Erfahrungsbericht Edinburgh
Erasmus-Bericht Edinburgh Stefan Schneiderhan September 2004 – Mai 2005
Bevor ich auf die Einzelheiten meines fast neunmonatigen Aufenthaltes in Edinburgh eingehe, möchte ich zunächst einmal jeden beglückwünschen, der die Chance bekommen hat, seine Erasmus-Zeit in der schottischen Hauptstadt zu verbringen, und jeden ermutigen, der sich für Edinburgh bewerben möchte. Für mich war es eine sehr prägende, abwechslungs- und ereignisreiche Zeit, die Edinburgh zu einem festen Bestandteil in meinem Leben gemacht hat. Als ich im Frühjahr 2004 mit einem Luftsprung auf die Zusage reagierte, wusste ich noch gar nicht genau, was da alles auf mich zukommen würde. Neue Stadt, neue Universität, neue Leute, viel Organisatorisches im Vorfeld etc. Mit diesem Bericht möchte ich einen kleinen Einblick in meine Zeit in Schottland geben, und für künftige „Austausch-Generationen“ ein paar Tipps und Ratschläge loswerden.
Ich studiere an der Universität Augsburg Politikwissenschaft im Magister-Hauptfach sowie Amerikanistik und Kommunikationswissenschaft in den Nebenfächern, und bin im September 2004, nach sechs Semestern und abgelegten Zwischenprüfungen in allen drei Fächern nach Schottland aufgebrochen.
Anreise
Von Süddeutschland aus gibt es dank Ryan-Air und Easyjet mehrere preisgünstige Möglichkeiten, nach Edinburgh zu gelangen. Ryanair fliegt einmal täglich von Friedrichshafen nach London Stansted, dem Dreh- und Angelpunkt für Billigflüge in Großbritannien, Easyjet steuert Stansted von München aus an. Aber auch von jeder anderen deutschen Großstadt kommt man recht einfach nach London. Von dort fliegen fast stündlich Maschinen von Easyjet direkt nach Edinburgh. Aber auch Ryanair von Stansted nach Glasgow Prestwick, eine knappe Stunde von Glasgow und zwei Stunden von Edinburgh entfernt, ist ein gute Option, zumal man mit einem Ryanair-Ticket 50% auf das Zugticket Prestwick-Edinburgh bekommt. Die Glasgow-Option würde ich aber nur empfehlen, wenn sie um einiges günstiger als der Direktflug nach Edinburgh ist. Eine weitere Möglichkeit ist der Flughafen im englischen Newcastle, auch nur anderthalb Zugstunden von Edinburgh entfernt.

Unterkunft und Überleben
Ich habe mir lange überlegt, ob ich das Wohnen in einer „University Accommodation“ empfehlen würde, und bin zu dem Schluss gelangt: Ja.
Wer Erasmus in Großbritannien machen möchte, muss sich im Klaren sein, dass das Leben dort teuerer ist als in Deutschland. Vor allem was Mietpreise angeht, muss man sich auf das Doppelte einstellen. Ein Zimmer in einem Uni-Wohnheim gibt es ab etwa 300 Pfund monatlich (450€), und soweit ich es mitbekommen habe, sind private Unterkünfte auf den ersten Blick zwar billiger, jedoch bieten einem Uni-Wohnheime Telefon auf dem Zimmer, kostenloses Telefonieren in sämtliche Wohnheime der Stadt, Breitband-Internet mit Flatrate auf dem Zimmer, eine Putzfrau (eigentlich überflüssig), sehr guten Service, sollte einmal was in der Wohnung kaputt gehen, und vor allem: keinen Stress bei der Wohnungssuche gleich nach der Ankunft in Edinburgh und garantierte Internationalität. Ich habe mit einem Österreicher, einem Australier, einem Amerikaner sowie einem Franzosen zusammengelebt, eine Kombination, die, wahrscheinlich durch ein glückliches Händchen der Wohnheimsverwaltung, in jeder Hinsicht super gepasst hat und uns zu besten Freunden auch über unsere Erasmus-Zeit hinaus werden ließ.
Ganz wichtig ist die Frage, welche Wohnheime man im Vorfeld auf die Prioritätenliste setzen sollte. Ich habe in Sciennes (sprich: Schiens) gewohnt, was eigentlich nicht schlecht ist, ich aber wegen einiger unglücklicher Umstände nicht mehr wirklich wählen würde – auch wenn unsere WG im Laufe der Monate Kultstatus erlangte. Bis Weihnachten hatten wir drei Wasserrohrbrüche, einen kaputten Kühlschrank und Ofen und viele Kinderkrankheiten zu beklagen. Was für uns allerdings Grund genug für eine Beschwerde war. Letzten Endes wurde jeder von uns dann mit sage und schreibe 300 Pfund bar auf die Hand entschädigt, was natürlich eine ausgiebige WG-Party nach sich zog.
Doch um zur Wohnheimsfrage zurück zu kommen: Alles, was sich am Cowgate, der Edinburgher Partymeile, befindet, sollte gemieden werden: Kincaid’s Court, Robertson’s Close sowie College Wynd. Wenig Gutes habe ich auch über New Arthur Place gehört. Zu empfehlen ist hingegen Darroch Court, das ziemlich neu und gut ausgestattet, allerdings auch ein bisschen teurer ist. Leben lässt es sich, soweit ich es mitbekommen habe, auch in Warrender Park Crescent und Warrender Park Road, und eben: Sciennes.
Wirklich essentiell für studentisches Überleben (vor allem finanziell) ist „The German Embassy“ (Lidl), ziemlich zentral in der Nicholson Street gelegen. Als teurere Alternative gibt es einen Tesco nur ein paar Häuser weiter. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es gut möglich ist, sich neun Monate nur von Lidl zu ernähren. Vor allem was Brot angeht, muss man sich auf Abstriche einstellen, und für seine Küche war Großbritannien ja noch nie berühmt. Für billiges Bier sollte man immer die Augen nach „special deals“ offen halten, vor allem die vielen „Thresher’s“ haben oft ganz ansehnliche Angebote.
University of Edinburgh

Die University of Edinburgh genießt in Großbritannien und Europa einen sehr guten Ruf, Größen wie David Hume, Adam Smith, John Locke oder Charles Darwin zählen zu den berühmten Kindern.
Man merkt recht schnell, dass in Großbritannien Studiengebühren bezahlt werden, da die Seminare wesentlich kleiner sind, die Betreuung der Studenten sehr persönlich verläuft und die Semester stringenter als beispielsweise in Augsburg geplant sind. Die erste Uni-Woche im September, die so genannte „Fresher’s Week“, bietet allerhand Einführungsveranstaltungen, Führungen und vor allem Parties, die allerdings vorrangig für die britischen Erstsemester gedacht sind. Es lohnt sich für Erasmus-Studenten meiner Meinung nach nicht, den recht teuren „Fresher’s Pass“ für die erste Woche zu kaufen. Zu den Veranstaltungen kommt man oft auch kostenlos oder „hintenrum“ rein, notfalls bezahlt man eben für einzelne Dinge ein paar Pfund. Ich würde sowieso empfehlen, in der ersten Woche die Angebote des International Student Centre in Anspruch zu nehmen. Neben einem „International Cafe“ werden Führungen und Hilfestellungen aller Art geboten, und vor allem wird das gegenseitige Kennen lernen groß geschrieben.
Als sehr gute Einrichtung habe ich auch den DOS, den Director of Studies, erfahren. Jeder Student der Universität ist einem Dozenten zur persönlichen Betreuung zugeteilt, den man während der ersten Tage nach dem Einschreiben aufsuchen sollte, um die Kurswahl nochmals durchzusprechen und zu bestätigen. Während des Semesters ist der DOS Ansprechpartner für Probleme aller Art. Zusätzlich zum Registrieren der Kurse mit dem DOS sollte man anfangs allerdings nochmals direkt zu den Sekretariaten der Lehrstühle gehen, um die Kurse gegenzuchecken. Auch kann ich nur empfehlen, schon im Vorfeld von Deutschland aus mit den Lehrstühlen per E-mail Kontakt aufzunehmen.
Während meinen zwei Semestern habe ich insgesamt sechs Honours Courses besucht, vergleichbar mit Hauptseminaren, davon vier in Politik und zwei in amerikanischer Literatur. Mehr als drei Honours Courses pro Semester sind vom Aufwand her gesehen meiner Meinung nach als Austauschstudent nicht zu bewältigen.

Politics
Zum Scheinerwerb generell lässt sich zu Politikwissenschaft sagen, dass während des Semesters ein Essay geschrieben werden muss, im Umfang zwischen 2.000 und 2.500 Wörtern, meist mit vorgegebener Fragestellung, der dann zwischen 20% und 40% in die Gesamtnote einfließt. Am Ende des Semesters, also Dezember bzw. April/Mai findet dann eine zweistündige Klausur statt, bei der es zwei von sechs Fragen in Form eines Essays zu beantworten gilt. Von Kuschelbenotung kann keinesfalls die Rede sein, fair ist sie aber allemal. Die meisten Klausuren, wie auch manche Essays, werden vom Dozenten sowie von Externen korrigiert.
Im ersten Semester habe ich die Third Year Courses „Scottish Government and Politics“ und „International Security“ besucht, im zweiten Semester dann „Common Foreign and Security Policy of the European Union“ und „Comparative Federalism“.
Anfangsschwierigkeiten mit Vorlesungen und Diskussionen auf English sowie mit dem schottischen Akzent konnte ich recht schnell überwinden. Erasmus-Studierende genießen, im Gegensatz zu dem was ich teilweise in Augsburg gesehen habe („Genießt die Zeit, Ihr bekommt Eure Punkte schon“), zum Glück keine Privilegien, sondern werden genauso wie die einheimischen Studenten behandelt, was aber auch heißt, dass man zu Beginn ein bisschen mehr machen und sich einlesen sollte, um auf den entsprechenden Wissensstand zu kommen. Die Seminare bestehen aus 50minütigen Vorlesungen jede Woche mit etwa 40 Studierenden, sowie zusätzlich einem wöchentlichen 50minütigen Tutorium in Kleingruppen von etwa acht bis zehn Studenten, das vor allem zur Vertiefung und Diskussion dient und in dessen Rahmen auch Kurzreferate gehalten werden. Besonders positiv aufgefallen ist mir die hohe Motivation der Dozenten, deren Erreichbarkeit und die sehr persönliche Betreuung.
American Literature
In diesem Fach setzt sich der Scheinerwerb aus anderen Elementen zusammen. Wie auch in Politikwissenschaft, ist in der Mitte des Semesters ein Essay von 2.500 Wörtern zu verfassen, der zu 20% oder 40% in die Gesamtnote einfließt. Je nach Kurs und Fragestellung müssen ein oder zwei Bücher behandelt werden. Da an der Universtiät Edinburgh erst zum Winter 2004 von Tri- auf Semester umgestellt wurde, werden die Exam-Essays, egal ob zu Kursen des ersten oder zweiten Semesters, während der Prüfungsphase im April und Mai geschrieben. Hier sollte ein Essay etwa 3.000 Wörter lang sein, wobei man das Thema freitags per eMail erhält und dann genau eine Woche zum Verfassen Zeit hat. Beim Exam-Essay sollte man sich auf mindestens 3 Romane berufen. Im ersten Semester habe ich den Honours Course „Western Fictions“ belegt. Da nur 12 Studenten den Kurs besuchten, war das Lernklima sehr angenehm und der Lerneffekt sehr hoch. Im zweiten Semester hatte ich mich für „The American Novel 1920-1960“ entschieden.
Die Kurse werden jede Woche zweistündig unterrichtet, wobei noch Kleingruppen eingeteilt werden, die sich wöchentlich eine Stunde ohne Dozent in den so genannten ALGs (Autonomous Learning Group) treffen und dann per Email bzw. im Seminar über die diskutierten Fragestellungen berichten – wie ich finde, eine sehr effiziente und hilfreiche Einrichtung, vor allem für Austauschstudenten. Wie auch in anderen Literaturkursen wird von den Studenten verlangt, jede Woche einen Roman zu lesen, was manchmal ganz schön stressig wenn nicht gar schier unmöglich ist.
Die Universitätsgebäude für Politik und Literatur befinden sich wie die meisten philologischen und philosophischen Fächer zentral am George Square. Die Räume lassen sich recht einfach finden. Über die Bilder der Uni-Homepage bekommt man leicht den Eindruck, in alt-ehrwürdigen Gebäuden des Old College unterrichtet zu werden. Dies bleibt jedoch den Jura-Studenten vorbehalten. Am George Square befinden sich bis auf ein paar Ausnahmen eher Bausünden der jüngeren Vergangenheit.
Stadt und Nachtleben
Schon nach wenigen Stunden in der Stadt wird einem klar, dass die beiden Edinburgher Stadtteile Old Town und New Town verdientermaßen zum UNESCO-Weltkulturerbe gehören. Mich hat die Stadt von der ersten Minute in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Im Vorfeld hatte ich schon viel über die Stadt gehört, dort angekommen übertraf das „Athen des Nordens“, wie Theodor Fontane die schottische Hauptstadt einst beschrieb, meine Erwartungen jedoch um Längen. Um nur eine kleine Auswahl der unzähligen Sehenswürdigkeiten zu nennen:
Old Town mit der Royal Mile, dem Castle, Holyrood Palace, viele viele verwinkelte Gässchen, Victoria Street, und überall beeindruckende alte Gebäude. Außerdem der Arthur Seat, ein 251 Meter hoher Vulkanberg mitten in der Stadt, der einen atemberaubenden Ausblick auf die Stadt, das Meer sowie in die Highlands bietet. Die Salisbury Craigs, unzählige (kostenlose) Museen, und natürlich New Town mit der Princes Street, den Princes Street Gardens und Calton Hill. Bis zum Ende meines Aufenthalts konnte ich immer wieder Neues in der Stadt entdecken, und habe nach fast neun Monaten noch immer nicht alles gesehen, was die Stadt zu bieten hat. Auch was das Nachtleben betrifft kommt jeder auf seine Kosten. Ob richtig urige Pubs mit „Locals“, Bars, jeden Abend Live-Musik, Clubs oder Konzerte – es wird einem schnell klar, dass zwei Semester gar nicht ausreichen, um alle Lokalitäten der Stadt auszukundschaften. Und weil wir ja Gewohnheitsmenschen sind, kristallisieren sich auch nach und nach Favoriten heraus – die aber jeder für sich selbst finden muss. Was Pubs angeht, so haben mir die Malt Shovel, Peartree, Royal Oak und Brass Monkey besonders zugesagt, zu empfehlen sind auch Nicol Edward’s, Finnegan’s Wake und Dropkick Murphys. Wer in Old Town wohnt wird wahrscheinlich auch die Erfahrung machen, dass man abends fast nie in New Town ausgeht, obwohl es auch dort Bars mit sehr schönem Ambiente gibt, z.B. Wetherspoon oder das Royal Cafe.
Auch Konzerte bekannter Bands finden ab und an in Edinburgh statt, auch wenn die ganz großen Namen meistens in Glasgow gastieren.
Reisen in Schottland
Wobei wir beim Reisen durchs Land wären. Zunächst kann ich nur empfehlen, sich samstags den Tagesausflügen des International Student Centre anzuschließen – besonders zu Beginn des Auslandsaufenthaltes lernt man so sehr schnell Leute kennen und bekommt auch einen ersten Eindruck von Schottlands faszinierenden Landschaften. Vor allem im Frühjahr darf man sich allerdings eine bzw. mehrere Wochen in den Highlands nicht entgehen lassen, u.a. die Isle of Skye, Glen Coe oder die Orkney Islands. Die „Borders“, südlich von Edinburgh gelegen, oder Arran Island vor der Westküste lassen sich an einem verlängerten Wochenende erkunden. Aber auch hier gilt: Je nach Gusto und Zeit kommt in Schottland jeder auf seinen Geschmack. Seien es überwältigende Landschaften, Burgen und Schlösser, steinzeitliche Stätten oder lange Sandstrände.
Megabus (www.megabus.com) bietet sehr günstige Tarife, etwa Edinburgh-Glasgow für ein Pfund. Im Angebot sind allerdings nur Verbindungen zwischen den größeren Städten Schottlands, und auch Verbindungen in die großen englischen Städte. Für ausgefallenere Routen sollte man sich an Citylink (www.citylink.co.uk) halten. Auch den Linksverkehr muss man nicht wirklich fürchten, und für ein verlängertes Wochenende kann man nicht allzu teuer mal ein Auto mieten.
Übrigens fliegt Ryan-Air zum Teil für ein Pfund von Edinburgh nach Dublin, so dass sich die einmalige Möglichkeit ergibt, preisgünstig Irland zu erkunden.
Außerhalb der Uni
Natürlich sollte man versuchen, während der Zeit in Edinburgh mitzunehmen, was möglich ist - was ich mir auch zu Herzen genommen habe. Neben Konzerten habe ich als Sportbegeisterter auch einige Fußball- und auch Rugby-Spiele besucht. Was Glasgow für den schottischen Fußball bedeutet, das ist Edinburgh für Rugby mit dem berühmten Tempel, dem Murrayfield-Stadion. Die beiden Edinburgher Fußballclubs bieten zum Teil internationalen Fußball, und die Rugby Six-Nations jedes Frühjahr, eine Art Rugby Europameisterschaft, darf man sich eigentlich nicht entgehen lassen.
Zudem können Austauschstudenten über das „International Office“ Edinburgher Familien kennen lernen. Einfach das Formular ausfüllen, und schon wird man verkuppelt. Ich verbrachte meinen Tag – leider kam es zu keinem weiteren Treffen – bei einer Familie südlich von Edinburgh. Eine sehr schöne Erfahrung, nicht nur wegen des leckeren Essens.
Außerdem ergab sich für mich auf meine Eigeninitiative hin die Möglichkeit eines Praktikums. Von November bis April arbeitete ich einen Tag in der Woche für den Vorsitzenden des „European and External Relation Committee“ im neuen schottischen Parlament – für mich als Politikstudenten mit Schwerpunkt EU natürlich eine super Sache, da ich hautnah an der schottischen Politik teilhaben konnte und nicht nur Recherchen für den Abgeordneten durchführte, sondern auch die Möglichkeit bekam, eine Rede für ihn zu schreiben – und am Ende natürlich ein entsprechendes Praktikumszeugnis erhielt. Gerade außerhalb der Universität bieten sich, nicht nur für Politikstudenten, unzählige Gelegenheiten für Zusatzqualifikationen oder zum Geld verdienen.
Sonstiges
Da sich Schottland, wie eingangs erwähnt, durch hohe Lebenshaltungskosten auszeichnet, sollte man mit monatlich 1.000 Euro rechnen, inklusive Miete. Wer viel von Land und Leuten mitbekommen möchte, muss auf jeden Fall mit dieser Summe kalkulieren. Ich hatte während meiner Zeit in Schottland keine bezahlte Arbeit, die Universität Edinburgh bietet mit ihrem Career Service jedoch eine sehr gute Jobvermittlung an, über die man eigentlich immer etwas finden kann. Und auch Pubs, Bars oder kleinere Geschäfte suchen immer Aushilfen.
Zu Beginn meines Aufenthaltes hatte ich ein Konto bei der Royal Bank of Scotland eröffnet, was jedoch ein ganzes Weilchen dauerte und mit relativ viel Rennerei verbunden war. Allerdings würde ich dies unter der Rubrik „Persönliches Pech“ abhaken, da bei meinen Mitbewohnern alles reibungslos und rasch über die Bühne ging. Allerdings werden bei Überweisungen auf das Konto von Deutschland aus immer sieben Pfund für die Umrechnung berechnet – und ich habe mir sagen lassen, dass die günstigste Möglichkeit ein Konto bei der Deutschen Bank ist, die auch eine Filiale in Edinburgh hat und keine Gebühren für den Kurswechsel anrechnet.
Außerdem lohnt es sich auf jeden Fall, über Hogmanay, die Tage vor Sylvester und Neujahr in der Stadt zu sein, da in Edinburgh Sylvester über vier Tage mit allerlei Konzerten, Straßenfesten, Umzügen und natürlich der Streetparty mit einem einzigartigen Feuerwerk am letzten Tag des Jahres gefeiert wird. Auch andere traditionelle Feste und Veranstaltungen, die in schöner Regelmäßigkeit im Kalender auftauchen, darf man sich eigentlich nicht entgehen lassen. Für Erasmus-Studenten ein bisschen ungünstig liegen die vielen Festivals im August, seien es Buch-, Theater-, Film- oder Musikfestivals, die Edinburgh zu Europas Festivalhauptstadt machen.
Abschließend möchte ich noch anfügen, dass ich nur empfehlen kann, zwei und nicht nur ein Semester nach Edinburgh zu gehen, sofern Studienplanung und Finanzen dies zulassen. Die Zeit bis Weihnachten vergeht viel zu schnell, die beste Zeit war eigentlich die zweite Hälfte, und so richtig „als Schotte“ kann man sich auch erst nach ein paar Monaten fühlen.
Ich wünsche viel Spaß und eine tolle Zeit in einer der faszinierendsten und schönsten Städte Europas. Bei weiteren Fragen stehe ich natürlich gerne zur Verfügung.
Stefan Schneiderhan
Zwerchgasse 16
86150 Augsburg
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Der Originalbericht ist zu finden unter http://www.philhist.uni-augsburg.de/studium/erasmus/erfahrungsberichte_anglistik/edinburgh_04_schneiderhan.html


