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CEMS in Rotterdam

Gerrit studiert von August bis Ende Dezember 2006 in Rotterdam. Stellenboersen.de hat ihn gesprochen, um einen Einblick in sein Studium und seine Auslandserfahrungen zu bekommen.

CEMS in Rotterdam

 1. Wo bist du?

Ich bin in meiner WG in Rotterdam in den Niederlanden.

 2. Warum hast du dich bei deinem Auslandssemester ausgerechnet für die Niederlande entschieden?

Bei der Bewerbung um das Auslandssemester im Rahmen des CEMS Programms konnte man drei Wunsch-Orte angeben. Rotterdam war mein Drittwunsch. Ich fand Rotterdam aus mehreren Gründen ansprechend. Zum einen habe ich einen Sohn und meine Freundin in Deutschland und wollte deshalb nicht so weit weg, dass man sich nicht regelmäßig sehen kann. Ein weiterer Grund war die Sprache: für mein Studium muss ich gute Kenntnisse in einer zweiten Fremdsprache neben Englisch vorweisen. Da ich in der Schule Latein hatte, musste ich dafür eine Sprache ganz neu beginnen. Niederländisch hat eine große Sprachverwandtschaft mit Deutsch und ist trotzdem im Geschäftsleben nicht uninteressant. Außerdem ist die RSM, die Business School der Universität eine der besten Europas.

 3. Was ist das für ein Studiengang, den du da machst?

CEMS steht für „Community of european management schools and international companies“. Der Abschluss, den ich bei CEMS mache, heißt "Master in international management". CEMS hat in den meisten europäischen Ländern je eine Uni, an der ein CEMS Studium möglich ist. In Deutschland ist dies die Uni Köln, wo ich sonst BWL studiere. Die holländische CEMS Uni ist die Erasmus Universität in Rotterdam. Das Programm dauert ein Jahr lang und umfasst neben dem reinen Studium ein einwöchiges Blockseminar mit Professoren aus ganz Europa, ein 10 Wochen dauerndes Auslandspraktikum, 4 Skillseminare, sowie ein Business Project bei einem unserer Partner-Unternehmen. Ein Semester findet an der „Heimat-Uni“ statt, das andere im Ausland, an einer anderen CEMS Uni. In dieser Zeit muss man bestimmte CEMS Kurse, die extra für die Studenten des Programms angeboten werden, besuchen. Außerdem hat man die Möglichkeit, an ausgewählten Kursen der jeweiligen Universität teilzunehmen.

 4. Wie hast du deine Unterkunft bekommen?

Über das international Office der Erasmus Uni Rotterdam. Ich hatte so zwar keine Möglichkeit, mir die Wohnung vorher anzusehen, aber Wohnungssuche aus der Ferne ist ja eh nicht so einfach... Ich hatte aber wirklich Glück mit meiner WG und wohne mit zwei Niederländern in der Innenstadt von Rotterdam.

 5. Gab es irgendwelche Einführungsveranstaltungen?

Zu Anfang des einjährigen CEMS-Studiums nimmt man an einem Blockseminar in einer der CEMS-Städte teil. Ich war eine Woche auf Ameland, einer Insel im Norden der Niederlande. Es war zwar auf der einen Seite schon ein arbeitsintensives Seminar, diente aber auch dem Kennenlernen mit gemeinsamen Unternehmungen, wie Wattwanderungen und Ausflüge mit dem Fahrrad. Außerdem haben die meisten „CEMS Core Courses“ (also die Kurse, die speziell für die CEMS-Studenten sind, Anm. der Redaktion) auch Einführungsveranstaltungen.

 6. Wie ist das mit deinen Sprachkenntnissen? Gab es Probleme?

Die Veranstaltungen sind in den Niederlanden auf Englisch. Niederländer haben allgemein ein recht hohes Englischniveau, weshalb das Englischniveau an der Uni auch sehr hoch ist. Die Sprachschwierigkeiten sollten nicht unterschätzt werden, da man, auch wenn man ein gutes Englisch spricht, Probleme mit dem Fachvokabular bekommen kann. Außerdem ist der Unterricht weit interaktiver als in Deutschland, was inhaltlich anspruchsvolle Diskussionen auf Englisch einschließt. Aber mit der Zeit wird das einfacher.

 7. Hast du viel Kontakt zu holländischen Studenten?

Meine beiden Mitbewohner sind Niederländer, auch Studenten an der RSM. Außerdem sind etwa 1/3 des Studiengangs Niederländer, also diejenigen, die gerade im „Heimatsemester“ sind. Außerdem lernt man in den Kursen, die man neben den CEMS Veranstaltungen besuchen kann, viele Niederländer kennen. Aber ich spreche meist trotzdem eher Englisch als Niederländisch, weil das für mich noch deutlich einfacher ist.

 8. Wie gefällt dir die Stadt?

Gute Frage... Rotterdam wurde im zweiten Weltkrieg fast völlig zerstört, weshalb sie nicht als typisch niederländisch bezeichnet werden kann. Heute besteht die Stadt teils aus sehr moderner Architektur und ziemlich futuristischen Bankentowern, die eine schöne Skyline bilden. Deshalb wird Rotterdam auch „Maashattan“ genannt. Zum anderen finden sich dann aber auch wieder recht unattraktive, zweckmäßige Bauten. Die Stadt ist wie die ganzen Niederlanden sehr multikulturell und weltoffen. Außerdem gibt es sehr gute Museen und eine nette Kneipenszene hier. Die Uni ist eine Campus Uni mit schönen Grünanlagen und ist sehr modern. Ausstattung und Betreuung sind wirklich erstklassig – man merkt, dass die Uni Geld hat.

 9. Was nimmst du als Erfahrung mit?

Was man im Ausland lernen kann, ist auf jeden Fall einen aktiven Umgang mit den kulturellen Besonderheiten anderer. Ich habe in meinem Studium mit Studenten aus 20 verschiedenen Ländern zusammengearbeitet, was eine einmalige Erfahrung war. Ich hatte schon vorher nicht wirklich Hemmungen, auf andere zuzugehen, aber auf einer anderen Sprache ist das auf jeden Fall noch anders. Das war Anfangs doch schon eine besondere Herausforderung, an der man aber auch wächst.

 10. Wie lange wirst du noch bleiben?

Das Semester endet hier kurz vor Weihnachten. Ich bin also grade dabei, noch für meine Klausuren zu lernen. Leider bleibt anschließend nicht wirklich viel Gelegenheit, mir hier noch viel anzusehen und meine Zeit noch ein wenig zu genießen, weil ich Weihnachten natürlich zuhause sein möchte.

 11. Würdest du es anderen auch empfehlen?

Das CEMS Programm ist auf jeden Fall eine tolle Chance. Die Anforderungen sind zwar sehr hoch, aber der CEMS Master ist auch sehr renommiert. (zweitbester Abschluss in Europa für Wirtschaft – „Financial Times Europe“ Ranking) Und es ist wirklich eine große europäische Erfahrung. Rotterdam hatte für mich definitiv einen Standortvorteil, da ich familiär gebunden bin. Leider habe ich feststellen müssen, dass der Arbeitsaufwand für CEMS Studenten in Rotterdam doch enorm ist, und ich deshalb weniger von den Niederlanden sehen konnte, als ich gerne hätte. Die Niederlande als weltoffenes und modernes Land kann ich aber Ort für ein Auslandsemester nur sehr empfehlen.

Iris Rademacher

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