Mein Praktikum in Pakistan
Ich habe am 27.12.2004 meine Arbeit im Rahmen eines Praktikums am Goethe Institut in Karachi (Pakistan) aufgenommen. Es ist eine interessante Arbeit in einem faszinierenden Land, und der nachfolgende Bericht soll andere Studenten ermuntern, ebenfalls einen Teil ihrer Studienzeit zu opfern, um für ein Praktikum ins Ausland zu gehen.
Wie ich mich beworben habe
Da das Land und die Arbeit hier in Pakistan mit Sicherheit spannender sind als ein Bericht darüber, wie ein Praktikumsplatz beim Goethe Institut zu bekommen ist folgt nun ein sehr kurzer Bericht zu Vorgeschichte meines Praktikums.
Ich wollte Pakistan schon immer kennen lernen, und so lag der Gedanke nah, dies im Rahmen eines Praktikums zu tun. Systematisch habe ich daraufhin versucht, herauszubekommen, welche deutschen Repräsentanten es in Pakistan gibt. Dabei habe ich nur wenig Rücksicht auf die genauen Tätigkeitsfelder genommen, die mit den potentiellen Praktikumsstellen verbunden waren Dieser Weg ist einfach und unkompliziert. Mit Hilfe der Internetseite des Auswärtigen Amtes und diverser Suchmaschinen wie z.B. Google sowie etwas Kreativität kann man recht schnell eine große Zahl von möglichen Adressen heraus suchen, die für ein Praktikum in Frage kommen.
Vor dem offiziellen Bewerbungsweg lohnt es sich, eine formlose Anfrage zu starten. Auch hierbei kann das Internet sehr nützlich sein, da nahezu alle Repräsentanten der Bundesrepublik Deutschland eine eigene Internetseite haben. Die eMail-Adressen sind dann schnell recherchiert. Am besten wird die Anfrage an die höchste Instanz der Institution gerichtet oder an einen Praktikumsbeauftragten.
In meinem Fall z.B. war dies die Institutsleitung des Goetheinstituts.
Wenn man schließlich benachrichtigt wird, dass die Möglichkeit besteht, in der ins Auge gefassten Institution ein Praktikum zu absolvieren ist es notwendig, sich im weiteren Verlauf an das offizielle Bewerbungsverfahren zu halten.
Ist eine offizielle Praktikums-Zusage erfolgt, sollten umgehend die Aufenthaltsbestimmungen des entsprechenden Landes und die Gesundheitsvorkehrungen geklärt werden.
Einem Praktikum im Ausland steht dann so gut wie nichts mehr im Wege.
Eines aber darf nicht vergessen werden; die Angst vor der eigenen Courage stellt eine große Gefahr für ein Praktikum im Ausland dar. Gerade, wenn die Reise an ungewöhnliche Orte geht, über die man selbst nur wenig weiß ist dies völlig normal.
Nachdem man über seinen eigenen Schatten gesprungen ist und sich letztlich auf den Weg gemacht hat entwickelt sich jedoch oft alles wie von selbst. Es gilt also der Leitsatz: Augen zu und durch.
Wie ist es nun in Pakistan?
1.) In den Monaten Dezember bis März kühler, als oft vermutet wird. Und nach der Akklimatisierung friert man tatsächlich schon bei 21°C.
2.) Zur Zeit sicherer, als es der Eindruck, den man durch die Medienberichterstattung gewinnen kann, vermuten lässt. Vorausgesetzt natürlich, besonders gefährliche Gegenden werden gemieden. Für Pakistan gilt somit dasselbe wie für Mexiko und viele andere Länder. Karachi ist recht sicher.
3.) Alles wirkt ein wenig improvisiert. Pakistan ist zwar ein sehr armes Land, aber der Elite mangelt es an fast nichts. Es gibt hier fast alles, was es in Deutschland oder den anderen großen Industrienationen auch gibt. Im Goethe Institut in Karachi arbeiten wir mit T-DSL Anschlüssen, und html-Kenntnisse sowie der sichere Umgang mit der gängigen Software (Office, Power Point, Photoshop) können als Voraussetzung für die Arbeit hier angesehen werden.
Ein wenig improvisiert wirkt alles hauptsächlich deshalb, weil der Fachkräftemangel
sich drastisch auswirkt. Die Stromzufuhr ist nicht konstant, und ein Mitarbeiter, der
kaum lesen und schreiben kann, legt einem zwar die Internetleitung, kann aber bei
eventuell auftretenden Problemen kaum weiter helfen.
Außerdem ist der Umgang mit der verfügbaren Technik (vorausgesetzt, es sind die finanziellen Mittel vorhanden) nicht so selbstverständlich wie in Deutschland. Dies kann dazu führen, dass zwar der Internetanschluss in einer Firma oder in einer Institution auf dem neuesten Stand ist, sich jedoch veraltete Software auf den Rechnern befindet. Niemandem fällt hier so schnell auf, dass der Browser längst überholt ist und z.B. Bilder deshalb nicht aus dem Internet runter geladen werden können. Bis das Problem erkannt und dessen Ursprung behoben werden kann vergeht oft viel Zeit.
4.) Das Essen ist recht scharf für den europäischen Gaumen. Wer aber gerne gut gewürzt isst, bekommt keine Probleme. Ohne Erfahrung mit thailändischer oder indischer Küche sollte man auf jeden Fall vorsichtig sein. Überhaupt sind Trinkwasser und Nahrung in Pakistan jeweils Kapitel für sich. Generell gilt: If you can`t peel it, or cook it, forget it.
Ich werde die nächsten zwei Monate über weiter aus Karachi berichten. Aber auch in Zukunft wird die Flutkatastrophe in meinen Texten kaum Erwähnung finden. Indien grenzt zwar an Pakistan an, aber in einem Land, in dem viele Menschen mit dem bloßen Überleben vollauf beschäftigt sind, ist das Interesse an Nachrichten meist solange gering, bis man selbst zur Nachricht geworden ist. Die hohe Analphabetenrate trägt ihr übriges dazu bei, dass Nachrichten nur schwer Verbreitung finden.
Von Navid Lodhia


