Mit LEONARDO nach Schottland
Leonardo ist ein EU-Förderprogramm, das Praktikanten bei ihrem Weg ins Ausland finanziell unterstützt. Der monatliche Förderbetrag kann dabei sehr unterschiedlich ausfallen. Jana Haase studiert an der Martin-Luther-Universität in Halle Biologie. Mit Hilfe des LEONARDO-Stipendiums machte sie von Juli 2006 bis Februar 2007 ein Praktikum im Bereich Mikrobiologie. Stellenboersen.de hat mit Jana über ihr Auslandspraktikum gesprochen:
Du warst die tausendste LEONARDO Stipendiatin. In welchem interessanten Land hast du denn dein Praktikum absolviert?
Ich war für sieben Monate in Schottland (Glasgow). Dort habe ich im Scottish Salmonella Reference Laboratory gearbeitet.
Inwiefern unterstützt LEONARDO Studenten bei ihrem Auslandspraktikum?
Ich habe mich selbst um meinen Praktikumsplatz gekümmert. Allerdings unterstützt LEONARDO Studenten - mit Praktika-Adressen - bei der Suche nach möglichen Stellen. Ich habe monatlich 400 Euro von LEONARDO bekommen. Das hat zumindest meine zusätzlichen Mietkosten gedeckt, die im Ausland recht hoch sein können. Den jeweiligen Stipendiumssatz legt aber selbstverständlich LEONARDO fest.
Weshalb hast du denn dein Praktikum ins Ausland verlagert?
Ich wollte meine Sprachkenntnisse verbessern und gleichzeitig Berufserfahrung sammeln. Ein Semester an einer ausländischen Hochschule zu studieren, kam daher nicht in Frage. Ich wollte ein Praktikum machen.
Warum hast du dich für Schottland entschieden?
Ich fand das Land einfach interessant. Allerdings kann ich jedem nur empfehlen, sich vorher über den Akzent im jeweiligen Land zu informieren. In Schottland spricht man wahrscheinlich das unverständlichste Englisch überhaupt.
Du hast also für mehrere Monate im Scottish Salmonella Reference Laboratory gearbeitet. Mit welchen Aufgaben wurdest du dort betraut?
Ich arbeitete dort an einem speziellen Projekt. Ich habe verschiedene Experimente im Labor durchgeführt und auch größtenteils deren Auswertung übernommen. Durch das Praktikum habe ich eine Menge gelernt.
Ich kann nur jedem empfehlen für mehrere Monate - mindestens sechs - ein Praktikum zu absolvieren. Denn als Praktikant werden einem ganz andere Aufgaben übertragen, wenn man eine längere Zeit im Unternehmen ist. Schließlich braucht man eine Weile, um sich an die Sprache zu gewöhnen. Erst danach verbessern sich die Sprachkenntnisse.
Konntest du denn, trotz des starken schottischen Akzents, deine Englischkenntnisse verbessern?
Ja, auf alle Fälle! Allerdings brauchte ich mehr Zeit, um mich an den Akzent zu gewöhnen. Ich hab am Anfang die meisten Schotten einfach nicht verstanden, aber nach ein paar Wochen hat sich das langsam geändert. Schwierig ist es aber trotzdem.
Also, ich glaube der Lerneffekt wäre in England größer gewesen. Vor allem hätte ich dort dann besser an der Aussprache feilen können. Das fällt nämlich in Schottland unheimlich schwer, weil man diese starken Schwierigkeiten mit dem Verstehen hat - Nachsprechen fällt dann natürlich noch schwerer. Verbessert habe ich mich aber auf alle Fälle. Besonders der Wortschatz vergrößert sich im Ausland sehr schnell.
Haben die sprachlichen Barrieren deine Arbeit im Labor erschwert?
Glücklicherweise waren dort alle sehr freundlich. Die Schotten wissen auch, dass sie schwer zu verstehen sind (sogar für Engländer). Meine Kollegen im Labor haben versucht, sehr langsam mit mir zu sprechen.
Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass die Schotten es fast bewundert haben, dass ich Englisch sprechen kann. Sie lernen zwar auch eine Fremdsprache in der Schule, aber eine andere Sprache wirklich sprechen, können nur die Wenigsten. Ich bin auf sehr viel Verständnis gestoßen.
Inwiefern unterscheidet sich die schottische Arbeitsmentalität von der deutschen?
Das kommt immer auf die jeweilige Firma an. Ich denke, generell ist die Arbeitsatmosphäre in Schottland eher entspannter. Aber ich muss sagen, so viel Arbeitserfahrung habe ich ja nun auch nicht.
Wie hast du in Schottland gewohnt?
Ich habe in einer WG gewohnt. Das kann ich wirklich nur empfehlen, weil man dadurch gleich in Kontakt mit Anderen treten kann. Meine Mitbewohner kamen aus Polen und Pakistan – insgesamt waren wir zu fünft in der WG.
Am Anfang dachte ich, dass es sicher besser wäre, mit englischen Muttersprachlern zusammen zu wohnen. Als ich dann allerdings da war, war es schön, wenigstens Zuhause die Leute verstehen zu können. Außerdem: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Meine Mitbewohner kannten natürlich auch die Verständigungsprobleme mit den Schotten.
Hattest du neben deiner Arbeit im Labor genug Freizeit, um durch Schottland zu reisen?
Ja, hatte ich. Meine Familie und meine Freunde kamen mich sogar in Glasgow besuchen. Da habe ich meist ein verlängertes Wochenende frei bekommen. Wir sind dann rumgereist und haben uns eine Menge abgeguckt.
Welche Bedeutung hat dieses absolvierte Auslandspraktikum für dich?
Während meines Praktikums habe ich viel gelernt und ich bekam auch Aufgaben, die eine große Herausforderung für mich waren. Ich konnte wertvolle Kontakte zu anderen Instituten knüpfen und natürlich habe ich meine Englischkenntnisse stark verbessert. Außerdem habe ich viele nette Menschen kennen gelernt und ich bin selbstbewusster und toleranter geworden. Generell denke ich, dass mich das Praktikum vorangebracht hat. Ich bin offener geworden, weiß nun, was ich an Deutschland schätze. Aber ich habe auch gemerkt, dass es neben Deutschland noch viele andere interessante Länder gibt.
Auf was hast du dich am meisten gefreut, als sich dein Praktikum dem Ende neigte?
Ich glaube, am meisten habe ich das deutsche Brot vermisst.
Welche wertvollen Tipps würdest du zukünftigen Praktikanten geben, die ebenfalls nach Schottland wollen?
Schottland ist ein sehr schönes Land. Besonders die vielen Burgen, in der traumhaften Landschaft Schottlands, sind einmalig. Die Menschen dort sind alle sehr hilfsbereit und offen, allerdings muss man sich ernsthafte Gedanken über den Akzent machen.
Auf jeden Fall denke ich, dass man in Schottland ein bisschen länger braucht, um sich an die Sprache zu gewöhnen.
Einen besonderen Tipp für Schottland habe ich also nicht wirklich. Generell denke ich, dass man in einer WG wohnen sollte. Das ist preisgünstiger und man kommt schnell mit Anderen in Kontak.
Möchtest du noch einmal - im Rahmen des Studiums - ins Ausland?
Durch mein Praktikum konnte ich Kontakte zu einem anderen Institut in England (Cambridge) knüpfen. Dort werde ich jetzt acht Monate meine Diplomarbeit schreiben.
Auch deshalb kann ich ein Auslandspraktikum nur empfehlen. Man weiß nie, was sich daraus ergibt oder wen man trifft. Zumindest wenn die Frage im Raum steht, ob man besser ein Semester im Ausland studieren oder doch lieber ein Praktikum machen sollte, würde ich mich jederzeit wieder für ein Praktikum entscheiden.
Danke für das interessante Interview!
Von Julia von der Heyden


