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Erfahrungsbericht Lissabon 2000/2001

Michael Janßen hat ein Erasmusjahr an der Universidade Nova de Lisboa studiert.

Erfahrungsbericht Lissabon 2000/2001

Zum Ende meines Hauptstudiums wollte ich die Gelegenheit finden, mal über den Bonner Tellerrand hinauszuschauen. Über Portugal als Studienort hatte ich zwar vorher nie nachgedacht, aber das Angebot der dortigen Uni und die Aussicht auf Sonne und Meer fand ich dann so attraktiv, dass ich mich für ein Erasmusjahr an der Universidade Nova de Lisboa beworben habe. Glücklicherweise bekam ich auch einen der beiden Plätze und konnte mit den Vorbereitungen beginnen.

Zuerst stand da die Sprache im Vordergrund: Sehr zu empfehlen ist der Portugiesisch Sprachkurs im Rahmen des Studium Universale bei Herrn Piranha. Der ist zwar Brasilianer, gibt sich aber im Rahmen der beiden Doppelstunden Mühe auch auf die Unterschiede zum eigentlichen Portugiesisch einzugehen. Zusätzlich wird eine nützliche Sitzung im Sprachlabor angeboten. Wem das nicht reicht, kann vor dem Beginn des Semesters in Lissabon selbst in der Cidade Universitaria täglich zum Sprachkurs gehen, allerdings muß der über ein Sprachstipendium oder privat finanziert werden.

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Mitte August 2000 ging es dann endlich los. Anders als die meisten anderen Erasmus Studenten sind Frank, der zweite Bonner, und ich mit dem Auto nach Portugal gekommen. Mit 8 Tagen haben wir uns reichlich Zeit für die Fahrt gelassen, eine Menge gesehen und auch überhaupt erstmal ein Gefühl für die Entfernung bekommen. In Lissabon braucht man dann den Wagen nicht unbedingt, weil Bus- und U-bahn-Netze sehr gut ausgebaut und Taxis ansonsten relativ billig sind. Für Fahrten aus Lissabon heraus zu abgelegeneren Stränden, kleineren Städten, etc. ist ein Auto wiederum sehr hilfreich, außerdem muß man das Jahr nicht mit den paar zulässigen Kilos Fluggepäck bestreiten. Die Ankunft über die beeindruckende Brücke in die Stadt hinein nahm die letzten Bedenken.

Glücklicherweise hatten wir die Zimmer von unseren Vorgängern übernommen und damit, anders als viele Andere, keine Sorgen mit der Wohnungssuche. So konnten wir dann ganz entspannt Stadt und Leute, die langsam ankommenden anderen Erasmus Studenten und vor allem das wirklich außergewöhnlich gute Nachtleben kennenlernen.

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Billig ist Lissabon allerdings nicht, die Lebenshaltungskosten allgemein liegen sogar knapp über denen von Köln. Dafür hat die Stadt jede Menge zu bieten! Von der Meeresmündung des Tejo-Flusses aus erstreckt sich die Stadt über zahlreiche Hügel. Von den vielen Aussichtspunkten sieht man hinab auf die vielen prächtigen Häuser und Paläste, die besonders bei Nacht aufwendig beleuchtet von der Geschichte der einst reichen Seefahrernation erzählen. Besonders beliebt ist der Aussichtspunkt St. Katharina, wo man einen großartigen Blick auf die Brücke des 25. April und die Statur des Christo Rei hat. Hier treffen sich vor allem während der Sommermonate jeden Abend viele Leute erstmal zu einem günstigen Bier um dann gemeinsam weiterzuziehen. Alternativen dafür sind zum Beispiel die Kneipen im Bairro Alto, die vielen extravaganten Discos und Clubs in den alten Hafendocks oder die Bars auf dem Gelände der Expo ´98. Tagsüber ist Sonnen oder Surfen an den Stränden bei Lissabon das perfekte Programm. Gut auch mit Zug oder Bus zu erreichen ist der Stadtstrand im vornehmen Estoril oder der kilometerlange, breite Sandstrand an der Costa de Caparica. Nimmt man sich ein paar Tage Zeit, lohnt sich auch eine Fahrt an die Algarve.

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Will man die Kultur nicht zu kurz kommen lassen, sind in und um Lissabon herum zahlreiche eindrucksvolle Bauwerke zu besichtigen wie die Königspaläste in Sintra und Mafra, es gibt allerhand Museen und vor allem während des Festivals im Juni täglich Gratiskonzerte aller Art. Sehr zu empfehlen ist auch ein Trip nach Porto inklusive einer Portweinprobe oder in die Studentenstadt Coimbra während des Abschlussfestes.

Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Nova in Lissabon ist recht zentral in einem schönen Gebäude untergebracht und sehr gut ausgestattet. Insgesamt haben in den beiden Semestern dort über 70 Erasmus Studenten aus fast allen europäischen Ländern studiert, auf die die Fakultät gut eingestellt ist. So könnte man den Unialltag auch problemlos auf Englisch meistern, da neben den Vorlesungen, die ausschließlich auf Portugiesisch gehalten werden, es eine ausreichende Auswahl von Kursen gibt, die auf Wunsch auf Englisch gehalten werden. Trotzdem organisiert die Nova eigene Sprachkurse während des Semesters auf drei verschiedenen Niveaus, Gruppen mit mehr als 30 Teilnehmern im Einsteigerkurs sind jedoch nicht gerade motivationsfördernd.

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Über eines muss man sich im klaren sein: Geschenkt bekommt man an der Nova nichts. Spätestens seit einem Spiegel-Ranking (Platz 9 in Europa bei den Wirtschaftsunis gleich hinter Cambridge und Oxford) ist man die Nummer eins in Portugal und kann sich dort die besten Studenten aussuchen. Und von denen wird einiges an Arbeitsaufwand abverlangt. Alle Kurse nehmen 6 Semesterwochenstunden in Anspruch, werden vom Prüfungsamt in Bonn trotzdem nur mit den 7 maximalen Kreditpunkten angerechnet.

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Vor allem bei den Managementkursen sind oft neben den Abschlußklausuren Gruppenarbeiten Pflicht, die zusätzliche Zeit in Anspruch nehmen. Andererseits sind gerade diese Kurse sehr interessant und praxisorientiert, was sicherlich eine sehr nützliche Ergänzung zu dem Bonner Stoff ist.

Daher hat sich das Jahr, obwohl man in Bonn eher mehr Scheine machen kann, auch für das Studium gelohnt. Die verbrachte Zeit mit so vielen neuen Leuten in dieser tollen Stadt sowieso, so dass ich sofort wieder gehen würde.

Michael Janßen
MiJanssen@gmx.de

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