Lernen und dann ab auf die Piste oder doch lieber Wandern - Studieren in Österreich
Rebekka, die ihr Auslandssemester bei unseren Nachbarn verbrachte, hilft allen, die ein Auslandssemester an der Universität Klagenfurt machen möchten auf die Sprünge.
Bewerbung und Vorbereitung
Für ein Auslandssemester an der Alpen – Adria – Universität gibt es aufgrund der geringen Nachfrage kein richtiges Bewerbungsverfahren im herkömmlichen Sinne, so dass es an sich kein Problem ist, in diesem Programm aufgenommen zu werden. Welche formellen Dinge ihr dennoch beachten müsst, lest ihr am besten auf der Seite des Akademischen Auslandsamtes nach. Dort findet ihr auch die entsprechenden Formulare und Fristen (http://www.uni-mannheim.de/aaa/index.php).
Ansonsten sollten zu euerer Vorbereitung gehören: der Abschluss einer Auslandskrankenversicherung, ausreichender Zeckenschutz, frühzeitige Bewerbung um einen Wohnheimplatz (http://www.info-klagenfurt.at/phpmain.php?catid=5068) und die Anforderung des Vorlesungsverzeichnis. Denn wenn ihr erst im Nachhinein um die Anerkennung euerer Studienleistungen betet, könnte es problematisch werden. So ist es mir jedenfalls ergangen. Aber dazu später mehr. Zu sage ist noch, dass es eine sehr gute Organisation an der Uni Klagenfurt gibt, diese heißt entrée (www.entree.at). In dieser arbeiten örtliche Studenten, die sich um die Neuankömmlinge kümmern, sie am Flughafen abholen, den Wohnheimsschlüssel besorgen und einem jegliche Bürokratie abnehmen.
Die Anreise
Die Anreise mit dem Flugzeug ist die günstigste und schnellste Möglichkeit, denn der Klagenfurter Flughafen wird von der „Billig-Airline“ HLX angeflogen (www.hlx.com) allerdings nur von Hamburg, Hannover, Berlin, Köln/Bonn und Leipzig aus. Für den einfachen Flug zahlt man zwischen 30 und 50 Euro. Zu empfehlen ist die frühzeitige Buchung, denn je näher der Abreise Tag rückt, desto teurer werden die Flüge.
Meine Unterkunft
Gewohnt habe ich im Uniheim im Nautilusweg (http://uniheim.uni-klu.ac.at/). Dies ist das neueste Studentenwohnheim in Klagenfurt. Man wohnt und teilt sich mit etwa 16 Leuten einen Gang und eine Küche, was sich vielleicht erschreckend anhört, aber sehr lustig ist. Mein Zimmer habe ich mir mit einer anderen Deutschen geteilt. Darauf, dass sich zwei Studenten der gleichen Nationalität ein Zimmer teilen, wird nämlich merkwürdigerweise im Heim geachtet.
Das Wohnheim liegt gleich gegenüber der Uni, ist also sehr praktisch für Langschläfer. Geputzt werden die Zimmer alle zwei Wochen; die Küchen, sowie die Gänge täglich. Besonders nett waren auch die monatlichen Wohnheimparties und Küchenparties. Also wenn man von dem auf den ersten Blick etwas kühl wirkenden Design des Heims absieht, ist es wirklich schön dort zu wohnen. Ein kleiner Nachteil ist, dass die Infrastruktur in Klagenfurt wirklich rückständig ist. Nach halb zwölf führt kein Weg mehr in die Stadt und kein Weg mehr heraus, jedenfalls nicht mit dem Bus. Also: Ein Fahrrad ist zwingend notwendig, darum solltest du dich auch rechtzeitig kümmern, vielleicht deinen Entree („Betreuer“) damit beauftragen.
Die Universität
Die Alpen – Adria – Universität Klagenfurt ist ein Campus, auf dem alle Fakultäten liegen. (www.uni-klu.ac.at) Das Gebäude an sich ist natürlich nicht konkurrenzfähig mit dem renovierten Mannheimer Schloss, liegt dafür aber keine zehn Gehminuten vom Wörthersee entfernt. Die Hörsäle sind alle mit Beamern und Overhead-Projektoren ausgestattet, was an den Seminarsälen zu bemängeln ist. Die Computer-Pools sind leider in zwei langen Gängen eingerichtet, was das Arbeiten an den PC etwas behindert. Ruhiger ist es dagegen im Keller, in dem auch Computer stehen und man die Möglichkeit hat etwas auszudrucken. Wer ein Laptop dabei hat, kann diesen auch für W-Lan der Uni freischalten lassen. Ausgestattet ist die Uni mit einer Mensa und zwei Caféterien, die verhältnismäßig teuer sind.
Das Studium
Der Studiumsaufbau ist nicht wirklich vergleichbar mit dem Studium der Psychologie in Deutschland. Es ist gegliedert in den ersten und zweiten Abschnitt und auch die zu absolvierenden Pflichtkurse sind etwas anders. Wie genau der Studienplan aussieht, erfährst du auf der Seite des folgenden Links: http://www.uni-klu.ac.at/home/stplaene/kuwi/psy04.pdf Allgemein kann man sagen, dass das Studium eher psychoanalytisch ausgerichtet ist. Aus diesem Grund ist die Anerkennung von Prüfungen und Scheinen in Klinischer Psychologie sehr schwierig, ich zumindest habe keinen dieser Scheine anerkannt bekommen.
Empfehlenswerter ist der Austausch mit der Klagenfurter Universität wahrscheinlich eher für Studierende im Grundstudium, welche die Prüfung in „Denken und Sprache“ oder „Lernen und Gedächtnis“ in Klagenfurt absolvieren könnten, denn in diesen beiden Fächern denke ich, gibt es die geringsten Anerkennungsschwierigkeiten, da der Austausch von auf diesem Gebiet forschenden Professoren organisiert wird. Wenn einem die Anerkennung nicht so wichtig ist, dann hält die Uni Klagenfurt ein interessantes Lehrangebot bereit, besonders für diejenigen, die mal in analytische Traumdeutungsseminare, Selbsterfahrungskurse, Seminare zur interkulturellen Psychologie oder Schauspielkurse reinschnuppern möchten.
Die Stadt und Ausflugsmöglichkeiten
Die Stadt Klagenfurt ist ein sehr kleines beschauliches und sehr schönes Städtchen, mit tollen Einkaufsmöglichkeiten. (www.klagenfurt.at) Geprägt ist das Stadtbild von italienischen Einflüssen, die sich in den zahlreichen Arkadenhöfen niedergeschlagen haben. Ebenso verleihen die Palmen der Stadt ein südländisches Flair. Highlight im Sommersemester ist natürlich der Wörthersee. Aber auch im Winter, hat die Stadt ihren Reiz, denn zum nächsten kleinen Lift fährt man gerade mal zwanzig Minuten mit dem Bus und ins nächste größere Skigebiet etwa eine Stunde. Klasse ist eben auch das Klima; bis Ende März etwa sind wir noch Boarden gegangen und Ende April lagen wir schon das erstemal im Bikini auf der Dachterrasse des Wohnheims.
Wer es beim Feiern gerne etwas schicker und elektronischer mag, der ist in Klagenfurt auch richtig. Es gibt zwar nicht viele Clubs, aber drei ganz schicke Lounges in der Herrengasse. In dieser findet man auch die meisten Bars. Wer es lieber etwas alternativer und „Drum´n Bass-lastiger“ mag, den verschlägt es eher in die „melo lounge“, ein absoluter Geheimtip in der 8. Maigasse.
Etwas gewöhnungsbedürftig sind die eingeschränkten Öffnungszeiten und die höhere Mehrwertsteuer, dank derer die Lebensmittel natürlich ein bißchen teuerer sind. Von Entrée aus haben wir auch einige Ausflüge gemacht, so sind wir für einen Tag nach Venedig gefahren, für zwei Tage nach Wien, haben eine Bergwanderung gemacht oder vergünstigte Karten für das Stadttheater bekommen.
Fazit
Empfehlenswert ist ein Auslandssemester in Klagenfurt für alle die, die noch im Grundstudium sind oder denen die Anerkennung ihrer Studienleistungen an der Gastuniversität nicht so wichtig ist. Also wer ein schönes Semester am See und in einer süßen Stadt verbringen möchte, der sollte an diesem Austauschprogramm unbedingt teilnehmen.


