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Ein Bären-Abenteuer auf den Kurilen

Ein Auslandsaufenthalt während des Studiums – das verspricht sowohl Spannung und Spaß als auch Horizont- und Wissenserweiterung. Viele Studenten sind allerdings schon mit den Vorbereitungen und auch den organisatorischen Aufgaben vor Ort überfordert. Und das, obwohl einem bei einem schlichten Auslandssemester die Universität die meiste Arbeit abnimmt. Ein Praktikum im Ausland erfordert viel mehr Eigeninitiative, und so bleibt es in der Regel bei einem einzigen derartigen Aufenthalt. Sol Heber stellt diesbezüglich definitiv eine Ausnahme dar. Sie hat im Laufe ihres Studiums der Tropischen Forstwissenschaften bislang fünf Praktika im Ausland absolviert und dabei einige Abenteuer erlebt und viele neue Erfahrungen gesammelt.

Ein Bären-Abenteuer auf den Kurilen

Zu ihrem ersten Auslandsaufenthalt brach die inzwischen 24jährige im August 2003 auf. Der Auslandsaufenthalt wurde Sol zwar im Rahmen ihres Studiums angerechnet, doch zwingend ist eine solche Reise während des Bachelor nicht. „Am Anfang war mir etwas mulmig zumute, da ich wusste, dass es nicht einfach werden würde und ich vorher noch nie Erfahrungen mit „basic travelling“ gemacht hatte,“ erklärte die Studentin lächelnd. Vier Wochen verbrachte Sol im Rahmen eines Geländeschutzpraktikums auf der Insel Kunashir, die zu den Kurilen gehört. Die etwa 1200 km lange, zu Russland gehörige Inselkette mit mehr als 30 großen und kleinen Inseln verbindet wie eine Brücke das russische Kamtschatka mit dem japanischen Hokkaido.

Ziel des Geländepraktikums war es, die russische Form eines Nationalparks (Zapovednik genannt) kennen zu lernen. Kunashir ist bis auf das besiedelte Gebiet im Süden der Insel vollständig geschützt, und so hatten die dort arbeitenden Studenten genug Gelegenheit, sich sowohl mit der Flora als auch mit der Fauna zu beschäftigen. Jeder / jede von ihnen durfte sich bereits vor Antritt des Praktikums ein Thema aussuchen, das in irgendeiner Form mit der Insel zu tun hatte (z.B. die politische Situation, die Geschichte, die vorhandenen Vögel oder Säugetiere, Geologie, Inselbiogeographie, etc.). Während Sol und ihre „Kollegen“ sich auf Wanderschaft befanden wurden immer wieder passende Vorträge gehalten. So hatten die Studenten Gelegenheit, viele Aspekte der Insel kennen zu lernen und sich intensiv mit den eigenen Themen zu beschäftigen.

Zu Sols Aufgabengebiet gehörte das Vorbereiten und Halten eines Vortrags über die Braunbären. Zu diesem Zweck beobachtete sie die Bären über einen längeren Zeitraum. Was sich im ersten Moment gefährlich und angsteinflößend anhören mag stellte sich für die Wahl-Göttingerin als spannendes und faszinierendes Erlebnis dar. „Die Bären hatten kaum Angst vor uns Menschen und waren ziemlich desinteressiert, so dass wir sie aus nächster Nähe beobachten konnten.“ An einem Tag liefen Sol und ihrer Gruppe gleich 14 Bären über den Weg.

Bär

Doch nicht nur die Beobachtung der imposanten Tiere machte der Studentin Spaß. Auch der tägliche Umgang mit interessanten Menschen (Studenten, 12-köpfige Gruppe vom Naturschutzzentrum und 2 Professoren) und die rasanten Fahrten mit Amphibienfahrzeugen über den Strand und durch den Wald wird sie wohl nie vergessen.

Was Unterkunft und Verpflegung angeht, so kann man wohl getrost von dem anfänglich erwähnten „basic travelling“ sprechen. Es gab während der ganzen dreieinhalb Wochen (die restliche halbe Woche war für die Reise veranschlagt) kein fließendes Wasser und keinen Strom. Die Gruppenmitglieder schliefen die meiste Zeit in Zelten, und morgens konnte man sich im eiskalten Fluss waschen. Das Essen wurde zum Grossteil selbst organisiert. So hat Sol beispielsweise mit den anderen zusammen Lachse mit Netzen gefangen und Seetang aus dem Meer gefischt, um daraus Salat zu machen. Zudem haben die Ranger vor Ort fast täglich Garnelen und ähnliches von lokalen Fischern besorgt.

Und wie sieht Sol im Nachhinein ihre ungewöhnliche Reise zu den Kurilen? „Ich fand es großartig! Hauptsächlich wegen der unberührten Natur, dem Abenteuer und der Bären. Lernen konnte man auch so einiges. Allerdings war der Aufenthalt doch recht teuer - im Ganzen etwa 2000 €. Was mich am meisten gestört hat, war, dass wir manchmal wie eine Schulklasse behandelt wurden. Trotzdem eine tolle Erfahrung, die ich nicht missen möchte.“

Von Anika Möbus

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