Essen nach Studenplan - In österreichischen Universitäten ist eben alles ein bisschen durchstrukturierter
Uli hat ein Semester an der Universität in Graz, der zweitgrößten Stadt Österreichs, studiert. Wie die Mensa funktioniert und worauf man vor Studienbeginn achten muss erzählt er in seinem Erfahrungsbericht.
Graz
Die Stadt
Graz ist die Hauptstadt der Steiermark und die zweitgrößte Stadt Österreichs. Dort leben ungefähr 250.000 Menschen, davon sind 36.000 Studenten. Graz hat drei Universitäten, wobei die Karl-Franzens-Universität mit 23.500 Studierenden die grösste ist. Auf die Technische Universität entfallen ungefähr 11.000 Studenten und auf die Universität für Musik und Darstellende Kunst geht der Rest von 1.500 Studenten. In der Stadt findet man ein Nebeneinander von Mittelalter, Renaissance, Barock und Elementen aus dem 19. und 20. Jahrhundert. Im Jahr 1999 ist die Altstadt von Graz zum Weltkulturerbe der UNESCO ernannt worden.
Kultur
Kulturell hat Graz auch einiges zu bieten. Es gibt mehrere Museen, ein Theater, ein Casino und das neu errichtete Kunsthaus. Es gibt auch mehrere Festivals in Graz die Kunst in allen Sparten vermitteln, so zum Beispiel den „steirischen Herbst“ und die „styriarte“. Wer Jazzmusik liebt kommt in Graz auch nicht zu kurz. Es gibt mehrere Kneipen die sich dieser Musikrichtung verschrieben haben und die Besucher regelmäßig mit Live Auftritten beglücken. Ausserdem gibt es einmal im Jahr ein großes Jazzfestival.
Wem andere Musikrichtungen mehr liegen kommt in Graz natürlich auch auf seine Kosten. In der Innenstadt und in Universitätsnähe findet man viele Kneipen, Cafés, Restaurants und Clubs. Einfach ausprobieren heißt die Devise. In einigen Lokalen findet man einen kostenlosen Szeneguide der einem bei der ersten Grobauswahl behilflich ist. Studentenpartys von klein bis groß gibt es natürlich auch. Aushänge an der Uni informieren einen rechtzeitig darüber.
Vor dem Studium, Wohnungssuche und Anmeldung
Kursinformationen
Einfach mal einen Blick auf die Seite der Universität (www.uni-graz.at) werfen und sich über die angebotenen Kurse informieren. Am Besten auch gleich mit dem Professor der Heimatuniversität abklären was dieser denn anrechnen würde. Es gibt nichts ärgerlicheres als einen Kurs zu belegen und diesen hinterher nicht angerechnet zu bekommen. Das Büro für Internationale Beziehungen in Graz und der ÖAD setzen sich mit dem Studenten bereits in Verbindung wenn dieser noch an seiner Heimatuniversität ist. Es werden einem die wichtigsten Informationen zugesandt, inklusive E-Mail und Telefonnummer für Rückfragen.
Wohnungssuche
Um die Wohnungssuche kümmert sich der ÖAD, sofern man dass will. Man bekommt einen Bogen zugeschickt in dem nach den Präferenzen gefragt wird: Preislimit, Wohnheim oder WG usw. Es können nicht alle Wünsche berücksichtigt werden, aber ich habe niemanden getroffen der keine Wohnung bekommen hätte. Es kann allerdings sein dass sich das Zimmer am anderen Ende der Stadt befindet oder dass man sich ein Zimmer mit einer zweiten Person teilen muss.
Ich persönlich bin in eine WG mit mehreren ERASMUS-Studenten gekommen was einem den Einstieg ins Studium und Nachtleben erleichtert. Man sollte sich auch einen Auslandskrankenschein von der Krankenkasse besorgen. Mit dem Formular E- 111 bekommt man bei der Steiermärkischen Gebietskrankenkasse (GKK am Josef- Pongratz Platz 1) Krankenscheine, mit denen man dann zum Arzt gehen kann. Falls man rezeptpflichtige Medikamente einnehmen muss, bringt man am besten ein Rezept mit einer Bestätigung seines Arztes mit, die besagt, warum man diese Medikamente nehmen muss.
Wichtige Vorbereitungen
Falls man sich entschließen sollte mit dem Auto nach Österreich zu fahren, sollte man an die Internationale Versicherungskarte für Kraftverkehr denken. Auch sollte man beachten, dass die Österreichischen Autobahnen gebührenpflichtig sind. Das heißt man holt sich kurz vor der Grenze in einer Tankstelle oder einer Autobahnraststätte eine Autobahnvignette. Die Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen liegt bei 130 km/h und nicht wie in Deutschland nach eigenem Ermessen.
Wenn man dann in Graz ist, muss man sich innerhalb von drei Tagen im Einwohnermeldeamt anmelden. Dazu braucht man einen Meldezettel, den man dort bekommt. Dieser muss dann ausgefüllt und vom Vermieter unterschrieben werden. Ein Reisepass oder der Personalausweis müssen auch mitgebracht werden. Das Einwohnermeldeamt befindet sich in der Beethovenstrasse, fünf Minuten entfernt von der Universität.
Karl-Franzens-Universität
"Welcome Day"
Die Karl-Franzens-Universität veranstaltet vor Studiumsbeginn einen Welcome Day. Unbedingt hingehen! Was man da mitnehmen muss, wird einem natürlich vorher mitgeteilt. An diesem Tag wird man offiziell Immatrikuliert, die Daten werden auf Richtigkeit geprüft, man bekommt seinen Studentenausweis, eine Uniführung, es wird einem erklärt wie das Studium ablaufen wird, die wichtigsten Fragen werden beantwortet und was auch sehr wichtig ist, man kann erste Kontakte zu anderen ERASMUS-Studenten knüpfen. Mit dem Studentenausweis, nachdem mal ihn registriert hat, kann man in der Bibliothek Bücher ausleihen und man bekommt verbilligten Eintritt in Museen, in die Oper und so weiter.
Kopierkarte
Eine Kopierkarte bekommt man beim Studentenwerk. Für Ausdrucke muss man Geld auf sein Druckerkonto überweisen, wie das funktioniert erklärt einem der Computerbetreuer der im Computerpool im RESOWI-Gebäude sitzt. Den Computerpool findet man im RESOWI-Gebäude, Eingang Schubertstrasse. Dieser ist jedoch von sehr vielen Studenten besucht und man muss unter Umständen anstehen. Andere Computerräume sind noch in der Merangasse 70 und in der Vorklinik, dort kann man jedoch nicht ausdrucken.
Internet
Für die Internetbenutzung benötigt man einen Zugangscode. Einen vorläufigen erhält man am Welcome Day. Die endgültige Registrierung erfolgt erst nachdem man den Studentenwerksbeitrag geleistet hat. Den Beitrag sollte man möglichst früh zahlen, da man mit 14 Tagen Bearbeitungszeit rechnen muss und man ansonsten Gefahr läuft ohne Internetzugang dazustehen.
Um den Studentenwerksbeitrag kommt man als ERASMUS-Student leider nicht herum. Dieser beläuft sich jedoch nur auf 28€. (Die Studiengebühren allerdings, die die österreichischen Studenten zahlen müssen spart man sich als ERASMUS) Den Beitrag zahlt man entweder bar in einer Bank ein, oder man überweist ihn.
Vorlesungen und Kurse
Die Vorlesungen, Kurse usw. haben meist eine beschränkte Studentenzahl. Daher muss man sich vor Vorlesungsbeginn für eine Veranstaltung anmelden. ERASMUS-Studenten kommen zwar in der Regel immer in die Vorlesungen, wenn jedoch zu viele ERASMEN in einer Veranstaltung sind kann man Pech haben. Hier zählt das Motto, wer zuerst kommt malt zuerst. Die Anmeldungen für die Veranstaltungen erfolgen direkt am Lehrstuhl. Das ist etwas umständlich und zeitaufwendig, geht aber leider nicht anders. Die österreichischen Studenten melden sich über ELEXA an. Das können die ERASMUS-Studenten allerdings nicht. Also nicht aus der Ruhe bringen lassen wenn eine gestresste Sekretärin sagt man müsse sich über ELEXA anmelden.
Bibliothek
Die Bibliothek für Wirtschaft, Soziales und Recht befindet sich im RESOWI-Gebäude. Dort kann man sich die Bücher selber ausleihen. Die Hauptbibliothek befindet sich im Hauptgebäude der Universität, dort kann man die Bücher nur über vorherige Bestellung per Computer ausleihen. Es gibt noch eine Bibliothek für den Semester Handapparat, diese Befindet sich ebenfalls im Hauptgebäude.
Vorlesungen und Klausuren
Bei manchen Lehrveranstaltungen besteht Anwesenheitspflicht. Also vorher informieren bevor man hinterher die Klausur nicht mitschreiben darf. In den Veranstaltungen mit Anwesenheitspflicht wird meist auch eine Mitarbeitsnote vergeben. Der Professor informiert einen am ersten Vorlesungstermin darüber wie sich die Note zusammensetzt, was man alles für Leistungen erbringen muss, welche Bücher man lesen sollte und wo man die Skripten erhält. Manche Veranstaltungen sind Blockveranstaltungen, das bedeutet dass man den ganzen Tag für eine Woche in einer Veranstaltung sitzt. Diese wird dann mit einer Klausur abgeschlossen und man hat für das restliche Semester seine Ruhe.
Für die Klausuren muss man sich nicht speziell anmelden. Es reicht einfach wenn man zur Prüfung erscheint. Oft werden auch zwei oder drei Prüfungstermine angeboten. Da man nicht über ELEXA an der Prüfung teilnimmt muss man der Klausur ein Lehrveranstaltungszeugnis beilegen. Dieses Zeugnis bekommt man am Lehrstuhl und muss es sich auch nach Notenbekanntgabe dort wieder abholen. Die Klausuren sind meist schon einige Tage nach Prüfungstermin korrigiert.
Nützliches
Bank
Wenn man Bankgeschäfte von Deutschland aus tätigen will braucht man seine eigene IBAN- und SWIFTnummer und auch die vom Empfänger. Dadurch spart man sich die horrenden Auslandsgebühren die man früher zahlen musste. Allerdings brauchen die Überweisungen trotzdem noch ein paar Tage. (Ausserdem hat meine Vermieterin ihre Nummern nicht gewusst was zu kleinen Schwierigkeiten geführt hat) Für bargeldlosen Zahlungsverkehr mit der deutschen EC-Karte zahlt man in der Regel nichts, für Barabhebungen am Automaten eventuell schon. Das sollte man vorher mit seiner Bank abklären. Man kann natürlich auch ein Konto bei einer österreichischen Bank eröffnen. Man sollte jedoch darauf achten dass man keine Gebühren für die Kontoführung und -auflösung zahlt.
Öffentliche Verkehrsmittel
In den Trafiken (Kiosk) erhält man Briefmarken und Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel. Stundentickets erhält man auch beim Fahrer selber, billiger sind jedoch Streifenkarten und die erhält man nur dort. Bei der österreichischen Bahn (ÖBB) erhält man für 19€ eine ÖBB Vorteilscard. Dazu braucht man nur einen gültigen Studentenausweis, einen Personalausweis und ein Passbild. Eine vorläufige Vorteilscard bekommt man sofort. Diese ist gültig bis man die richtige zugeschickt bekommen hat. Man kann damit für ein Jahr um 50% billiger mit der österreichischen Bahn fahren. Schon ein Trip nach Wien und die ÖBB Card hat sich bezahlt gemacht.
Die Mensa
Die Mensa ist recht teuer. Man braucht jedoch keinen Studentenausweis oder sonstiges vorlegen. Es gibt um die Uni herum auch einige Lokale die günstiges Essen anbieten. Die Katholische Mensa ist nicht so bekannt aber sehr gut und billiger als die andere Mensa. Diese befindet sich in der Leechgasse Ecke Geidorfgürtel. Gegessen wird dort jede 45 Minuten. Man kauft sich dort eine Essensmarke für eine bestimmte Uhrzeit. Der Essenssaal wird um diese Zeit aufgemacht und man bekommt eine Suppe, Hauptspeise, Nachspeise und was zu trinken. Anschließend muss man gehen und die nächsten werden herein gelassen. Die Spontanität leidet etwas unter diesem System aber man bekommt reichlich Essen.
Handykosten
Wer ein Handy ohne Simlock hat sollte sich eine Prepaidkarte besorgen. In Österreich telefoniert man mit Handy billiger als in Deutschland. Diese gibt es schon ohne Bereitstellungsgebühr für 30€ mit 30€ Gesprächsguthaben.
Sport
Im Universitätssportzentrum (USI) kann man was für seinen Körper tun. Es liegen zu Semesterbeginn Broschüren mit den jeweiligen Veranstaltungen aus. Es gibt einen extra Einschreibetermin für ERASMUS Studenten. Wer diesen verpasst muss sich dann allerdings mit den restlichen Plätzen begnügen und kann nicht mehr aus den vollen schöpfen. Ein Kurs kostet für das ganze Semester ungefähr 12€. Es gibt aber auch teurere Kurse.


