Bergen
Erfahrungsbericht Skandinavistik/Geschichte in Bergen (Norwegen) 2004
Im Frühjahrssemester 2004 (våren 2004) war ich an der Universität von Bergen (www.uib.no). Dort studierte ich, wie auch zuvor in Deutschland, Geschichte und Skandinavistik. Am Ende des Semesters bestritt ich drei Prüfungen, die mir 45 ECTS-Punkte sicherten. Soweit ich weiß, gab es allerdings keine ECTS-Forderung seitens des Erasmus/Sokrates-Programmes, falls dies doch nicht der Fall ist, so sind jedenfalls 30 ECTS-Punkte genügend Punkte für ein volles Studium im Semester.
Ich glaube nicht, dass ich soviel neues berichten kann, da jeder Austausch anders verlaufen mag und die Standardinformationen sicherlich schon gelesen wurden. Ich kann nur darauf hinweisen, dass ich keine Probleme mit dem Programm hatte. Die Organisation in Bergen verlief äußerst zufriedenstellend. Die Dozenten waren freundlich, hilfsbereit und nahmen sich Zeit für einen.
Anreise
Nach Bergen kann man vielseitig anreisen. Jede Anreiseart hat natürlich Vor- und Nachteile. Selbst fuhr ich mit Bus und Bahn nach Bergen, um möglichst viel Gepäck mitzunehmen. Zurück flog ich allerdings.
Das Fliegen hat zur Zeit die meisten Vorteile, aber leider auch einen entscheidenden Nachteil. Das Gepäck ist auf 15-20 kg begrenzt. Von Berlin-Schönefeld fliegt die norwegische Fluggesellschaft Norwegian für 400 NOK bzw. ca. 50 Euro nach Oslo. Die Plätze sind natürlich begrenzt und man sollte rechtzeitig, also Monate im Voraus, den Flug sichern. Von Oslo nach Bergen kann man wiederum fliegen oder auf einer wunderschönen Bahnstrecke reisen. Die Fahrt kostet maximal 600 NOK, jedoch gibt es verschiedene Preise und Kategorien, so dass man auch für weit weniger einen Fahrschein kaufen kann. Dieses Jahr (2004) hat die norwegische Bahn auf jeden Fall noch das minipris-Ticket, das nur 150 NOK kostet, allerdings sind die Plätze begrenzt und man sollte sich wieder rechtzeitig (Wochen oder Monate zuvor) darum kümmern. Die Anreise mit dem Zug oder Bus dauert recht lange. Damals war ich, aus Berlin abfahrend, 27 Stunden unterwegs (Bus und Zug). Man kann natürlich nahezu unbegrenzt viel Gepäck mitnehmen, aber die Busfahrt wird spätestens nachts zur Tortur. Insgesamt bezahlte ich damals 150 Euro, um von Berlin nach Bergen zu kommen. Meines Erachtens ist eine Zugreise von Deutschland nach Bergen wesentlich teurer.
Aus Dänemark oder Nordwestdeutschland könnte man sicherlich auch mit dem Boot nach Bergen anreisen, allerdings weiß ich nichts über Preise, Dauer und Gepäck. Natürlich kann man auch mit dem Auto nach Bergen gelangen. Die Kosten dürften nicht allzu hoch ausfallen. Man sollte jedoch beachten, dass man in der Stadt Bergen Straßenmaut bezahlen muss, und dass das Auto Mehrkosten während des Aufenthalts produzieren wird. Andererseits könnte man so wunderbar die Gegend um Bergen bereisen - ein klarer Vorteil.Wohnung und Miete
Eigentlich besorgt euch die Universität von Bergen einen Platz im Wohnheim. Die Austauschstudenten werden normalerweise im Wohnheim Fantoft "gettoisiert". Es liegt ca. 6 km außerhalb der Innenstadt.
Die Busse 20, 21, 22, 23 und 24 (wenn mich meine Erinnerung nicht trügt) fahren dorthin. Die Einzelfahrt kostete 23 NOK, die Monatskarte für Studenten 400 NOK. Diese Kosten kann man gleich in die Miete mit einplanen, es sei denn, man kauft sich ein Fahrrad und stürzt sich in den Verkehr. Die Illusion eines kleinen Spaziergangs konnte ich nicht lange aufrechterhalten. Ich empfehle, den Bus zu benutzen und sich eine Monatskarte (Passfoto mitnehmen) zuzulegen, aber auch ein Fahrrad ist denkbar. Zusammen mit der eigentlichen Miete landet man bei ca. 2300 NOK im Monat für die Unterkunft und Fahrt in die Innenstadt. Die Maut für das Auto liegt bei 15 oder 20 NOK pro Fahrt in die Stadt.
In der Innenstadt kann man angeblich ab 2500 NOK wohnen, doch eigentlich sind 3000 bis 3200 NOK wahrscheinlicher. Hin und wieder kommt auch noch Strom dazu. Wenn man einmal in Fantoft eingezogen ist, muss man dort auch für mindestens zwei Monate bleiben. Das Projekt Innenstadt sollte also wohl durchdacht sein.
Ich blieb in Fantoft. Das Zimmer ist ausreichend möbliert, allerdings erinnert es stark an die 70er Jahre. Anfangs wirkte das Zimmer einfach bizarr, am Ende wirkte es nur noch rustikal, wenn auch mit kostenloser Internetbenutzung. Wenn man im Hochhaus auf einem 8er Flur wohnt, ist eigentlich genügend Zeug in der Gemeinschaftsküche. In den Einzelzimmern mit Küche oder den 2er WGs ist dies nicht der Fall. Das Hochhaus (18 Etagen mit 2 Fluren à 8 Personen) gilt als Partyzone. Hier trifft man am ehesten Leute. Die anderen Blocks mit den Einraumwohnungen oder 2er WGs sind eher ruhiger.
Sprache
In Bergen ist es nicht unbedingt nötig, dass man Norwegisch sprechen oder verstehen kann. Sowohl den Alltag als auch das Studium kann man mit Englisch meistern. Allerdings ist die Auswahl der Seminare weitaus kleiner und es ist nicht gesagt, dass man ein brauchbares Studienangebot in seiner Fachrichtung bekommt. Zudem gibt es auch ein paar Norweger, denen das Englisch nicht so leicht fällt, doch ihr Anteil ist sehr gering. Wahrscheinlicher ist es, dass das Englisch anderer Austauschstudenten recht kümmerlich ist.
Als Deutscher kann man in einem Jahr ohne irgendwelche Vorkenntnisse soviel Norwegisch lernen, dass man den Alltag meistern, sich mit Einzelnen unterhalten und nahezu alles auf Norwegisch lesen kann. Gespräche mit störenden Nebengeräuschen sind weiterhin schwierig und einige Personen versteht man aufgrund ihres Dialektes nur geringfügig. Generell gewöhnt man sich jedoch recht schnell an die verschiedenen Dialekte. Sprachkurse werden von der Universität angeboten und sind von mir nur zu empfehlen.
In Fantoft spricht man hauptsächlich Englisch, da es nur wenige Studenten gibt, die Norwegisch beherrschen. Der Norwegeranteil im Wohnheim liegt bei ca. 10%. Ansonsten trifft man unheimlich viele Deutsche bzw. deutschsprachige Franzosen und Italiener.
Einführung und Studium
Die Einführungsveranstaltungen im August sollen recht gut gewesen sein. Es wurde viel geboten und der Zeitplan war nicht engbemessen. Es gab eine Stadtrundfahrt, eine Fjordfahrt, einmalige Vorlesungen (Englisch) und mehre kostenlose Essen. Im Januar hatte man nur eine Woche Zeit. Die Fjordfahrt gab es deshalb nicht, doch ansonsten wurde einiges geboten, aber eben nur ungefähr die Hälfte der Sommerkennlernwoche.
Die ersten Vorbereitungssitzungen für die "richtigen" Kurse fanden bereits innerhalb der Einführungswoche statt, die an sich jedoch nicht so wichtig sind. In ihnen wird nur der Ablauf geschildert und man kann noch eigene Vorstellungen miteinbringen. Den Stundenplan bastelt man sich natürlich selbst. Die Informationen findet man in den Instituten oder auch sehr ausführlich im Netz. Sowieso arbeitet die Universität von Bergen sehr viel mit dem Internet. Kurs- und Prüfungsanmeldungen erfolgen ausschließlich über das Internet. Kursbegleitendes wird sehr oft ins Netz gestellt.
Das norwegische Studiensystem unterscheidet sich vom deutschen. Die Kurse sind normalerweise intensiver und mit mehr Aufwand verbunden. Jeder Kurs hat ein Pensum, eine Leseliste, die kursbegleitend gelesen werden soll. Viele Kurse sind auch mehrmals in der Woche. Der Sprachkurs ist zum Beispiel 6-8 Stunden in der Woche. Eine von mir gewählte Vorlesung hatte einen Umfang von 6 SWS (+ Leseliste) und eine Übung umfasste 4 SWS (mit Übersetzungsaufgaben von Dienstag auf Donnerstag). Deshalb sind die Kurse arbeitsaufwendiger und bringen meistens 15 ECTS-Punkte ein. Einige Kurse werden mit 10 oder gar nur 5 ECTS-Punkten gewertet, allerdings sind sie dafür nicht so aufwendig.
Zudem gibt es auch spezielle Kurse für Austauschstudenten (nur in Englisch), in denen Geschichte, Geographie und Kultur Norwegens nähergebracht werden. Oftmals sind Exkursionen in diesen Kursen integriert. Dies ist eine gute Möglichkeit, sich preiswert die Gegend anzuschauen. Einkaufen und Geld
Norwegen ist für Deutsche teuer. Doch darüber kann man viel schreiben, glauben tut man es erst, wenn man den täglichen Einkauf macht. Am Ende des Semesters hatte ich das Gefühl, dass Produkte, die unter 10 NOK (1 Euro sind ca. 8 NOK) kosten, ein Schnäppchen sind. Das ist jedoch nicht so leicht zu vereinfachen.
In Bergen gibt es mehrere verschiedene Einkaufsmöglichkeiten. Mit die teuerste steht direkt vor dem Wohnheim. Der Laden heißt Safari und ist mit der deutschen Kette Extra zu vergleichen. Die Produkte sind schön präsentiert und der Laden ist nicht so vollgestellt. Preiswerter ist die Kette Rimi. Sie ähnelt schon mehr dem Aldi. Noch billiger ist Rema1000. Diese Kette hat ein gutes Preisleistungsverhältnis. Selbst das Gemüse und Obst sieht recht gut aus. Eindeutig das billigste Geschäft ist Oy!, in dem man selbst die Waren in die Kasse einscannt. Der Laden ist vollgestellt und alles wird aus Paletten verkauft. Obst und Gemüse kann man dort auch kaufen, doch sieht es oftmals schlapp aus. Zudem gibt es noch die Supermarktkette Kiwi, die recht teuer ist, aber auch ein großes Angebot hat. Außerdem findet man auch kleinere Läden, die sich spezialisiert haben, z. B. auf Naturkost, asiatisch und Ähnliches.
Preisliste (aus dem Gedächtnis) 0,33 l Bier 10 NOK 20 Zigaretten 80 NOK 1 kg Nudeln 10-18 NOK (unterschiedliche Kochqualitäten) 1 Brot (mind. 600 g) 6-25 NOK (selbst backen aus Fertigmischungen lohnt sich; ca. 20 NOK für zwei Brote mit Geschmack) 1 l Milch ca. 10 NOK 500 g Butter 18 NOK 1 kg Käse 70 NOK und mehr
Kaffee und Schwarztee sind recht billig, schmecken allerdings dementsprechend. Fleisch, Wurst und frische Produkte sind teuer. Die Preise sollte man selbst studieren, da sie sich vielleicht schon wieder verändert haben. Lidl versucht nämlich, auf dem norwegischen Markt Fuß zu fassen. Dies könnte zu Folge haben, dass die Preise generell nachgeben werden.
In Kneipen und Restaurants lässt man erstaunlich viel Geld. Ein halber Liter Bier kostet normalerweise 45-50 NOK. Einen Restaurantbesuch habe ich nie gemacht. Zu empfehlen ist das Café/die Kneipe Kvateret. Dieses Haus wird von Studenten betrieben und ist preiswert. Zur Happy Hour kostet ein Bier nur 25 NOK. Arbeiten kann man dort auch, es gibt zwar kein Geld, aber Vergünstigungen und Kontakt zu Norwegern. Auch das Essen ist dort bezahlbar.
Mit 4500 NOK sollte man recht gut durch einen Monat kommen. Dafür muss man allerdings preisorientiert einkaufen und darf nicht allzu viel am Abend in der Stadt lassen. Trotzdem reicht das Geld, um sein Zimmer im Wohnheim zu verlassen und Verschiedenes zu entdecken. Freizeit
In und um Bergen gibt es Einiges zu sehen. Zunächst einmal liegen in der Gegend zwei große und bekannte Fjorde: der Hardangerfjord und der Sognefjord, der (soweit ich weiß) längste Fjord der Welt. Er ist mit dem Schnellboot gut und günstig zu erreichen. Des Weiteren lädt die Gegend zum Wandern oder Skilaufen ein. Recht dicht an der Stadt liegen Bergens namengebende sieben Berge. Das offene Meer ist nah und auch zum Angeln gibt es viele Möglichkeiten.
Aber auch in der Stadt kann man Einiges sehen: Bryggen (Brüggen), die Fantoftstabkirche, malerische Holzhäuser an engen Straßen und Gassen und viele ältere Gebäude wie die diversen Kirchen und den Rosenkranzturm aus dem Mittelalter. Bergen ist ebenso reich an Museen. Und schließlich ist die Kneipenszene in Bergen eine ganz besondere. Es lohnt sich alle mal, abends am Wochenende in die Innenstadt zu fahren. Die Universität bietet zahlreiche Sportkurse an, über die man einfacher mit Norwegern in Kontakt kommen kann.
Im Wohnheim trifft man praktisch ganz Europa bzw. die halbe Welt. Die Austauschstudenten sind natürlich sehr offen und man findet schnell Gleichgesinnte. Im Hochhaus von Fantoft gibt es eigentlich das ganze Wochenende die berühmten Küchenparties.
Letztlich kann man von Bergen aus wunderbar in Norwegen herumreisen. Oslo liegt nur 6 Stunden mit der Bahn entfernt und nach Trondheim (wie auch Oslo) kann man innerhalb von 60 Minuten hinfliegen. Außerdem fährt die Hurtigrute in Bergen los. Mit ihr kann man bis zum Nordkap reisen. Des Weiteren könnte man mit der Fähre zu den Färöerinseln oder gar nach Island reisen. Selbst Nordengland ist nicht allzu weit entfernt.
Abschließendes
Falls es noch Fragen gibt, dann schreibt ruhig an chiefmanitu@gmx.de. Mir hat das Auslandssemester sehr gut gefallen. Es war für mich persönlich als auch fachlich äußerst ergiebig. Aufgrund der gemachten Erfahrungen kann ich mir gut vorstellen, dass ich ein zweites Mal im Ausland studieren werde.
PS: An das Wetter als auch an die Lichtverhältnisse gewöhnt man sich mit der Zeit. Mit jedem Tag bekommt man auch mehr Licht geboten (gilt natürlich nur fürs Frühjahrsemester) und der Regen gehört sowieso zur Stadt. Oft war es nur ein feiner Nieselregen, der nach ein paar Wochen Eingewöhnungszeit von mir gar nicht mehr wahrgenommen wurde.
Von Fabian Schwabe


