann, und da ist sicher für jeden etwas dabei (Sports Society, Chocolate Society, Theatre Society, Musical Society, European Society, Chess Society, Hiking Society....). Ich selbst bin der German Society beigetreten, die Veranstaltungen wie German lunch, Oktoberfest, Stammtisch, Germany Soc Ball usw. organisiert. Zusätzlich wird in jedem Jahr ein deutsches Theaterstück aufgeführt. Erst Anfang März hatten wir unsere Aufführungen von „Der Hauptmann von Köpenick“ (Carl Zuckmayer). Es hat uns allen (Engländer, Schotten, Finnen und Deutsche...) echt Spaß gemacht, auf der Bühne zu stehen.
Dann gibt es hier noch die Tradition der „Akademischen Familien“. In den ersten Wochen kommt man leicht mit anderen Studenten ins Gespräch, die einem dann möglicherweise anbieten, eine „akademische Familie“ zu gründen. An einem Wochenende im November (Raisin‘ Weekend) steigt dann eine Party im Hause der Eltern und ganz St Andrews ist auf den Füßen. Am Montag darauf ist für alle akademischen Kinder dann eine riesige Rasierschaumschlacht vor der Uni angesagt, in verrückten Kostümen, die vorher von den Eltern sorgfältig ausgesucht wurden. Natürlich muss man bei dem ganzen Spass nicht mitmachen, wenn man nicht will. Ich kann es jedenfalls nur empfehlen, vor allem weil ich jetzt noch mit meinen „Eltern“ in Kontakt bin.
Kosten
Der Lebensunterhalt ist in Großbritannien ja bekanntlich ein bißchen höher und das merkt man auch hier in Schottland. Allerdings ist es durchaus möglich, auch hier die Kosten in Grenzen zu halten. Man muss sich halt ein bißchen einschränken. So ist eben das Studentenleben. Auch Ausgehen ist etwas teurer als in Deutschland, wobei ich davon ausgehe, dass die Preise in deutschen Kneipen denen in den britischen Pubs gleichen. Außerdem kann man sich ja auch einen Job suchen. Ich arbeite im Moment sogar an der Uni, wo oftmals German native speakers gebraucht werden, um Konversations – Kurse anzubieten.
Ich kann von mir also sagen, dass ich es noch keine Minute bereut habe, hier zu sein. Dieses Jahr wird mir auf alle Fälle in guter Erinnerung bleiben.


