Den Feierabend bei einem Wein auf dem Praca do Peixe genießen – Studieren in Aveiro
Iris studierte für ein Semester an der Universidade de Aveiro Angewandte Literatur und Kulturwissenschaften. Ihre Eindrücke schildert sie in ihrem Erfahrungsbericht und gibt einige hilfreiche Tipps für den Aufenthalt in Portugal.
Vorbereitungen
Bewerbung und Einschreibung
Ich glaube ich habe mich so ziemlich ein Jahr bevor es los ging beworben und das ist reichlich genug. Ich habe nur den letter of motivation geschrieben und das meiste andere hab ich mit meiner Koordinatorin gemacht. Es gab noch ein paar Zettel auszufüllen etc. Das wichtigste ist das Learning Agreement. Die Kurse, die ich in Aveiro besuchen wollte habe ich mir auf der Website zusammengesucht, da die ECTS Punkte meistens angegeben sind ist das kein Problem. Die Kurse lassen sich aber auch jederzeit noch mal ändern, wenn man dann tatsächlich in Aveiro ist.
Finanzierung und Dokumente
Ich habe nur das Erasmus-Stipendium gehabt, das waren 100 Euro im Monat, plus Studiengebühren. Alles was man braucht ist ein Personalausweis. Sehr sinnvoll ist jedoch, auch wenn man privat versichert ist, eine Europäische Krankenversicherungskarte zu haben, das erspart so einige Probleme, wenn man mal zum Arzt, oder ins Krankenhaus muss.
Sprachkurs
Ich habe vorher gar keinen portugiesisch Sprachkurs gemacht. Der Sprachkurs an der Uni hat 4 Wochen nach Semesterbeginn angefangen und war auch relativ gut. Vor allem sehr unterhaltsam, weil die ganzen Erasmus Studenten teilnehmen. Wenn man sich darum kümmert, kann man aber auch vorher noch einen Intensivkurs in Aveiro vor Ort machen. Dahab ich allerdings keine näheren Informationen zu.
Vor Ort
Ankunft
Man kann entweder in Porto oder Lissabon landen, Porto ist etwas komfortabler, aber auch von Lissabon fährt ein Zug nach Aveiro. Ansonsten ist der erste Anlaufpunkt da International Office an der Universität. Dort wurde ich sehr freundlich empfangen und mir wurde direkt ein „Buddy“ zur Seite gestellt, der mich dann geholfen hat eine Wohnung zu finden und auch sämtliche andere Fragen und Probleme gelöst hat.
Campus
Im International Office wird einem immer geholfen. Außerdem hat man einen Koordinator, der natürlich Englisch spricht und einem hilft den Stundenplan zusammenzustellen, für Prüfungen anzumelden, ECTS-Fragen klärt etc.. Die Mensa an der Universität bietet jeden Tag für 1,90 Euro ein komplettes Mittagessen an, inklusive Suppe, Brötchen, Hauptgang (entweder Fisch oder Fleisch, mit Kohlenhydraten und Gemüse), Nachtisch, soviel Salat wie man gerne hätte und soviel zu Trinken wie man gerne hätte. Das Essen ist nicht die beste Qualität, öfters etwas kalt, dafür reichlich.
Die Bibliothek befindet sich ebenfalls auf dem Campus. Direkt zu Beginn bekommt man im International Office einen Barcode, damit kann man Bücher ausleihen, aber nicht mehr als drei Bücher auf einmal und nicht länger als 10 Tage. Die meisten Studenten arbeiten in der Bibliothek und leihen die Bücher nicht aus.
Vorlesungen
Alle meine Kurse waren auf Englisch und es wurde tatsächlich nur Englisch gesprochen. Normalerweise muss man am Ende ein final exam schreiben, bei manchen Kursen gibt es aber auch hin und wieder zwischendurch einen Test, sodass das final exam wegfällt. Das Niveau ist etwas schwierig zu beschreiben. Ich hatte einige Kurse in denen ich mich unterfordert fühlte, andere behandelten aber wiederum Shakespeare. Also von jedem etwas.
Wohnen und Leben in Aveiro
Normalerweise sollen die Erasmusstudenten in Aveiro in den Studentenwohnheimen wohnen, die waren aber dieses Jahr alle voll also mussten wir auf Wohnungssuche gehen. Mit Hilfe des „Buddys“ war das aber kein Problem, ich habe schnell eine Wohnung gefunden und auch schnell Mitbewohner (einfach andere Erasmusstudenten ansprechen, die haben ja auch alle gesucht). Ich habe 125 Euro Miete plus Nebenkosten bezahlt und habe in einer vierer WG gewohnt. Die Wohnungen haben normalerweise keine Heizung, sind aber möbliert. Zu Beginn des Semesters war das Angebot an Wohnungen ziemlich groß.
Unterhaltskosten
Die Lebenskosten in Aveiro sind ein bisschen geringer als in Deutschland, aber nicht viel. Lebensmittel sind ähnlich teuer, das einzige was tatsächlich preiswert ist, ist abends weggehen, da kostet das Bier zwischen 50 Cent und 1 Euro, eine Cola 1 Euro und ein Wein 1,30 Euro. Ich hatte hier im Monat ca. 550 Euro zur Verfügung, für alles, das heißt Miete, Nebenkosten, Lebensmittel, Ausflüge, Kleidung etc., das hat gereicht, am Ende des Monats war das Geld aber auch alle. Zug fahren ist vergleichsweise preiswert in Portugal, das heißt man kann öfters mal einen Ausflug machen. Das International Office bietet auch einmal im Monat einen Ausflug an, z.B. Lissabon, Porto, Serra de Estrella. Kino ist auch relativ preiswert, 4 Euro und die Filme sind immer in Originalversion mit portugiesischem Untertitel.
Öffentliche Verkehrsmittel
Es ist sehr komfortabel, wenn man ein Auto hat, es ist aber absolut nicht notwendig. Aveiro ist ziemlich klein und man kann bequem überall hin laufen (auch wenn man sich daran am Anfang erst gewöhnen muss). Der Zug nach Porto kostet 1,95 Euro und fährt eine Stunde, wenn man da mal hin möchte. Der preiswerteste Zug nach Lissabon kostet 16 Euro und fährt 2,40 Stunden, also auch kein Problem. In Aveiro gibt es zudem die so genannten „Bugas“, das sind Fahrräder, die man sich gegen Vorlage eines Dokumentes leihen kann.
Sport
Wenn man in Aveiro Sport machen möchte muss man den Uni-Arzt aufsuchen, der muss einem dann ein Dokument ausstellen, das man Sport machen kann. Da aber jeder Student da hin muss und es nur einen Arzt gibt, ist es sehr schwierig einen Termin zu bekommen. Ich war zum Beispiel Anfang September da und der nächste Termin wäre Mitte November gewesen. Die Uni bietet verschiedene Sportangebote an, manche kosten allerdings extra. Auch wenn man in das Schwimmbad in Aveiro möchte braucht man dieses Dokument, das einzige, was man ohne das Dokument machen kann, ist joggen im Park.
Nachtleben und Kultur
In Aveiro gibt es den so genannten Praca do Peixe (Fischmarkt). Dort spielt sich das gesamte Nachtleben ab. Vor 23 Uhr gehen die Portugiesen nie raus, ab 23 Uhr ist der Platz allerdings, besonders bei schönem Wetter, sehr voll. Es gibt viele verschiedene Bars, preiswerte Getränke und man trifft viele Leute. Die meisten Bars schließen allerdings um 2 Uhr morgens. Zudem gibt es zwei Diskos. In Aveiro gibt es eine Shoppingmall mit vielen Geschäften, die alle bis 23 Uhr abends geöffnet haben. Des Weiteren gibt es den Jumbo, einen großen Supermarkt mit allem wasdas Herz begehrt.
Sonstiges
Ich habe ganz normal mit meiner deutschen EC-Karte gewirtschaftet. Da ich privat versichert bin habe ich keine zusätzliche Auslandsversicherung gebraucht. Das einzige was ich mir gekauft habe war eine portugiesische Prepaid-Karte für mein Handy. Ein Vertrag abschließen für 4 Monate macht ja keinen Sinn, das telefonieren mit dem Handy ist sehr preiswert in Portugal, eine sms hat 6 Cent gekostet und eine Minute telefonieren (innerhalb Portugals) 12 Cent. Internet haben wir uns in der WG eingerichtet.


