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Erfahrungsbericht Graz

Lieber Leser, sicherlich liest Du diesen Erfahrungsbericht, um zu prüfen, ob die KFU Graz ein oder zwei Semester Auslandsaufenthalt wert ist. Natürlich kann ich Dir diese Entscheidung nicht abnehmen, aber ich will mit diesem Bericht versuchen, Dir zu berichten, was Dich in Graz erwarten kann.

Erfahrungsbericht Graz

Anreise

Graz liegt quasi in der südöstlichen Ecke des deutschen Sprachraums. Von Jena fährt man mit dem Zug circa zehn Stunden. Dabei muss man mindestens drei Mal umsteigen (München, Salzburg, Bischofshofen). Mit dem Auto sind es gute sieben Stunden. Es empfiehlt sich hierbei nicht die A9 über Nürnberg zu fahren, sondern weiter östlich, über Selb und Regensburg zu nehmen und dann über Passau weiter Richtung Linz. Dann biegt man am Knoten Linz einfach „rechts“ ab und folgt der Autobahn (A9), die einen direkt nach Graz bringt. In Österreich sind Autobahnen vignettenpflichtig. Eine Zehntagesvignette kostet 7,60€. Zudem wird an zwei Tunneln noch mal etwa Maut fällig: 4,50 und 7,50€. In jede Richtung. Den ersten Tunnel kann man gut umfahren (circa 15 Umweg), den zweiten Tunnel hingegen nur mit großem Umweg.

Die Stadt

Graz (210.000 Einwohner) ist nach Wien (über 1 Million Einwohner) die zweitgrößte Stadt Österreichs. Im Jahr 2003 war Graz Europas Kulturhauptstadt. Dementsprechend wurden die kulturellen Sehenswürdigkeiten der Stadt renoviert und erweitert. Die Stadt ist absolut fahrradtauglich. Ich würde sogar jedem empfehlen, das Fahrrad entweder mitzunehmen (Achtung: Fahrräder dürfen im ICE nicht mitgenommen werden) oder sich doch ein einfaches Rad zu kaufen (Einfache Räder gibt es gebraucht schon ab 25 €). Allerdings gebe ich zu bedenken, dass in Graz häufig Fahrräder gestohlen werden. Aber, um das gleich wieder zu relativieren: Ich war mit einem guten Mountain Bike da – und ich besitze es immer noch.

Das Netz von Fahrradwegen ist spitze. Für öffentliche Verkehrsmittel gibt es für Erasmusstudenten keine Semestertickets. Am besten nimmt man einen Zehnerblock für 12,60€. Graz ist die Hauptstadt der Steiermark. Die Menschen hier sprechen einen lustigen Dialekt, der zwar einer gewissen Eingewöhnung bedarf, dann aber problemlos verständlich ist. Die Innenstadt ist UNESCO-Weltkulturerbe und absolut sehenswert. Die Nähe zu Italien ist im Flair nicht zu übersehen.

Die Uni (www.kfunigraz.ac.at)

In Jena studiere ich Wirtschaftspädagogik. In Graz war ich für BWL und Wipäd eingeschrieben. Für die Wirtschaftswissenschaften wurde vor wenigen Jahren ein riesiger Komplex gebaut, dessen Hörsäle sehr hochwertig sind. Allerdings gibt es folgendes zu beachten: Nahezu alle Lehrveranstaltungen sind in der Anzahl der Teilnehmer beschränkt. Vorlesungen ansich gibt es gar nicht. Stattdessen gibt es hier Vorlesungen mit Übungen (VU). Das heißt, dass meist aktive Mitarbeit gefordert wird und zudem noch ein Referat zu halten ist (meist in Gruppen). Sehr positiv ist es, dass man als Erasmusstudent überall zugelassen wird, auch wenn die Kurse offiziell schon voll sind. Dennoch sollte man sich so schnell wie möglich in den Sekretariaten anmelden. Bei der Planung bitte beachten, dass die Lehrveranstaltungen auch mal halb oder dreiviertel beginnen können. Zudem ist es sehr cool, dass man Veranstaltungen aller Fakultäten besuchen kann. Ich habe viel Psychologie gehört, was ich sofort empfehlen kann. Wegen der Anrechnung in Jena sollte man sich schon im Vorfeld Gedanken machen. Dem Namen nach dürfte es bei vielen Sachen allerdings kaum Probleme geben (dort gibt es auch „Marketing Management“, „Krisenmanagement“,…). Die Uni an sich ist eine Campus-Uni im ursprünglichen Sinn. Fast alle Fakultäten sind in einem Viertel. Zur Uni fahren zwei Busse und eine Bahnlinie. Besagtes Viertel ist nordöstlich von der Innenstadt. Zu Fuß ist man aber in zehn Minuten in die Innenstadt gelaufen.

Organisation

Um eines vorweg zu nehmen: Die Betreuung vor Ort könnte nur schwerlich besser sein. Zum einen gibt es das Büro für Internationale Beziehungen und zum anderen das Referat für Internationales von der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH). Im Büro für Internationale Beziehung macht Frau Irene Trummer einen Spitzenjob. Wenn es irgendwelche Probleme gibt, dann in den Sprechstunden einfach hingehen. Es wird ein Welcome Day organisiert, in welchem eine Uniführung stattfindet. Während des Semesters ist die ÖH für Veranstaltungen zuständig. Zu Beginn des Semesters werden Stadtführungen organisiert. Weiter gibt es mehrere Eintagesbustouren zu umliegenden Sehenswürdigkeiten (z.B. der Weinstraße). Ein Highlight ist die dreitägige Fahrt nach Wien, an welcher man unbedingt partizipieren sollte. Das hat Klassenfahrfeeling. Sie kostet ungefähr 80 € und findet im November statt.

In Graz studieren ungefähr 200 Erasmen. Davon sind sehr viele Italiener, Spanier, Finnen und Deutsche. Die ÖH organisiert zudem jeden Freitag die Erasmusparties und alle zwei Wochen einen Erasmusstammtisch. Es ist also wirklich kein Problem andere Studenten kennen zu lernen.

Wichtig ist, dass man sich in Österreich melden muss. Zwar wird es einem beim Welcome Day auch noch mal gesagt, aber es ist nötig, dass man sich beim nächstgelegenen Einwohnermeldeamt anmeldet. Neben den oben genannten Büros gibt es zusätzlich noch einen Ansprechpartner an der SOWI-Fakultät. Bei mir war das Dr. Hirt vom Institut für Internationales Management. Allerdings war es während meiner Zeit in Graz nicht einmal nötig, dass ich bei im vorstellig werden musste.

Unterkunft

Im Vorfeld des Austauschs wird man vom Österreichischen Austauschdienst (ÖAD) angeschrieben. Die organisieren einem ein Zimmer. Es ist möglich in einem Studentenwohnheim oder in der WG unterzukommen. Ich habe mehrere Studenten getroffen, die in privaten WGs (häufig mit österreichischen Studenten) untergekommen sind. Die waren alle zufrieden (was allerdings nicht repräsentativ ist). Die Preise sind allerdings etwas höher als in Jena. Ich selbst habe in einem Studentenwohnheim gewohnt, welches ich sehr empfehlen kann: Das WIST-Heim in der Wiener Straße. Es ist zwar nicht im Univiertel, aber dennoch gut zu erreichen. Mit dem Fahrrad sind es gute zehn Minuten bis zur Uni. Es ist eines der modernsten Wohnheime mit flatrate im Zimmer. Insgesamt habe ich 180 € im Monat bezahlt. Von anderen Wohnheimen habe ich Durchwachsenes gehört.

Das Studium an sich

Das Niveau der Veranstaltungen ist ungefähr wie in Jena. Allerdings wird mehr auf Gruppenarbeiten gesetzt. Insbesondere bei Veranstaltungen an der SOWI. Allerdings darf man die Ansprüche nicht mit denen vergleichen, welche man von Seminaren in Jena kennt. Etwas lockerer ist es dann doch. Ich wollte noch auf das Online-Vorlesungsverzeichnis hinweisen. Hier kann man schon frühzeitig sehen, was möglich ist. Auf die geforderten 30 ETCS-Credits zu kommen kann relativ schwierig sein. In der Regel bringen zweistündige Veranstaltungen an der SOWI vier ETCS-Punkte. Allerdings sind andere Fakultäten da weniger großzügig. Häufig bringen Psychologievorlesungen nur drei Credits. Grundsätzlich halte ich nichts davon bestimmte Veranstaltungen zu empfehlen oder zu verteufeln. In einem Fall möchte ich aber von der Regel abweichen: Sehr zu empfehlen ist das Präsentationstraining in Englisch von Norbert Berger.

Freizeit

Es gibt ein Leben neben dem Studium! Und das kann man im Graz sehr gut genießen. Im Sommer fühlt man sich sowieso wie in Italien. Doch auch im Winter gibt es einiges zu erleben. Sehr zu empfehlen ist der Schlossberg, der einen Blick von 80 km in die Südsteiermark eröffnet. Zudem ist die künstliche Insel in der Mur ein Highlight. Wer Kultur schätzt dem sei das neue Kunsthaus ans Herz gelegt. Etwa 20 km nördlich von Graz liegt mit dem Schöckl der „Hausberg“ der Grazer. Der ist ungefähr 1500m hoch und eröffnet einen high-class alpinen Panaromablick. Wer auf Skifahren steht, ist in Graz keinesfalls falsch. Die ÖH organisiert in Dezember immer eine Skiwoche. Zudem kann man auch selbst mit der Bahn oder mit dem Auto (circa eine Stunde) in eines der Skigebiete fahren. Sehr gut muss wohl Schladming sein. Oder man kann direkt nach Kärnten fahren.

Das Nachtleben ist einer Studentenstadt würdig. Es gibt im Univiertel viele gemütliche Kneipen in den einiges geht. Zudem gibt es mehrere gute Clubs, die über die Stadt verteilt sind.

So, das war also meine kurze Einführung in das Studentenleben von Graz. Ich hoffe, diese drei Seiten können Dir als Entscheidungshilfe dienen. Ich selbst blicke zufrieden auf meine Zeit in Graz zurück. Sowohl was das fachliche Studium als auch das Studentenleben angeht.

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