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Saskia in Rumänien 2006 - Teil 7: Das Ende ist nahe

Das Praktikum in Rumänien neigt sich langsam dem Ende zu und Saskis zieht Bilanz über ihre Zeit bei der Stiftung. Das Land verlässt sie deshalb aber noch nicht, es gibt noch so viel zu entdecken...

Saskia in Rumänien 2006 - Teil 7: Das Ende ist nahe

Es ist Zeit

Erneut ist mit Fronleichnam ein Feiertag völlig unbemerkt an mir vorüber gegangen. Völlig? Nein! Eine kleine Website hält dem tapfer stand und macht deutlich, dass dieser 15. kein normaler Tag war: die Seite der ZEIT. Denn dort lese ich seit Jahren schon jeden Donnerstag online die neuen Stellenanzeigen, die diese Woche aufgrund des Feiertages einen Tag eher erschienen. Früher tat ich dies aus Neugier, um zu schauen, was es auf dem Markt so gibt; heute aus der Notwendigkeit, dabei vielleicht den einen oder anderen Geistesblitz für eine berufliche Laufbahn zu finden.

Los...

Denn mit dem heutigen Tag, in ziemlich genau 2 Stunden, bin ich nicht nur eine joblose Akademikerin, sondern darüber hinaus eine arbeitssuchende, praktikumslose Akademikerin. Heute ist mein letzter Tag, und dem Ende sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen. Es war eine gute Zeit in der Stiftung, ich habe erstmals direkt politisch gearbeitet, mich mit Fragen von Mediendemokratie und Pressefreiheit beschäftigt, in einem Raum mit Abgeordenten des Europaparlaments und rumaenischen Ministern gesessen sowie im Hilton zu Abend gegessen. Meinen Ausstand im Büro habe ich schon gegeben, und auch ohne Zeugnis habe ich bereits ein überaus nettes und uneingeschränkt positives, aufbauendes Feedback über meine Eignung und meine Person erhalten. In Zeiten wie diesen, wo man sich als AbsolventIn manchmal fragt, warum man sich durch Jahre des Studiums, der Mehrfachbelastung und des Darbens gequält hat, nur um hartzierend dahin zu vegetieren, in diesen Zeiten ist jede Rückmeldung seitens Personalverantwortlicher und potenzieller Arbeitgeber hilfreich, die - wie in meinem Fall netterweise geschehen - eine glorreiche Zukunft prophezeiht.

...lassen

So blicke ich denn meinem Urlaub, der mit der Ankunft meines Herzblattes heute Abend beginnt, deutlich gelassener entgegen als noch vor wenigen Tagen. Gespräche mit Kollegen haben gezeigt, dass - und dies mag durchaus eine rumänische Eigenschaft sein - man die Dinge manchmal einfach auf sich zukommen lassen muss. Man kann nicht alles planen, nicht alles kontrollieren und im Griff haben. Dies ist eine wichtige Lektion, die ich in Ansätzen gelernt, vollständig begriffen und längst nicht verinnerlicht habe. Aber das kann ja noch kommen.

"La revedere" heisst "Auf Wiedersehen"

Dem Hostel adieu zu sagen, wird mir irgendwie schwer fallen. Wer weiss, wann und ob ich jemals wieder die Gelegenheit haben werde, so vielen bunten Menschen auf einem Haufen zu begegnen: dem Redakteur vom Wall Street Journal, dem niederländischen Naturschutzgebiet-Diplomanden, der New Yorker Videokünstlerin auf ihrem Weg zu ihrer Ausstellung in Nord-Rumänien, den rumänisch-stämmigen Zwillingen zu Besuch in der alten Heimat, dem Lonely Planet-Robert, der verrückten Koreanerin, den saufenden und ****enden Briten, den Wasserkocher mit sich führenden Polen? Es dürfte schwer werden, allein aus journalistisch-soziologischer Sicht, eine derartige Vielfalt so hochkonzentriert anderenorts aufzufinden.

Geld ist nicht alles

Es hat sich in dieser Zeit einmal mehr das bewiesen, was auch Jay, 30jähriger Australier und Hostelbewohner, gestern bestätigte. Er findet, wenn man sich ein wenig öffnet und unvoreingenommen an Menschen herangeht, stellt man fest, dass wirklich jeder eine spannende Geschichte zu erzählen hat. Die Person mag das noch nicht bemerkt haben oder nicht für möglich halten, aber jeder Mensch hat ein bemerkenswertes Hobby, eine seltsame Marotte, einen interessanten Beruf oder sonstige Besonderheiten aufzuweisen. Jay muss es ja wissen: er hat gerade nach 8 Jahren seinen Redakteursposten bei einer australischen Tageszeitung an den vielzitierten Nagel gehängt, um in Rumänien und anderen osteuropäischen Ländern eine grossangelegte Recherche zu betreiben. Ziel: ein Buch zu schreiben über den Vergleich zwischen Roma-Musik und Klezmer. Er ist Jude, das liegt für ihn nahe.

Reise

Die kommenden 2 Wochen werden mich in so unterschiedliche Gegenden führen wie Transylvanien (falls Ihr bis Mitte Juli nichts mehr von mir gehört habt, könnt Ihr mich aus Euren Adressbüchern streichen. Dann trägt meine von Vampiren ausgesaugte, leere und vertrocknete Hülle in den Karpathen herumliegend zur Umweltverschmutzung bei), das Donaudelta (Tausende verzweigter Flussläufe, Ruderboote und Millionen Vögel), die Schwarzmeerküste (Sonnenbaden, Schwimmen, Strandpromenaden, Schnorcheln und Ausflüge zu kleinen Inseln) und nach Istanbul (Hagia Sofia, Bazare, Moscheen). Von dort geht die Reise zurück nach Goettingen - über einen Direktflug nach Hamburg.

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